Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 115. Sitzung / Seite 129

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und ohne finanziellen Ausgleich?  Ich hoffe, die Antwort ist eindeutig auch seitens der Freiheitlichen!

Klar ist: Ein Bauer bedeutet zwei Arbeitsplätze. Es wird daher auch in Hinkunft  und da sollten wir uns nichts vormachen  geänderte Anforderungen an die Bauern, an den Verarbeitungssektor geben. Und es wird die Vermarktung des Produktes mehr gefragt sein als die Steigerung der Erzeugung des Urproduktes, meine Damen und Herren. Die Förderung der Exporttätigkeit im landwirtschaftlichen Bereich und die Veredelung des landwirtschaftlichen Urproduktes werden notwendig sein.

Mir fehlt in der Agenda 2000  ich sage dies klar und deutlich  vor allem der Bereich der nachwachsenden Energie. Es stellt sich im Zusammenhang mit dem hohen Dieselpreis die Frage, warum es nicht gelingt, auf landwirtschaftlicher Ebene eine Treibstoffproduktion aufzubauen und durchzuführen. Es ist unverständlich, daß es nicht möglich ist, den Treibstoff für die Fahrzeuge, für Dieseltraktoren und so weiter selbst zu erzeugen. Ich werde Ihnen das Gegenteil beweisen, meine Damen und Herren. Kommen Sie in meinen Betrieb! Dort können Sie sich davon überzeugen, daß das perfekt funktioniert! (Beifall bei der ÖVP.)

Man sollte diesen Weg gehen. Es ist auch die Europäische Union aufgefordert, gerade in diesem Bereich neue Maßstäbe zu setzen und das umzusetzen, was sie in einem Weißbuch angekündigt hat.  Das fehlt mir derzeit.

Meine Damen und Herren! Österreich ist auch ein vom Tourismus geprägtes Land. Gerade im Tourismusbereich wird ein wesentlicher Teil unseres Volkseinkommens erwirtschaftet. Dieser Bereich beschäftigt zigtausende Arbeitnehmer und ermöglicht Familieneinkommen. Ein großer Teil der Gäste  meine Damen und Herren, dessen sollten wir uns bewußt sein  ist neben der Kultur, den geschichtlichen und musikalischen Gegebenheiten, die Österreich bietet, auch an Landschaftstourismus interessiert, an einer gepflegten Landschaft. Einen derartigen Tourismus wird es nicht mehr geben, wenn es zu einer industriellen Bewirtschaftung und industriellen Bauernbetrieben kommt. Daher müssen gerade aus diesem Grund auch diese Aspekte mitberücksichtigt werden! (Beifall bei der ÖVP.)

Es wird immer wieder von Liberalisierung, von Weltmarktpreisen gesprochen. Ich frage mich, warum man dann an der EU-Außengrenze, aber auch in eigenen Bereichen massiv an der Beschränkung des Arbeitsmarktzutrittes festhält, warum es in der Europäischen Union selbstverständlich ist, daß man beispielsweise bei der Einfuhr japanischer Autos durchaus limitierend, kontingentierend vorgeht, aber bei landwirtschaftlichen Produkten glaubt, große Weltmarktschritte gehen zu müssen. Ich bin der Ansicht, es muß auch in Zukunft möglich sein, daß jedes Land eine eigenständige Landwirtschaft hat und behalten kann, und zwar aus vielen Gründen, auch aus Gründen der Sicherheit und Stabilität.

Auch anderes muß Berücksichtigung finden: So wie es selbstverständlich ist, daß es kein Sozialdumping und kein Verändern der Umweltstandards in Österreich geben darf, muß es auch möglich sein, eine österreichische Form der bäuerlichen Landwirtschaft auch in Zukunft zu erhalten, zu gestalten und zu finanzieren, meine Damen und Herren! (Beifall bei der ÖVP.)

Es ist in diesem Zusammenhang notwendig, jungen Bäuerinnen und Bauern ein bißchen Mut und Hoffnung zu geben, daß ihr Bemühen, ihr tägliches Arbeiten  ohne Unterschied, ob Wochentag, Feiertag oder Sonntag  ihnen die Möglichkeit bietet, auch in Zukunft ihren bäuerlichen Betrieb so zu bewirtschaften, wie dies bisher der Fall gewesen ist.

Meine Damen und Herren! Abschließend möchte ich folgendes klarstellen: Die Bauern können, wollen und werden nicht das Solidaritätsopfer einer allfälligen Erweiterung oder auch einer Reform sein. In diesem Zusammenhang bitte ich alle politischen Kräfte, die kommenden Monate dazu zu nutzen, unseren Bundesminister Molterer zu unterstützen, der in den letzten Jahren in vielen Fragen bewiesen hat, daß er der Garant für eine bäuerliche Bewirtschaftung und für die bäuerlichen Familien Österreichs nicht nur bisher war, sondern auch in Zukunft sein wird. (Beifall bei der ÖVP.)

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