Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 96. Sitzung / Seite 86

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Ich möchte doch noch einmal darauf hinweisen, wie hoch die unbezahlte Arbeit bewertet werden muß. Laut einer Statistik aus dem Jahre 1995 beträgt die Anzahl der bezahlten Arbeitsstunden in Österreich 8 Milliarden, jene der unbezahlten 11 Milliarden. Umgerechnet beträgt der Wert der bezahlten Arbeitsstunden 1 374 Milliarden Schilling und der Wert der unbezahlten Arbeitsstunden 1 875 Milliarden Schilling. Man sieht, Wohlstand und Lebensqualität in Österreich sind ohne die unbezahlte Arbeit nicht möglich.

Es ist aber nach wie vor eine Tatsache  und einige meiner Vorrednerinnen haben darauf hingewiesen , daß unbezahlte Arbeit meist von Frauen verrichtet wird. In der Familie ist 90 Prozent der unbezahlten Arbeit noch immer weiblich. Wenn man Vereine mit einbezieht, leisten die Frauen 66 Prozent der unbezahlten Arbeit, sie haben aber nur 34 Prozent Anteil am Arbeitseinkommen. Bei den Männern ist es umgekehrt: Sie verrichten nur 34 Prozent der unbezahlten Arbeit, verfügen aber über 66 Prozent des Erwerbseinkommens.

Höchste Zeit also, Arbeit neu zu definieren. Die Neubewertung der Arbeit heißt für die ÖVP in der Familie Partnerschaft, aber die Neubewertung muß auch die direkte und indirekte Lohndiskriminierung von Frauen beseitigen. Es ist nach wie vor eine Tatsache, daß Frauen um 27 Prozent weniger verdienen.

Die ÖVP hat einen Entschließungsantrag eingebracht, in dem die Sozialministerin aufgefordert wird, gemeinsam mit den Sozialpartnern geschlechtsneutrale und unabhängige Kriterien zu erarbeiten, um eben die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen zu beseitigen und zu mehr Gerechtigkeit zu kommen.

Viele Kollegen haben in der vergangenen Woche immer wieder von Umverteilung gesprochen, von einer Umverteilung von Reich zu Arm. Ich wünschte, es würden auch bezüglich dieses Punktes einige Kollegen von Umverteilung sprechen. Ich wünschte, daß sich Kollegen  wie der Kollege Schöggl aus der freiheitlichen Fraktion  hier nicht nur zu Wort melden würden, sondern daß sie das Frauenthema auch ernst nehmen würden! (Beifall bei ÖVP, SPÖ und dem Liberalen Forum.) Mir kam nämlich vor, daß es bei ihm eher so war: Schaut, ich bin so mutig, ich helfe zu den Frauen, aber in Wirklichkeit nehme ich das Thema nicht ernst. Ich glaube, dann ist es besser, es reden von Ihrer Fraktion nur die Frauen, die das Thema auch ernst nehmen. (Abg. Dr. Fekter: Er ist eh nicht mehr da, der Schöggl!  Abg. Dr. Graf: Das ist äußerst unfair! Das ist weibliches Macho-Gehabe!  Abg. Dr. Fekter: Na, na, Herr Dr. Graf! Wie eine Mimose reden Sie jetzt!)

Ich glaube, daß es nach wie vor so ist, daß beim Thema Frauen und Arbeitsplätze immer wieder ins Treffen geführt wird, Frauen seien schlechter ausgebildet und hätten deshalb weniger Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Ich möchte doch darauf hinweisen, daß immerhin 45 Prozent der Akademiker Frauen sind. Auch die Ausrede, Frauen bekommen Kinder, kann längst nicht mehr gelten. Die österreichischen Frauen wünschen sich im Durchschnitt zwei Kinder. Die Realität schaut so aus  so wird das berechnet , daß die Frauen heute 1,49 Kinder haben, die meisten Familien, die meisten Frauen haben nur mehr ein Kind.

Das heißt, wir haben immer noch großen Handlungsbedarf im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wir leben nach wie vor in einer Zweidrittelgesellschaft: Zwei Drittel der Sozialhilfeempfänger sind Frauen, zwei Drittel der Ausgleichszulagenempfänger, zwei Drittel der Bezieher der Notstandshilfe unter 5 000 S sind Frauen. Frauen erreichen zwei Drittel der Einkommen und zwei Drittel der Pensionshöhe der Männer. Ich glaube, wir sollten gemeinsam Anstrengungen unternehmen, um zu erreichen, daß wenigstens die Hälfte der Zukunft weiblich ist. (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)

17.06

Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Anna Huber. Freiwillige Redezeitbeschränkung: 5 Minuten.  Bitte.

17.06

Abgeordnete Anna Huber (SPÖ): Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Herr Staatssekretär! Sehr geehrte Damen und Herren Volksanwälte! Gute und frische und vor allem unverfälschte


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