Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 104. Sitzung / Seite 37

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Es ist kein Zufall, daß diese Debatte jetzt geführt wird, denn der Legitimationsdruck, der auf dem österreichischen Bundesheer lastet, steigt. Es ist kein Zufall, daß diese Debatte nicht vor 10, 20 oder 30 Jahren geführt wurde, und zwar nicht deshalb, weil in Fragen der Gleichbehandlung vielleicht noch kein Bewußtsein bestanden hätte, sondern deswegen, weil noch gar kein Wille und keine Notwendigkeit dazu vorhanden waren. Es war vor 30 Jahren oder mehr der Legitimationsdruck auf dem Bundesheer nicht so groß, wie das heute der Fall ist.

Natürlich soll die Akzeptanz des Bundesheeres verbessert werden; das ist mir schon klar. Man hofft, mit der Öffnung des Bundesheeres für die Frauen eine größere Beliebtheit des Bundesheeres zu erreichen. Ich frage mich allerdings, ob es auf diese Art und Weise geschehen soll  das ist eine Zeitschrift, die der Denkweise der ÖVP entspricht, die aus dem Umfeld der ÖVP kommt (die Rednerin hält eine Zeitschrift in die Höhe)  , ob die Akzeptanz des Bundesheeres in dieser Art und Weise verbessert werden soll. Ich frage mich, ob das Bundesheer dann populärer sein wird.

Ich hätte Ihnen auch unzählige Karikaturen und Photos aus der "Kronen Zeitung" bringen können, aber dann hätten Sie natürlich gesagt: Das kennen wir, die "Kronen Zeitung" veröffentlicht immer wieder so etwas! Aber die "Kronen Zeitung" ist das am meisten gelesene Blatt in Österreich, und da wird Bewußtsein geschaffen, da werden Bilder geschaffen, auch Bilder, die zeigen, was es heißt, wenn Frauen in Zukunft zum Bundesheer gehen und wie das eine Männergesellschaft auffaßt.

Es ist kein Zufall, daß wir heute eine Regierungsvorlage hier vorliegen haben, bei der Sie vorgeben, es würde um Gleichbehandlung gehen, bei der meine Vorredner  mit Ausnahme eines Vorredners  hier unisono beteuerten, es werde damit eine Berufslaufbahn für Frauen geöffnet.  Das stimmt nicht, und das wissen Sie ganz genau!

Es gibt kein Berufsbild für Frauen beim Heer. (Abg. Murauer: Was machen wir dann heute?) Das gibt es schon deswegen nicht, weil Sie einen freiwilligen Ausbildungslehrgang, einen Ausbildungsdienst einrichten und weil es nach diesem Ausbildungsdienst keinerlei Verpflichtung gibt, daß sich das, was die Frauen in einem Jahr beim Bundesheer lernen, in einem Beruf fortsetzt. Außerdem wissen Sie ganz genau, daß das Landesverteidigungsministerium Planstellen einsparen muß, deren Zahl reduzieren muß. Sie wissen ganz genau, daß Einsparungen auf der Tagesordnung stehen. Sie als Männer diskutieren dann, wenn es um die Schließung von Kasernen geht, wieder ganz heftig und emotionell. (Abg. Dr. Maitz: Gruselgeschichten nehmen ihre Fortsetzung! Grausliche Geschichten!) Sie wissen ganz genau, daß es jetzt schon Schwierigkeiten für die im Bundesheer vorhandenen Beschäftigten gibt. Sie wissen ganz genau, daß es immense Schwierigkeiten für die weiblichen Beschäftigten im Bundesheer geben wird, die aufgrund dieses Gesetzes zu Recht darauf hoffen, endlich eine adäquate Berufskarriere fortsetzen zu können. Es ist keine Rede davon  keine Rede davon!; das sei Ihnen allen ins Stammbuch geschrieben , daß für Frauen damit ein neues Berufsbild eröffnet wird beziehungsweise neue Berufsmöglichkeiten geschaffen werden. (Abg. Dr. Maitz: Selbstverständlich! Was denn sonst?)

Wenn es noch irgendeines weiteren Beweises dafür bedarf, möchte ich noch einmal aus der Studie des Landesverteidigungsministeriums zitieren, in welcher in der Zusammenfassung angeführt wird, daß es für einen ersten Schritt des Zuganges von Frauen zum Bundesheer ratsam wäre, wenn die Frauen nicht gleich allzuviel anstrebten. Na wunderbar! Man öffnet das Bundesheer für Frauen und gibt ihnen gleich zu Beginn den Rat mit: Strebt nicht zu viel an, denn das wird nicht gespielt!  Nachzulesen in einer Studie des Landesverteidigungsministeriums. (Abg. Scheibner: Da gibt es viele Studien!)

Es gibt viele Studien, das ist richtig, aber das ist die einzige zu dieser Materie, was übrigens auch interessant ist. (Abg. Dr. Maitz: Auch das ist falsch!) Es steht darin auch, daß es nicht allzu viele Einsatzfelder für Frauen gibt. Aber Sie, Herr Minister Fasslabend, geben vor und haben immer wieder vorgegeben, es würde unzähligen Frauen im Bundesheer die Möglichkeit eröffnet werden, einen Beruf zu ergreifen. Sie verschweigen jedoch, daß es nur um einige wenige geht, die da einsteigen können.


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