Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 159. Sitzung / 182

Der Nationalrat wolle beschließen:

"Der Bundesminister für Umwelt, Jugend und Familie wird ersucht, nachstehende Maßnahmen zur Aufwertung, Stärkung und zum Schutz der österreichischen Familien vorzunehmen:

sofortige Ausdehnung des Karenzgeldanspruchs auf alle Eltern als Vorstufe zur Einführung des Kinderbetreuungsschecks zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Einführung der Heimfahrtbeihilfe für Schüler und Lehrlinge

Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Gewalt in den Medien

Schutz der Kinder und Jugendlichen vor dem Einfluß von Sekten und destruktiven Kulten

voller Kostenersatz für Zahnspangen und Kinderwunschbehandlungen."

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Sehr geehrte Damen und Herren! Wenn Sie als Volksvertreter etwas für die österreichischen Familien übrig haben, dann geben Sie diesem Entschließungsantrag Ihre Zustimmung und unterstützen Sie das Familienvolksbegehren! (Beifall bei den Freiheitlichen.)

21.06

Präsident MMag. Dr. Willi Brauneder: Der soeben verlesene Entschließungsantrag wurde ordnungsgemäß eingebracht, ist entsprechend unterstützt und steht daher mit in Verhandlung.

Zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Tegischer. 4 Minuten freiwillige Redezeitbeschränkung.  Bitte, Frau Abgeordnete.

21.06

Abgeordnete Brigitte Tegischer (SPÖ): Sehr geehrter Herr Präsident! Herr Minister! Kollegen und Kolleginnen! Ich möchte mich auf ganz wenige Punkte beim Jugendwohlfahrtsgesetz beschränken.

Lassen Sie mich das Rad der Zeit 21 Jahre zurückdrehen: Ich habe mein Praktikum in meiner Heimatstadt Lienz am Jugendamt gemacht und habe noch das Schreckgespenst der Fürsorgerin erlebt, die jedem Klischee entsprach, die mich etwa bei den Hausbesuchen mit "Das ist mein Lehrling!" vorgestellt und ihr Hauptaugenmerk auf hygienische Komponenten gelegt hat; damals wurden Kinder auch noch mit Hilfe der Exekutive in Heime verfrachtet. Gott sei Dank sind diese Zeiten vorbei!

Es gab auch damals schon Bemühungen, ausgebildete Diplomsozialarbeiterinnen anzustellen. Es konnte allerdings vorkommen, daß eine gekündigt wurde, weil sie Jeans getragen hat. Gott sei Dank ist diese Zeit vorbei! Es war ein weiter Weg von der Fürsorgepolizei zur Jugendwohlfahrt, und ich bin absolut der Meinung, daß dieses Jugendwohlfahrtsgesetz in die richtige Richtung geht, daß es sinnvolle Rahmenbedingungen enthält und daß es einen wichtigen Schritt weg von Fürsorgeerziehung und behördlicher Kontrolle hin zu freiwilligen Hilfsangeboten und auch ungewöhnlichen sozialtherapeutischen Maßnahmen bedeutet.

Lassen Sie mich zwei Bereiche herausgreifen, die besonders mich als Sozialarbeiterin betreffen beziehungsweise die ich sehr gut finde:

Zum einen niederschwellige Angebote wie das "Streetworking": Durch "Streetworking" wird praktisch ein Verbindungsmittel zwischen dem Jugendlichen und den Behörden geschaffen. Den Jugendlichen dort abzuholen, wo er ist, sind Ziel und Maßnahme. Der andere Bereich ist die sogenannte Erlebnispädagogik, die immer wieder Skepsis bei der Bevölkerung hervorruft, teilweise aus Unkenntnis, teilweise, weil tatsächlich mit sehr ungewöhnlichen Maßnahmen gearbeitet wird, die vor allem das Ziel haben, Jugendlichen in tiefen Lebenskrisen verschiedene Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten.  Ich möchte jetzt nicht näher auf die Erlebnispädagogik eingehen, stehe Ihnen für Auskünfte allerdings sehr gerne zur Verfügung. Wenn


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