Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 166. Sitzung / 196

reaktion, weil es eigenes Gewebe ist. Damit würden sich für die Patienten unzählige Qualen und Chemotherapien verhindern lassen!

Wo sind jetzt aber die Antworten der Politik, also die Antworten der Kommission auf diese Herausforderungen, die bereits bestehen und Bestandteil des medizinischen Fortschritts sind?  Meine Damen und Herren! In diesem Zusammenhang sind pauschale ideologische, politische Statements nicht gefragt, denn die Gentechnologie ist nicht schwarz oder weiß und nicht gut oder böse. Gefragt ist hier ein ganz klares Abwägen von Risiken und Chancen, und zwar im Hinblick auf einzelne projektbezogene gentechnologische Herausforderungen. (Beifall bei den Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Im Ausschuß wurden sämtliche Anträge der Oppositionsparteien zur Gentechnik und auch zur Haftungsfrage abgelehnt. Das ist keine verantwortungsvolle Politik für unsere Bürger! Und diese ignorierten Bürger, diese 1,3 Millionen Menschen werden Ihnen die Rechnung präsentieren! (Beifall bei den Freiheitlichen.  Abg. Mag. Schweitzer: Das war bis jetzt die beste Rede!)

21.48

Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Sauer.  Bitte.

21.48

Abgeordneter Willi Sauer (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Ich möchte mit einem Satz einleiten, den Universitätsprofessor Dr. Helmut Renöckl gesagt hat:

"Die Gentechnologie weckt stärkste Emotionen in der ganzen Bandbreite von tiefsten Ängsten bis zu großen Hoffnungen. ... Die Folgen dieser Entwicklung sind ähnlich umfassend und unabsehbar wie seinerzeit die Bändigung des Feuers durch den Menschen."  Das stammt nicht von mir, sondern von Professor Dr. Helmut Renöckl.

Daß nun auf der einen Seite Befürworter zu Gegnern der Gentechnologie und auf der anderen Seite Gegner zu Befürwortern der Gentechnologie werden, ist unumstritten, weil es die Wissenschafter immer wieder drängt, Neues zu entdecken und zu erfahren.  So hat auch der Ökologe Klaus Ammann, der anfangs eine eher ablehnende Haltung zur Gentechnik einnahm, plötzlich einen Hang zur Befürwortung bekommen, also einen Sinneswandel durchgemacht. Im Gespräch mit der "Neuen Zürcher Zeitung" erklärte Klaus Ammann, heute Direktor des Botanischen Gartens der Universität Bern, er habe einen Lernprozeß durchgemacht und aufgrund dieses Lernprozesses erkannt, daß es sehr wohl auf der einen Seite eine gewisse berechtigte Skepsis gibt, daß es auf der anderen Seite aber ohne Gentechnologie keinen Fortschritt geben kann, sowohl auf der medizinischen Seite als auch im landwirtschaftlichen Bereich.

Ich möchte mit einem Satz schließen, den Hans Rauscher geschrieben hat: "Abgesehen von der enormen Bedeutung der Gentechnik auf dem Gebiet der Medizin  für die österreichische Landwirtschaft gilt demnach ...: bei der Gentechnik mitmachen oder nicht mitmachen und untergehen." (Beifall bei der ÖVP.)

21.51

Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Wenitsch, der schon beim Rednerpult ist.  Bitte.

21.51

Abgeordneter Robert Wenitsch (Freiheitliche): Herr Präsident! Frau Minister! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich kann meinem Vorredner leider nicht ganz recht geben oder zustimmen. Ich glaube, gerade im Bereich der Landwirtschaft und der Nahrungsmittel ist die Einbeziehung der Gentechnik sicher ein risikoträchtiges Spiel.

Meine Damen und Herren! Wenn gentechnisch veränderte Pflanzen in der freien Natur ausgesetzt werden, dann gibt es kein Zurück. Wenn diese einmal freigesetzt sind, kann niemand mehr kontrollieren, was mit den gentechnisch veränderten Pflanzen geschieht, wie sie sich verhalten und welche langfristigen Folgen die Freisetzung mit sich bringt. Die neuen Eigenschaften der manipulierten Pflanzen können sich durch Pollenflug über große Entfernungen hinweg auf andere Pflanzen übertragen. Was dies für unsere Biobauern und für unseren sogenannten Fein


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