Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 169. Sitzung / 238

heit und persönliche Teilnahme nicht verlangt werden können. Sie soll auf die persönlichen und privaten Verhältnisse Rücksicht nehmen, etwa auf Teilberufstätigkeit, Familienleben oder ähnliches. Spezifische Neigungen bei den Studierenden hat diese Hochschullehrerin natürlich zu fördern, sie hat raffinierte und studentengerechte Seminar- und Diplomarbeitsthemen zu erfinden und natürlich in Tag- und Nachtbetreuung zu vergeben. Sie muß Hochbegabungen identifizieren, ohne dabei zu gängeln, sie muß Tag und Nacht Literaturtips geben, sie muß eine private Leihbibliothek anschaffen und sie gratis zur Verfügung stellen.

Weiters muß sie ständig selbständig forschen, um sich auf dem letzten Stand der Wissenschaften zu halten. Sie muß auch dafür Sorge tragen, laufend Drittmittel für das Institut aufzutreiben, sie darf notwendige Medien- und PR-Arbeit nicht vernachlässigen, weil es sonst keine Drittmittel gibt. Sie muß sich auch damit anfreunden, daß sie zu einer permanenten Legitimation ihres Tuns aufgefordert ist, sprich Evaluierung der Lehrleistungen durch Studentinnen, Studenten, Vorgesetzte, Öffentlichkeit et cetera, also damit, daß ständiger Publikationszwang sozusagen als Herausforderung auf sie einwirkt. Sie läßt dabei gerne zu, daß sie sich längst von eigenen Privatlebensansprüchen und Familienabsichten verabschiedet hat. Ihre ständige Mobilitätsbereitschaft hält sie immer in Bewegung, sie stellt sich jedem nationalen und internationalen Ranking, ebenso wie sie eine Schönheitskonkurrenz als Herausforderung besteht und sich vor allfälligen sexuellen Diskriminierungen in acht nimmt beziehungsweise diese ebenfalls erfolgreich abwehrt.

Diese Liste läßt sich beliebig fortsetzen. Personenbezeichnungen gelten, auch wenn von mir die weiblichen genannt wurden, immer für beide Geschlechter.

Die kürzlich vorgelegte ÖH-Studie zur Lage der Universitäten und ihrer Qualitäten zeigt, daß es unzulässig ist, von der Lage der Universität oder von der schlechten Qualität zu sprechen.  Diese Studie halte ich für sehr aufschlußreich. Ich empfehle sie quasi als Nachhang zur Enquete zum Thema Qualitätssicherung und würde sie auch gerne dem Protokoll nachempfehlen, weil sie zeigt, daß die Probleme vor Ort gelöst werden müssen, daß sie bei Veterinärmedizinern und Juristen anders aussehen als bei Wirtschaftsuniversitäten und daß die Geisteswissenschaften gar nicht so schlecht dastehen, wie man im allgemeinen meint.

Das heißt, es ist für die Universitäten ratsam, differenzierte Problemlösungswege zu beschreiten, ebenso auch für das Ministerium, um den Eindruck, der an den Universitäten herrscht, ein wenig abzuschwächen: Der Herr Minister beschert uns eine ständige Großbaustelle, und wir sind damit beschäftigt, Schilder aufzustellen, für Absperrungen zu sorgen, die Künetten zu sichern, also zu versorgen, zu betreuen, abzusperren, abzusichern, und kommen nicht zum Eigentlichen. Das habe ich auch als Succus aus der Qualitätssicherungsenquete mitgenommen, und ich hoffe, wir werden noch der Auswertungsmöglichkeiten viele haben. Arbeit liegt genug vor uns! (Beifall bei der ÖVP.)

23.56

Präsident Dr. Heinz Fischer: Zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Dipl.-Ing. Schöggl.  Bitte.

23.57

Abgeordneter Dipl.-Ing. Leopold Schöggl (Freiheitliche): Herr Präsident! Frau Minister! Hohes Haus! Ich möchte zuerst ganz kurz ein paar Worte zu dieser Enquete sagen. Der Titel der Enquete "Qualitätssicherung für Lehre und Forschung an den heimischen Universitäten" war mißverständlich. Die einzelnen Referenten haben das auch ganz deutlich in ihren Äußerungen gezeigt: Viele haben den Titel so verstanden, als ob es sich um Maßnahmen im Sinne eines quality management und im Sinne der entsprechenden Normen handeln würde. Es war eigentlich eine Veranstaltung zum Dampf- und zum Frustablassen. Es war mehr oder weniger eine Alibiveranstaltung, und es wird sich zeigen, wie weit die dort im Grunde genommen erst andiskutierten Probleme einer weiteren Behandlung zugeführt und ob sie zu konkreten Maßnahmen führen werden. Die Erkenntnis, die Frau Kollegin Brinek angesprochen hat, daß die Probleme überall anders gelagert sind, ist zwar wesentlich, aber dafür braucht man eigentlich keine Studie,


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