Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 98. Sitzung / Seite 22

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Das war ihre Sorge: "hirnrissige Kombinationen"!  Ich meine, darüber, was die Jugend braucht, was die jungen Leute brauchen und was junge Frauen wollen, sollten sich nicht alte Männer den Kopf zerbrechen. (Beifall bei den Grünen.)

Das höchste Risiko bei der Wahl eines falschen Studiums haben nämlich die Studierenden. (Abg. Dr. Khol: Und wie ist das mit den alten Frauen, Frau Petrovic?) Die sind in der Regel weiser als die alten Männer, weil sie eine andere Sozialisierung haben und in ihrem Leben anderes mitmachen. Daher traue ich den älteren Frauen viel mehr Weisheit zu als den alten Männern, die in ihrer Sozialisation nur ein sehr kleines Segment der breiten Fülle des Lebens erfahren. (Abg. Dr. Khol: Und wann beginnt das Alter, Frau Petrovic? Zwischenrufe des Abg. Dr. Lukesch. ) Ja, das regt Sie sehr auf. Wieso fühlen Sie sich denn so angesprochen bei den "alten Männern", meine Herren Professoren? Ich habe nicht speziell Sie angesprochen, aber wenn Sie sich angesprochen fühlen, dann kann ich auch nichts dafür. (Beifall bei den Grünen.  Abg. Dr. Khol: Wann ist eine Frau alt? Wann ist eine Frau alt, möchte ich wissen!)

Über die "hirnrissigen Kombinationen", Herr Kollege Khol, sollten Sie sich nicht den Kopf zerbrechen. (Abg. Dr. Khol: Frau Petrovic, sind Sie alt? Frau Assistentin Petrovic, sind Sie alt?) Überlassen Sie mit Ihrer angeblich ach so marktwirtschaftlichen Gesinnung die Beurteilung der Studienkombinationen doch lieber denjenigen, die das selbst betrifft. Ich glaube, unsere Studierenden, die Frauen und die Männer, sind mündig genug, um zu wissen, was sie wollen. (Abg. Dr. Khol: Sagen Sie mir, wann das Alter beginnt!) Gerade in einer dynamischen Wirtschaft entwickeln sich sicherlich neue Anforderungsprofile, neue Aufgabenbereiche, die Sie nicht planwirtschaftlich steuern und vorgeben sollen und auch gar nicht können. (Abg. Dr. Khol: Keine Antwort! Die Frau Petrovic weiß nicht, was alte Menschen sind!)

Meine Damen und Herren! Es gibt mehr als 50 Prozent Rückgang bei den Ausgaben pro Studierendem. Da macht es dann kaum etwas aus, wenn jetzt eine minimale Steigerung eintritt. Letztlich und insgesamt ... (Abg. Dr. Khol: Der arme Sascha Van der Bellen! Kaum ist er nicht da, wird er von Frau Petrovic rücksichtslos kritisiert!) Herr Kollege Khol! Ihr Verhalten macht es nicht besser. Ich weiß schon, daß Sie sich ärgern, aber es ist so, und die Studierenden sehen das auch alle so. (Beifall bei den Grünen.  Abg. Dr. Khol: Das ist die grüne "Solidarität"! Kaum ist er nicht da, fällt man unbarmherzig über ihn her!)

Herr Kollege Khol! Ich habe es bereits dem Kollegen Lukesch gesagt: Bravo, bravo, Sie haben sich durchgesetzt! Die Sozialdemokratie frißt Ihnen aus der Hand! Der geschlossene Universitätszugang ist offenbar das Modell der Zukunft. Es hat ja Wirkungen gehabt. Das, was Sie wollen, geht letztlich in Richtung einer Amerikanisierung: die Beschränkung auf einige wenige Eliteinstitute und für die breite Masse gibt es handfeste Buchhalterkurse und ähnliches. Dorthin sind wir unterwegs.

Zur sozialen Lage der Studierenden: Da geben Sie jetzt ... (Abg. Parnigoni: Das ist eine Geringschätzung der Fachhochschulen!) Ich schätze die Fachhochschulen nicht gering. Ich glaube, sie sind ein wichtiges ergänzendes Angebot. Wenn ich aber aus dem Munde des Wissenschaftsministers höre, daß das das eigentliche Modell sein soll (Abg. Parnigoni: Das ist Ansichtssache!) , und zwar für Ausbildungen wie Jus, Veterinärmedizin, Lehramtsstudium und so weiter, dann sage ich Ihnen: Das ist ein falscher Ansatz, das wäre eine absolute Verengung! (Demonstrativer Beifall des Abg. Dr. Krüger. )

Und eines ist auch eine typische Reaktion dieser Regierung: Sie lassen jetzt eine Studie über die soziale Situation der Studierenden machen. Sicherlich ist das zu untersuchen, aber ich frage Sie in aller Form: Warum ist denn das nicht schon lange passiert? Warum hören Sie denn nicht?  Es gibt im Bereich der österreichischen HochschülerInnenschaft sehr wohl bereits Zahlenmaterial. Es gibt natürlich auch einfach die Statistiken über den Zugang bei den Hochschulen. Es gibt etwa auch Statistiken, was den Frauenanteil, was die Veränderungen im Lichte der Sparpakete betrifft. Wir haben insgesamt einen Rückgang bei den Studierenden. Ich frage Sie: Warum hat man das nicht bereits erhoben? Warum macht man Sparpakete ohne eine begleitende Kontrolle, was dadurch passiert?


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