Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 133. Sitzung / Seite 194

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23.02

Abgeordneter Matthias Ellmauer (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Bundesminister! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Sinngemäß schrieb Jean Jacques Rousseau 1762, daß es die wahre Aufgabe von Erziehung ist, zu einer guten Kultur der Aufrichtigkeit und Selbstübereinstimmung zu führen. Diese Übereinstimmung sei aber nur durch lang dauernde Prozesse der Erziehung zu erreichen.

Die Beschäftigung mit unseren Kindern und Jugendlichen wird heute immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Video und Fernsehen ersetzen teilweise schon in frühen Jahren die Beziehungsarbeit in der Familie. (Abg. Dr. Mertel: Haben Sie Ihre Reden verwechselt?) Die Eltern haben für ihre Kinder weniger Zeit oder auch weniger Energie. Aufgrund dieser Zuwendungsdefizite wachsen  so sagen die Psychologen  die Ansprüche der Kinder auf Konsumgüter. Die Frage ist nur, ob Konsum diese Lücke füllt. Die Folge dieser Erscheinung ist oft, daß sich Heranwachsende den bestehenden Normen widersetzen oder gegen Institutionen auftreten. In Wahrheit ist jedoch ein Großteil der Jugendlichen auf Identitätssuche beziehungsweise Sinnsuche. Und genau ab diesem Zeitpunkt wächst auch die Gefahr, daß die Jugendlichen den Sinn des Lebens in Sekten oder sektenähnlichen Aktivitäten suchen.

Sie meinen, dort "endlich Zuwendung, endlich Gebrauchtwerden, endlich Heimat, endlich Gesundheit, endlich umfassendes Wissen, endlich Sicherheit" zu finden.  Unter diesen Schlagworten hat das Bundesministerium für Familie in der Broschüre "Sekten  Wissen schützt" zusammengefaßt, was Jugendliche suchen beziehungsweise was sie sich in Sektengruppen erwarten.

In Anbetracht dessen sind nicht nur die Erziehungsberechtigten, sondern ist natürlich auch der Staat gefordert, durch Information und Beratung bei der Erziehungsarbeit zu helfen. Die Einrichtung einer Dokumentations- und Informationsstelle für Sektenfragen ist daher ein notwendiger Schritt. Dem Gesetzentwurf liegt nicht die allgemeine undifferenzierte Dokumentation der Tätigkeit sogenannter Sekten zugrunde, sondern ein Katalog möglicher Gefahren. In erster Linie handelt es sich dabei um die Gefährdung von Leben und Gesundheit von Personen beziehungsweise der freien Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit, der Integrität des Familienlebens, des Eigentums oder der Eigenständigkeit von Menschen und der freien geistigen und körperlichen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.

Die Bundesstelle für Sektenfragen bietet daher für Familien, die mit diesem Problem konfrontiert sind, eine wichtige Hilfestellung. In den meisten Fällen fehlt es nämlich nicht nur an allgemeiner Information, sondern auch an Hilfe und Beratung, wie man mit Betroffenen umgeht und wie man sie aus der Macht einer Sekte wieder befreien kann. Insofern ist auch die Möglichkeit der Beratung in der Bundesstelle zu begrüßen.

Sehr geehrter Herr Bundesminister! Ich bedanke mich bei dir für diese Vorlage, der wir von der ÖVP gerne zustimmen werden. (Beifall bei der ÖVP.)

23.05

Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dr. Graf. Bitte, Herr Abgeordneter.

23.05

Abgeordneter Dr. Martin Graf (Freiheitliche): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Hohes Haus! Herr Minister Bartenstein! Ich bin wirklich enttäuscht über Ihre Blauäugigkeit oder über Ihr  ich möchte es einmal so nennen  tolpatschiges politisches Verhalten in dieser Frage, das sie an den Tag legen, wenn Sie hier und heute dieser Ausschußfeststellung nicht den Charakter zumessen, den sie tatsächlich hat. Ich habe dieser Ausschußfeststellung übrigens im Ausschuß, wie Sie wissen, aus vielen Gründen nicht zugestimmt, unter anderem auch deshalb, weil darin nicht einmal ein einziger deutscher Satz enthalten ist, und das, was darin steht, noch dazu von der ÖVP angeregt wurde.  Auch das enttäuscht, aber Ihre Partei stellt ja "nur" die Unterrichtsministerin.


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