Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 122. Sitzung / Seite 113

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haben zwar schon einiges getan, aber vieles von dem, was Sie angekündigt haben  und das waren sehr viele essentielle Dinge , haben Sie noch nicht angehen können, wie zum Beispiel ein neues Lehrerleitbild zu entwickeln beziehungsweise die Lehrerausbildung zu reformieren. Das ist der erste Punkt, mit dem ich mich etwas ausführlicher beschäftigen möchte, Frau Bundesminister. (Abg. Wabl: Hast du deine Pension dem Rosenstingl anvertraut?) Nein, ich habe gesagt, der Winterthur-Versicherung. Das hast du ja schon gehört  oder? (Abg. Dr. Partik-Pablé: Wenn wir nicht mal wissen, wo er ist!)

Frau Bundesminister, Sie haben gesagt, Sie können sich eine neue Art der Lehrerausbildung vorstellen. Bis heute haben Sie uns aber im unklaren darüber gelassen, wie diese aussehen soll. Wir machen Ihnen einen Vorschlag, den Sie gerne aufgreifen und umsetzen können. Wir Freiheitlichen stellen uns vor, daß zur Lehrerausbildung tatsächlich nur noch Leute zugelassen werden sollen, die entsprechende Voraussetzungen mitbringen, wie zum Beispiel, daß sie eine positive Beziehungsebene zu Kindern und Jugendlichen entwickeln können. Wir wünschen uns deshalb eine Studieneingangsprüfung für alle Lehramtskandidaten. Der Lehrerüberschuß resultiert ja daraus, daß viele Studienabbrecher, die mit einer anderen Studienrichtung angefangen haben, schlußendlich in die Lehrerausbildung gegangen sind, weil sie keine andere Möglichkeit sahen. Diese üben den Lehrberuf nun mehr leidlich als als Berufung aus.

Frau Bundesminister, wir schlagen Ihnen vor, daß der Standort der künftigen Lehrerausbildung pädagogische Fachhochschulen sein sollen und daß bei der Lehrerausbildung insgesamt viel mehr Wert darauf gelegt werden muß, ein Repertoire an verschiedenen Arbeitsformen zu vermitteln. Der Lehrer sollte in die Lage versetzt werden, durch viele adäquate Arbeitsformen ein Maximum an Arbeitsleistung und Mitarbeit der Schüler zu erreichen. Es soll nicht so sein, daß der Lehrer Wissen vermittelt, das der Schüler dann reproduzieren muß, damit er schlußendlich zu einer Note kommt. Darum geht es nicht, sondern die Schüler sind zu einem Maximum an Arbeitsleistung und Mitarbeit zu motivieren. Der projektorientierte Unterricht muß in der Lehreraus- und -fortbildung einen zentralen Stellenwert einnehmen. Die Lehrer müssen lernen, wie sie Projekte gestalten.

Die Schule bietet ja geradezu ein ideales Feld  mit ihrem Umfeld  für die Entwicklung und Umsetzung von Projekten. Die Lehrer müßten lernen, wie man gesellschaftliche und wirtschaftliche Belange in den schulischen Alltag miteinbezieht, und sie müßten auch in die Lage versetzt werden, daß sie im wesentlichen Gestalter ihrer eigenen Fort- und Weiterbildung werden. Die Verpflichtung eines jeden Lehrers zur Fort- und Weiterbildung außerhalb der Unterrichtszeit wäre, Frau Bundesministerin, zu überlegen.

Weiters sollte es ein differenziertes Anreizsystem geben, was die zukünftige Zusammensetzung der Besoldung von Lehrern betrifft. Sie haben ja in den letzten Tagen bereits anklingen lassen, daß Sie darüber nachdenken, das Engagement bei der schulischen Aus-, Weiter- und Fortbildung ebenfalls in die künftige Entlohnung von Lehrern miteinzubeziehen. Das ist ein, wie ich meine, durchaus guter Ansatz.

Frau Bundesminister, zu überlegen wäre aber auch  speziell was die Lehrerweiterbildung betrifft , ob man das Monopol der Lehrerweiterbildung nur bei den PIs belassen soll. Ich meine, es wäre durchaus sinnvoll und brächte eine gute Konkurrenz, wenn das Monopol der Pädagogischen Institute aufgehoben und ein Teil der Lehrerfortbildung über die Schulen autonom vergeben werden könnte. Man sollte einen Teil des Budgets, das für die PIs vorgesehen ist, durchaus den Schulen in Autonomie überantworten und ihnen somit die Möglichkeit geben, Lehrerweiterbildung auch auf dem Markt einzukaufen.  Ich denke, daß das durchaus auch in Ihren Überlegungen Platz finden könnte.

Frau Bundesminister, ein zweiter Bereich, den Sie am 23. April 1996 ganz besonders hervorgehoben haben, ist der Bereich Lehrlingsausbildung. Sie haben gesagt, da müsse dringend reformiert werden. Sie haben es aber verabsäumt, große Reformen durchzuziehen, und schlußendlich sind wir deswegen in diese Malaise geraten, was die Lehrlingsausbildung und die Zahl der Lehrstellen angeht. Bundeskanzler Klima ist ja damit konfrontiert worden, als er sein Versprechen bezüglich der Lehrlinge nicht einhalten konnte. Er hat dieses Versprechen so locker


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