Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 171. Sitzung / 173

Präsident MMag. Dr. Willi Brauneder: Zu Wort gemeldet ist nun Herr Abgeordneter Zweytick. 5 Minuten freiwillige Redezeitbeschränkung.  Bitte, Herr Abgeordneter.

19.42

Abgeordneter Johannes Zweytick (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzter Herr Staatssekretär! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Diese Kunstdebatte ist sicherlich interessanter, als es die Anzahl der im Moment anwesenden Abgeordneten vermuten läßt. Das ist schade! Ebenso interessant ist der vorliegende Kunstbericht, der ja schon mehrfach gelobt wurde. Er präsentiert sich wieder in einer sehr ausführlichen und informativen Form, und die im Bericht 1996 eingeführten Neuerungen wurden im Bericht 1997 noch um zwei Aspekte erweitert.

Der erste Aspekt, die Datenerhebung der österreichischen Kulturdokumentation, ermöglicht einen europaweiten Überblick über die Kunst- und Kulturausgaben der einzelnen Länder, wobei ein direkter Vergleich der Zahlen wegen der unterschiedlichen Definition und Finanzierungsmodelle derzeit nur bedingt möglich ist. Österreich liegt mit seinem Anteil der Kulturausgaben des Bundes gemessen am Gesamtbudget im oberen Mittelfeld. Ich halte es für wesentlich, daß an einem europaweit vergleichbaren Kulturstatistiksystem gearbeitet wird, das eine vergleichende Analyse tatsächlich ermöglichen wird.

Es ist also einerseits erfreulich, daß wir uns im oberen Mittelfeld Europas befinden, und andererseits sicherlich interessant, daß es in Zukunft europaweit vergleichbare Analysen geben wird. (Zwischenruf des Abg. Dr. Krüger.)  Ja, ja! Der Kulturausschuß beschränkt sich bei mir auf Kulturlandschaft, auf Lebenskultur, auf Lebensqualität, auf Weinkultur. Aber ich glaube, dafür ist hier und heute nicht der geeignete Augenblick  außer für die Freiheitlichen, die oft nur eine Kultur im Kopf haben, was sehr einseitig wirkt! (Beifall bei den Freiheitlichen. Neuerlicher Zwischenruf des Abg. Dr. Krüger.)  Lieber Michael Krüger! Du möchtest auch zur Weinkultur kommen? Du bist herzlich dazu eingeladen. Kein Problem! Kollege Peter ist in diesen Dingen auch schon ein erfahrener Mann.

Der zweite Aspekt, der mir sehr wichtig erscheint, ist die regionale Verteilung der Fördergelder, welche in der Kunstförderungsdebatte immer wieder zu heftigen Diskussionen Anlaß gab. Auch das wurde heute schon mehrmals angesprochen. Erfreulicherweise wurde nun erstmals eine Analyse der geographischen Verteilung der Fördermittel vorgenommen und ein Bericht darüber erstellt. Damit ist eine langjährige Forderung der ÖVP  und diese ist schon wesentlich älter als jene des Liberalen Forums  endlich erfüllt! Endlich haben wir es schwarz auf weiß.

Gehen wir von der Anzahl der Förderungsfälle aus, weist Wien mit 56,5 Prozent den höchsten und das Burgenland mit nur 1,4 Prozent den niedrigsten regionalen Anteil auf. Gemäß den Betrachtungen der regionalen Verteilung der Fördermittel gehen allein 50,2 Prozent nach Wien, an zweiter Stelle und im Vergleich dazu weit abgeschlagen liegt die Steiermark mit 9,6 Prozent. Auch hier ist das Burgenland mit 2,7 Prozent Schlußlicht.

Die Wien-Lastigkeit ist also nicht zu leugnen. Dem Vertreter der Tiroler Landesregierung, der im Beirat bei einer Debatte über das Kunstförderungsbeitragsgesetz kritisiert hat, daß die Bundesförderungen gegen Westen hin wie in einem Kapillarsystem immer dünner werden, ist also grundsätzlich recht zu geben. (Beifall bei der ÖVP.)

Um es, weil heute schon so oft das Wort "Transparenz" gefallen ist, vielleicht noch ein bißchen transparenter zu machen: Es ist nicht einzusehen, daß die Pro-Kopf-Ausgabe für Kunst bei einem Durchschnittswert von 53 S in allen Bundesländern dermaßen stark unterdotiert ist, so liegen etwa Niederösterreich mit minus 70 Prozent, das sind pro Kopf 16 S, und auch die Steiermark mit minus 35 Prozent, das sind pro Kopf nur 32 S, im Ranking sehr weit hinten.

Die Wien-Lastigkeit der Bundesausgaben für Kunst und Kultur und der Förderung der Kunstsektion wird damit argumentiert, daß zahlreiche, dem Bund zugewiesene Kompetenzen in Wien angesiedelt sind beziehungsweise in Wien konzentrierte Einrichtungen Aufgaben für den gesamten Bund wahrnehmen.  Herr Staatssekretär, Sie haben dies in Ihrem Redebeitrag noch zusätzlich erwähnt; ich bin jedoch der Meinung, daß diese regionale Aufteilung der Förderungen


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