Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 115. Sitzung / Seite 170

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form die Steuerreform 2000 oder 2001 ad acta geführt worden wäre. (Abg. Dr. Mertel: Wieso wissen Sie das?) Mitnichten: Die Gelder, die in die Familien fließen, kommen sofort und direkt wieder der Wirtschaft zugute!

Eine weitere Neuerung im Familienlastenausgleich betrifft die Regelung der Schulbuchaktion. Diese führt jetzt in die Richtung der häufigeren Wiederverwendung von Schulbüchern und damit einer Stärkung der Autonomie der Schulen bei der Anschaffung von Unterrichtsmitteln eigener Wahl. Dies wird letztlich die gesamte Versorgung mit Unterrichtsmitteln erhöhen.

Im Bereich der Schülerfreifahrt hat sich in der Karwoche einiges in Bewegung gesetzt. Unsere Jugend wird in die Verkehrsverbünde aufgenommen. Es ist ja wirklich nicht zu verstehen, daß Pensionisten ... (Abg. Dr. Karlsson: Da waren ja Ferien!) Ja, selbst in den Ferien wird gearbeitet, stellen Sie sich das vor!  Es ist nicht zu verstehen, daß Pensionisten, Pendler und Hunderln im Verkehrsverbund sind, nicht aber unsere Kinder.

Der Mutter-Kind-Paß-Bonus, der mit dem Jahr 1998 das erstemal an die Eltern, deren Kinder das erste Lebensjahr vollendet haben, ausbezahlt wird, wird Schätzungen zufolge für über 90 Prozent aller Eltern gewährt werden. Leider Gottes ist dabei eine Einkommensgrenze eingezogen worden, die insofern nicht ganz verständlich ist, als das Bonifkationssystem ja alle Betroffenen daran erinnern soll, ihren Kindern die notwendigen wertvollen Gratisuntersuchungen tatsächlich zukommen zu lassen. (Abg. Dr. Mertel: Da haben Sie gegen Ihren eigenen Minister gestimmt! Ich kann mich daran erinnern!) Das heißt also jetzt: Wer ärmer ist, ist dümmer und braucht die Erinnerung, wer reicher ist, der ist auch klüger und bedarf dieser Erinnerung nicht.  Die spürbar zurückgegangene Untersuchungsdisziplin ist besonders nach dem ersten Geburtstag eklatant: Sie beträgt bis zu 43 Prozent! Daher müssen wir uns noch etwas einfallen lassen. (Abg. Dr. Mertel: Was soll der bedeutungsvolle Blick?) Weil wir vielleicht doch etwas tun könnten! (Abg. Dr. Mertel: Tun Sie etwas!)

Was wir brauchen, um Familie und Berufsleben vereinen zu können, ist hinsichtlich des Arbeitsplatzes der Ausbau von Teilzeitarbeitsplätzen. Mütter und Väter sollen sich gleichermaßen in die Familienarbeit einbringen können. Ich möchte hier nochmals Professor Dr. Zulehner zitieren: "Wehret der vaterlosen Familie in einer mutterlosen Gesellschaft! Fehlt der Vater, bekommt das Kind zuwenig Ich-Stärke, fehlt die Mutter, mangelt es den Kindern an der einfachsten sozialen Kompetenz, und fehlt es uns an Kindern, werden wir zu Barbaren."

Mit einem zusätzlichen und attraktiven Angebot an Teilzeitarbeitsplätzen würde jedenfalls die Gefahr abnehmen, daß Frauen, die Mütter werden, wieder in die eigenen vier Wände verbannt werden. Genau dies wird uns von den Gegnern jeglicher Familienpolitik gerne vorgehalten. Es soll jedoch betont werden, daß es einer modernen Familienpolitik zuwiderläuft, auch nur den Eindruck zu erwecken, daß Frauen auf dem Arbeitsplatz diskriminiert sowie Frauen und Familien gegeneinander ausgespielt werden.

Die Wirtschaft spielt in vielen Betrieben durch Betriebsvereinbarungen schon eine sehr gute familienpolitische Rolle und nimmt weitgehend Rücksicht auf Eltern, insbesondere Mütter mit kleineren Kindern. Die Wirtschaft beklagt, daß die einfachsten Grundprinzipien von den Lehrlingen nicht mehr befolgt werden  das betrifft zum Beispiel die Regeln der Höflichkeit in Gesprächssituationen  oder daß es ihnen an Sauberkeit und Pünktlichkeit mangelt. Wo aber wird das gepflegt?  In intakten Familien! Woher bezieht die Wirtschaft einsatzfreudige Mitarbeiter?  Aus intakten Familien!

Meine Damen und Herren! Was ich zum Schluß einfordern möchte, ist, daß wir, wenn Frauen wirklich, wie aus zwei großen Studien hervorgeht, zu 87 Prozent bereit sind, in der Zeit der Sozialisationsphase ihrer Kinder zu Hause zu bleiben, in jener Phase, in der das Großhirn von 23 auf 90 Prozent anwächst (Abg. Dr. Mertel: Waren Sie auch zu Hause?) ja! (Abg. Dr. Mertel: Wie lange?)   und welche die Zeit des sozialen Lernens umfaßt, diese Zeit besonders unterstützen und schützen, sodaß diese Zeit nicht nur pensionsaufbessernd, sondern pensionsbegründend ist. (Beifall bei der ÖVP.  Abg. Dr. Mertel: Wie lange waren Sie zu Hause?)

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