Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 106. Sitzung / Seite 196

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schen Denkens. Das heißt  um mit Jürgen Wilke zu sprechen : Durch den Staat und die öffentliche Hand müssen Überlegungen angestellt und muß die eigene Supervision betrieben werden, um jene Aufgaben definieren zu können, die Staatsangelegenheiten sind, und jene, die Angelegenheit privater und autonomer Institutionen sind.

Herr Bundesminister! An diesem Punkt beginnt Ihre und unsere gemeinsame Aufgabe. Der Kommunikationsprozeß muß organisiert werden, und ich meine, daß ich mit der Analyse richtig liege, daß das erstens viel Arbeit, zweitens aber notwendig ist. Da brauche ich nur täglich in die Zeitungen zu schauen. Bitte bemühen Sie sich, diesen Kommunikationsprozeß, diesen Nachdenk- und Organisationsprozeß mit den gerade in die Autonomie entlassenen Institutionen, den Universitäten zu organisieren! Dieses Handeln tut not, damit Qualität gesichert werden kann! Ich denke, daß es nicht günstig ist, die Universitäten als Zentren des Wissens mit diesem Wissen in dieser relativen Abgeschlossenheit allein zu lassen und dann zu bedauern, wenn die Öffentlichkeit dieser Institution nicht genügend Kenntnis und Wertschätzung entgegenbringt und gleichzeitig auch keinen Nutzen daraus ziehen kann.

Noch einmal: Herr Bundesminister für Wissenschaft und Verkehr! Bemühen Sie sich um die Organisation dieser Kommunikation! Ich möchte es Ihnen als den Wissenschafts- und Verkehrsminister gerne wienerisch sagen: Es ist höchste Eisenbahn! Fangen wir damit an! (Beifall bei der ÖVP.)

21.25

Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Dr. Gredler. Es ist dies die zweite Wortmeldung.  Bitte. (Abg. Dr. Khol: Schon wieder? Sie sprechen noch einmal zu uns? Da möchte ich Ihnen raten: Quidquid agis, prudenter agas et respice finem!)

21.25

Abgeordnete Dr. Martina Gredler (Liberales Forum): Herr Khol! Sie können sich sicher viel besser auf Latein ausdrücken als ich, aber ich werde mich wahrscheinlich auf Französisch besser ausdrücken als Sie! Die Frage ist nur: Wie viele Leute werden Sie verstehen, und wie viele Leute werden mich verstehen? (Beifall beim Liberalen Forum.  Abg. Dr. Khol: Si vous voulez, nous pouvons parler français aussi!)

Wissen Sie, es macht mir großen Spaß, mich in lebenden Sprachen auszudrücken und eine Vielfalt davon benützen zu können und nicht nur auf eine tote Sprache zurückgreifen zu müssen! (Beifall beim Liberalen Forum.) Herr Kollege! Ich weiß, Sie mögen meine Reden gern und lauschen immer meinen Worten, und ich bin Ihnen dafür dankbar! Aber sagen Sie mir: Was ist denn eigentlich der Vorteil davon, daß Leuten diese Sprache wirklich beherrschen sollen, weil sie im Studium wichtig ist? Ich rede jetzt von dem Latein, das Studenten in Schnellsiedekursen an der Universität lernen. Innerhalb eines Semesters lernen sie Latein, um die Prüfung zu schaffen. Von Latein haben sie dann aber nach wie vor keine Ahnung. Die Studienvoraussetzung, das Sprachgefühl, von dem Frau Dr. Petrovic meint, daß es für die Juristen so wichtig ist, können sie in dieser kurzen Phase gar nicht entwickeln! Deshalb ist es, glaube ich, verlogen, wenn man sagt, daß darüber nicht diskutiert werden kann.

Frau Kollegin Brinek! Ich will Ihnen nur sagen, daß es sich offensichtlich wirklich um ein Mißverständnis handelt: Ich habe nie davon gesprochen, daß die Studienkommissionen definieren sollen, über welche Arten von Ausbildung Studenten verfügen sollten, die dann bei ihnen aufgenommen werden. Ich will natürlich nicht, daß wir uns von der allgemeinen Hochschulreife verabschieden. Ich will auch nicht Latein oder Griechisch oder Darstellende Geometrie als Gegenstände in toto abschaffen. Diejenigen, die das wollen, sollen diese Unterrichtsfächer in den Schulen wählen können. Es ist für manche, die einen Zugang wie Frau Dr. Petrovic haben, selbstverständlich sehr wichtig, diese Grundlage für das Leben zu haben. Das finde ich total okay. In der Realität haben aber zwei Drittel der Maturanten diesen Zugang eben nicht gewählt, sondern einen anderen. Warum sollen diese zwei Drittel an der Hochschule, nachdem sie in Schnellsiedekursen gequält worden sind, schnell, schnell eine Prüfung machen?

Ich wünsche Ihnen, daß Sie einmal bei einer solchen Prüfung zuschauen, wie es da zugeht! Ich hatte das Vergnügen, das zu erleben, weil ich diese Prüfung selbst abgelegt habe. Es war für


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