Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 77. Sitzung / Seite 153

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rücken. Im gleichen Zeitraum ist Österreich von Platz 11 auf Platz 19 zurückgefallen. Und ich sage Ihnen: Das hat sehr wohl mit den Bildungsinvestitionen und einer sehr unvernünftigen Regierungspolitik der linearen Kürzungen zu tun.

Frau Bundesministerin! Dagegen haben Sie sich zwar teilweise in Ihrem Bereich zur Wehr gesetzt  aber eben nur teilweise. Im Hochschulbereich ist das gar nicht passiert. Wenn man sich die Hochschulbudgets anschaut, dann stellt man fest, daß es zwar seit den siebziger Jahren eine Steigerung der Hochschulbudgets  inklusive aller Inflationserscheinungen  um 60 Prozent gibt, daß sich aber im selben Zeitraum die Zahl der Hörer und Hörerinnen vervierfacht hat. Das heißt, wir haben pro Jahr und pro Studentin oder Student Kürzungen von 3 Prozent. Das schlägt sich letztlich auch bei der Rangordnung des Wirtschaftsstandortes Österreich leider sehr traurig nieder.

Frau Bundesministerin! Noch etwas: Wenn wir folgenden Umstand beklagen und wenn jetzt auch von Ihrer Partei, teilweise aber auch von Vertreterinnen und Vertretern der sozialdemokratischen Fraktion, das Argument kommt: Die Öffnung der Hochschulen hat nicht wirklich zu einer vollen Chancengleichheit sozial unterprivilegierter Schichten geführt!, dann frage ich Sie: Ist das ein Grund dafür, diesen Prozeß jetzt ins Gegenteil zu verkehren?

Hätten wir nicht eher fragen sollen, warum diese Strategie der Öffnung der Hochschulen den sozial Unterprivilegierten nicht wirklich, sondern nur teilweise zugute gekommen ist?  Das hat einmal mehr mit dem Schulwesen zu tun. Es braucht doch niemand zu glauben, daß, nachdem man die Schülerinnen und Schüler jahrelang in verschiedene Kasterl und Rasterschemen eingeteilt hat  und zwar nach sozialen Kriterien; das ist ja hier schon mehrfach gesagt worden , diese Unterschiede dann, wenn diese jungen Leute volljährig werden, auf einmal verschwinden. Die Differenzen an den Hochschulen sind ein schlagendes Argument dafür, daß wir tatsächlich eine gemeinsame Schule im mittleren Bereich für alle Kinder in diesem Lande einrichten müssen. (Zwischenruf der Abg. Dr. Brinek. )

Vielleicht ist damit das Problem noch nicht gelöst, Frau Kollegin Brinek. Aber das Gegenteil zu machen, auf Elitenbildung zu setzen und bewußt in Kauf zu nehmen, daß Frauen, Kinder aus sozial schwächeren Schichten, Gastarbeiterkinder und so weiter diskriminiert werden, macht das Problem mit Sicherheit nur größer! (Beifall bei den Grünen.)

Es heißt doch immer wieder, wir lernen für das Leben, und ich höre von allen Firmen, wie dringend sie sozial anpassungsfähige, teamfähige Leute brauchen. Und dann brauchen wir auf einmal eine Schule der Kasterl und der Raster, eine Klassenschule im Sinne von sozialen Klassenunterschieden?  Das ist doch wirklich in höchstem Maße unlogisch!

Wenn es Eliten gibt  ich will das Wort "Elite" gar nicht verwenden, es ist für mich sehr, sehr negativ besetzt , wenn es tatsächlich förderungswürdige Leistungen, also Spitzenleistungen gibt, dann sollten das Spitzenleistungen im Sinne sozialer Qualitäten sein. Das bremst keinen einzigen Schüler und keine einzige Schülerin intellektuell auch nur irgendwie ein! (Beifall bei den Grünen.)

Da könnten sich wirklich sowohl intellektuelle als auch soziale Qualitäten besser entwickeln. Ich rede aus Erfahrung, und zwar aus langjähriger Erfahrung im Unterrichtsbereich.

Zur Notendiskussion sage ich Ihnen folgendes: In Österreich bringen sich etwa 50 Kinder pro Jahr um  bei einem gut Teil sind daran die Noten schuld. Ich denke, daß ein einziges Kind, ein einziger derartiger Vorfall ausreichend sein müßte, das gesamte System in Frage zu stellen und ein neues, humanes und absolut leistungsförderndes Bildungswesen einzurichten.  Sie aber hüten sich mit Ihrer Zweidrittelmehrheit, auf daß nur ja keine weitreichenden Veränderungen passieren.  Das ist unendlich traurig! (Beifall bei den Grünen und beim Liberalen Forum.)

17.21

Präsident Dr. Heinrich Neisser: Zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Dr. Gredler. Die Redezeit beträgt 7 Minuten. Bitte.


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