Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 78. Sitzung / Seite 42

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Was heißt denn Globalisierung? Was heißt dieses Popanzwort, dieses Schlagwort, das wir uns gegenseitig hier immer an den Kopf werfen? Doch nicht mehr und nicht weniger, als daß sich die österreichische Wirtschaft, die mit über 40 Prozent in den Außenhandel verflochten ist, dem internationalen Wettbewerb stellen muß, sich der internationalen Nachfrage stellen muß.

Das führt in den Unternehmen ganz klar dazu, daß neue Strukturen gefunden werden, und zwar Strukturen, von denen sich die politischen Entscheidungsträger in diesem Land offensichtlich noch wenig Vorstellungen machen. Da befreien sich Unternehmungen aus dem Gefängnis ihrer Erfahrung, da finden Unternehmungen völlig neue Lösungen und neue Antworten auf die Bedürfnisse ihrer Kunden.

Die großen Fische fressen die kleinen das stimmt schon , aber nur die langsamen! Wer also diesen Strukturwandel behindert, wer glaubt, Unternehmen schützen zu müssen, statt sie zu stärken, macht die kleinen Unternehmen zum Opfer der großen. Und genau das passiert durch die halbherzige Reform der Gewerbeordnung!

Wir schränken die Beweglichkeit der Klein- und Mittelbetriebe ein und geben sie damit relativ bewegungslos diesem internationalen Konkurrenzkampf preis. Beweglichkeit würde aber den Wandel zum Erfolg machen. Die Chance der österreichischen Klein- und Mittelbetriebe liegt in ihrer Beweglichkeit! Daher sind sie nicht zu schützen, sondern zu stärken! Unternehmen muß man stärken, damit sie erfolgreich sein können. (Beifall beim Liberalen Forum.)

Herr Präsident Maderthaner hat uns auch wissen lassen, daß die Unternehmer Arbeitsplätze schaffen. Lieber Herr Präsident! Sie sind ein bißchen hintennach, das war der Spruch der achtziger Jahre! (Abg. Dr. Trinkl: Ich hoffe, daß er auch heute noch gilt!) Herr Präsident! Sie müssen aufrüsten auf den Spruch der neunziger Jahre: Die Kunden schaffen Arbeitsplätze, Herr Präsident! Wir Unternehmer schaffen keine Arbeitsplätze, nur unsere Kunden schaffen Arbeitsplätze! (Abg. Ing. Maderthaner: Soll ich den Unternehmern draußen sagen, daß Sie das meinen?) Jawohl, Herr Präsident, das sage ich Ihnen.

Wissen Sie, meine Aussagen sind nicht der Ruf aus der Vergangenheit, sondern die Nachricht der Zukunft, Herr Präsident. Unsere Kunden schaffen die Arbeitsplätze! Unternehmer schaffen nur jene Arbeitsplätze, die die Kunden nachfragen. Das sollten Sie bedenken! (Beifall beim Liberalen Forum. Abg. Dr. Stummvoll: Und wer akquiriert die Kunden?)

Das ist ja das Traurige, daß Sie das, was Sie gesagt haben, immer noch glauben, Herr Präsident. Welche Unternehmer vertreten Sie? Die letzten Zünftler aus der letzten Hinterweltlerkammer! Das ist das Problem, das Sie mit diesem Thema haben. (Abg. Dr. Stummvoll: Kein Applaus!) Herr Stummvoll, wir bringen Sie noch dazu. (Beifall beim Liberalen Forum.)

Der Markt ist der Regelmechanismus und kein Popanz! Markt ist nichts anderes als das einzig funktionierende Regelwerk, das das menschliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenleben regelt.

Wer sich diesem Markt verweigert, wer Unternehmungen die Chance nimmt, auf diesem Markt besonders beweglich und schnell zu sein  durch Zunftordnungen, durch Gewerbeordnungen , der wird diese Unternehmen daran hindern, die Bedürfnisse der Kunden zu befriedigen und damit Arbeitsplätze zu schaffen  so einfach ist das!

Erstaunlicherweise ist die sozialdemokratische Fraktion an einem Thema wie diesem nicht sonderlich interessiert. (Abg. Marizzi: Wer sagt das?) Das merkt man ja an der Abwesenheit der meisten Abgeordneten Ihrer Fraktion. Dabei wäre gerade die Gewerbeordnung eine Möglichkeit und das ist ein wirklich liberaler Zug an der Gewerbeordnung , daß die Österreicher ihr gesamtes Potential, das sie haben, ihre gesamte Problemlösungskapazität, kundenorientiert anwenden und damit Beschäftigung, Wertschöpfung und Arbeit schaffen. Das wäre es, aber wie ich sehe, ist das offensichtlich nicht Ihr Thema.

Wir können uns also, wenn wir Rahmenbedingungen für diesen Markt schaffen, an zwei Interessen orientieren: Herr Präsident Maderthaner hat beschlossen, sich an den Interessen der


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