Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 137. Sitzung / Seite 52

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sehr gut damit zurechtkommen. Der fixe Zahnersatz wird nicht zur Gänze an die Stelle der herausnehmbaren Zahnersätze treten können.

Ich bin nicht jemand, der unbedingt in jeder Situation einen fixen Zahnersatz empfiehlt, einfach weil es nicht immer medizinisch indiziert ist  außer man hat die Möglichkeit, mit Implantaten Freiräume zu überbrücken. Diese Möglichkeit steht aber nicht jeder Patientin und jedem Patienten offen, und zwar aus medizinischen Gründen ebenso wie aus finanziellen Gründen.

Ich möchte auch der Bemerkung von Kollegin Reitsamer, die gesagt hat, daß auch wenig verdienende Arbeiter die Möglichkeit haben müssen, einen fixen Zahnersatz zu bekommen, entgegentreten. Ich kenne aus den Reihen der Sozialdemokraten ehemalige Minister, die sehr glückliche Patienten in Ambulatorien sind. Diese brauchen wir nicht zu unterstützen. Die Ministerpension wird ausreichen, damit sie sich einen adäquaten Zahnersatz leisten können  wo immer sie ihn anfertigen lassen. Ich finde es schade, daß Sie nicht dem Gedanken beitreten können, nur denjenigen, die es sich wirklich nicht leisten können, Unterstützung zu gewähren, und zwar in einem Ausmaß, das nicht den ganzen Betrag von 6 000 S umfaßt, sondern mit einem fairen Anteil.

Leute, die wirklich nichts zur Verfügung haben, um diese Leistungen bezahlen zu können, sollten von der Krankenversicherung eine Unterstützung bekommen, sodaß sie sich diese Zahnersätze leisten können, aber ehemaligen Bundesministern Österreichs sollte diese Möglichkeit der Unterstützung durch Krankenkassen eben nicht gewährt werden.

Ich hoffe, daß wir irgendwann einmal dazu finden werden, eine soziale Staffelung einzuführen. Es ist unerträglich, daß geglaubt wird, mit 6 200 S sei alles erledigt. Es ist damit überhaupt nichts erledigt! Es ist eine gewisse Gruppe von Personen damit befriedigt. Aber nochmals: Die medizinische Vor- und Nachbetreuung wird auf jeden Fall zu zahlen sein. Es wird das Provisorium zu zahlen sein, es wird zu diskutieren sein, welches Metall darunter eingesetzt wird  eine besondere Legierung für Allergiker kostet eben mehr als eine günstige Legierung, die ein Sammelsurium von verschiedenen Metallen ist, was aber medizinisch durchaus vertretbar ist.

Ich glaube schon, daß wir über sehr viele Dinge einzeln diskutieren sollten, die jetzt pauschaliert werden. Es hat nicht jedes Auto denselben Preis, das hat wahrscheinlich auch seine Gründe, aber bei den Autopreisen steht niemand auf und sagt, das geht nicht. (Abg. Reitsamer: Zähne sind nicht dasselbe wie Autos!) Frau Bundesministerin, Sie stehen auch nicht auf und sagen, ein Ferrari darf nicht mehr als soundso viel kosten. Es geht um Leistungen, die zwischen Patienten und Ärzteschaft im vorhinein besprochen werden. Es werden Heilkostenpläne erstellt, und man findet einen Kompromiß zwischen Patient und Arzt. Wenn dieser Kompromiß eingegangen wird, dann bedarf es nicht einer Regelung von seiten einer dritten Person, die nicht einmal gewillt ist, einen Zuschuß zu gewähren.

Sie haben nur unter der Voraussetzung, daß Sie Zuschüsse gewähren, die Berechtigung, an dieser Debatte vollinhaltlich teilzunehmen. Solange Sie das nicht tun, spreche ich Ihnen diese Berechtigung ab  leider Gottes, muß ich sagen, weil sich sehr viele Patienten freuen würden, eine Unterstützung finanzieller Art zu bekommen.

Ich sehe auch nicht ein, warum man, wenn man auf der einen Seite den Krankenkassen jetzt sozusagen alle Möglichkeiten offenläßt, auf der anderen Seite versucht, die Ärzteschaft in ein Eck zu drängen und ihr unterstellt, daß für sie bei dieser Diskussion eigentlich nur finanzielle Interessen im Vordergrund stehen. Viele von ihnen würden liebend gern ihr Geld anders verdienen. Geben Sie mehr für die Prophylaxe aus, und ich schwöre Ihnen, die Diskussion über die Finanzierbarkeit von Kronen wird schön langsam verschwinden! Das ist der Punkt! Ich würde mir wünschen, Zähne zu behandeln, die keiner Füllung bedürfen. Das ist das beste, was man für die Patienten tun kann. Dafür gibt es jedoch Honorierungen unter 100 S. Weniger als 100 S für prophylaktische Maßnahmen im Mund  das ist nichts! 100 S für prophylaktische Maßnahmen, für die ich teilweise bis zu vier Stunden brauche, das kann nicht in Ordnung sein! (Abg. Reitsamer: Da hilft auch keine Prophylaxe mehr, bei dem schlechten Material der Nachkriegszeit!)


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