Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 77. Sitzung / Seite 155

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Frau Bundesminister! Sie haben gesagt, daß der Einsatz der neuen Technologie in Österreich vorbildlich sei. Ich habe mich in Amerika kundig gemacht, was dort an Anstrengungen unternommen wird  vor allem von Al Gore  bezüglich der Integration der neuen Technologien in den Schulen. Ein Computer pro Schule, mit einem Netzzugang, ist wirklich nicht ausreichend, um sagen zu können, Österreich sei eine fortschrittliche Nation. Es ist doch lächerlich, zu glauben, daß sich 30 Schüler balgen werden, um vielleicht 45 Minuten pro Woche einen Netzzugang zu haben. Das möchte ich mir anschauen! Es werden sich vielleicht zwei Schüler wirklich kundig machen  und alle anderen werden im Hintergrund spielen, weil man sie nicht ausreichend beschäftigt. Es wäre daher unsere Chance, bei einem wirklich großartigen Einstieg mitzutun, weil wir bezüglich der technologischen Entwicklung auf dieser Welt schon 15 Jahre im Rückstand sind. In dieser Hinsicht, Frau Bundesministerin, machen Sie nichts  außer: Ein Computer pro Schule reicht.  Uns reicht das nicht! (Beifall beim Liberalen Forum.)

Zum Schluß möchte ich nur noch auf folgendes eingehen: Sie haben aus Bewertungen internationaler Studien zitiert, wonach Österreich auf der einen Seite sehr gut und auf der anderen Seite  jene, die Sie nicht gelten lassen wollen  sehr schlecht ist. Die Durchschnittszahl, die ein Lehrer pro Jahr an Unterrichtsstunden absolvieren muß, beträgt 709 Stunden. Die Normarbeitszeit für einen Beamten beträgt 1 763 Stunden. Zwischen der Normarbeitszeit eines Beamten und der eines Lehrers gibt es also einen Unterschied von 1 000 Stunden.

Man kann sagen, daß ein Lehrer am Anfang des Werdegangs sehr viel Zeit braucht, um sich vorzubereiten, um die Materialien zu sortieren, um seine Methodik des Unterrichts herauszufinden. Das halte ich auch für legitim, es ändert sich dann aber nichts. Er hat dann eine gewisse Routine  man wird in jedem Beruf etwas schneller mit der Zeit. Dem wird jedoch überhaupt nicht Rechnung getragen, es bleibt dabei: 20 beziehungsweise 23 Stunden pro Woche sind genug (Präsident Dr. Neisser gibt das Glockenzeichen), wobei man vielleicht nur noch fünf Stunden an Vorbereitung braucht.

Entschuldigen Sie, wenn ich den letzten Satz erst jetzt beginne. Frau Bundesministerin, das könnten wir wirklich ändern: Wir sollten die Junglehrer (Präsident Dr. Neisser gibt neuerlich das Glockenzeichen) mehr in diese Richtung unterstützen  und dann, wenn sie Routine bekommen, könnten wir ihre Stundenzahl erhöhen. (Beifall beim Liberalen Forum.)

17.28

Präsident Dr. Heinrich Neisser: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dr. Rada. Die noch zur Verfügung stehende Redezeit beträgt 9 Minuten. Bitte.

17.28

Abgeordneter Dr. Robert Rada (SPÖ): Sehr geschätzter Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Sehr geschätzte Damen und Herren! Ich habe den Text dieser Dringlichen Anfrage sehr genau gelesen; sehr genau deswegen, weil zum einen darin meiner Ansicht nach sehr bemerkenswerte Ansätze enthalten sind, zum anderen aber hat mir die Dringlichkeit gefehlt  außer vielleicht im Hinblick darauf  um es positiv zu bewerten , daß wir unseren Schülerinnen, Schülern und Lehrern knapp vor Schulschluß wieder gezeigt haben, wie wichtig wir die Frage der Schule nehmen. (Abg. Hans Helmut Moser: Das ist ein interessanter Ansatz!)

Als Lehrer möchte ich aber vor allem zwei Dinge zurückweisen: erstens, daß Schule zu Untertanen ausbildet. Jeder, der das heute noch behauptet, ist eingeladen, in eine Schule zu kommen. Unsere Schülerinnen und Schüler verhalten sich nämlich ganz anders  keinesfalls als Untertanen, wie man das nach dem herkömmlichen Begriff vielleicht meinen könnte. Zweitens weise ich zurück, daß die Beurteilungen zum Schulschluß so gefällt würden, daß die "Klassengeometrie" stimmt.

Das ist schlicht und einfach nicht wahr, das stellt und eine Verletzung der Würde der Lehrer dar, denn die Lehrer nehmen die Frage der Beurteilung wirklich sehr ernst.

Meine sehr geschätzten Damen und Herren! Wenn in der Debatte die meiste Zeit dazu verwendet wurde, über den Schulbereich der 10- bis 15jährigen zu diskutieren, dann scheint das auch Beweis dafür zu sein, daß es Handlungsbedarf gibt und Probleme aufgezeigt wurden, die


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