Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 171. Sitzung / 205

Ich glaube, daß man es sich manchmal zu leicht macht, wenn man einen Antrag stellt und sich dann über etwas lustig macht, wenn dieser Antrag nicht über die Bühne geht. Ich bitte darum, daß wir ernsthaft an diese Sache herangehen! Daß es eine Quotenregelung geben soll, ist klar, aber nur dann, wenn sie sinnvoll ist und wenn sie Qualität mit sich bringt. Zuerst beginnt man unten, und dann arbeitet man nach oben! (Beifall bei der ÖVP.)

21.54

Präsident Dr. Heinrich Neisser: Jetzt gelangt noch Herr Abgeordneter Gaugg zu Wort. Gewünschte Redezeit: 3 Minuten.  Bitte.

21.54

Abgeordneter Reinhart Gaugg (Freiheitliche): Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Da-men und Herren Abgeordnete! Die Intention des Antrags selbst wird verstanden, das Problem beginnt bei der Quote. Wovon soll diese berechnet werden? Wenn wir hören, daß beim Arbeitsmarktservice 60 Prozent der Beschäftigten Frauen sind, dann ist die Quote nach Ihren Vorstellungen bereits erfüllt. (Abg. Dr. Petrovic: Nein, nein, nein! )

Wenn es darum geht, die Hierarchien und die sogenannte Männerdominanz in den leitenden Positionen zu beurteilen, dann muß man doch etwas zurückblicken. Denn in den sechziger, siebziger und auch achtziger Jahren haben viele Frauen hinsichtlich der Frage der Ausbildung für qualifizierte Berufe den Schwerpunkt auf Familie und Kinder gelegt und waren deshalb vielfach in ihrer beruflichen Karriere gehemmt. (Neuerliche Zwischenrufe der Abg. Dr. Petrovic.)

Liebe gnädige Frau Dr. Petrovic! Glauben Sie wirklich, daß es das Problem der arbeitenden Frauen in Österreich ist, ob sie Sektionschefin oder Direktorin eines Arbeitsamtes in den Ländern sind? Geht es nicht viel eher darum, daß die hohe Beschäftigungslosigkeit der Frauen im Mittelpunkt der Diskussion stehen sollte? Sie können qualifizierte Arbeit nicht durch Quoten regeln! Was machen Sie für den Fall, daß eine Funktion ausgeschrieben ist und Sie keine geeignete Frau finden? Lassen Sie die Stelle dann unbesetzt? Was wollen Sie? (Abg. Dr. Petrovic: Glauben Sie, daß die Quotenmänner qualifizierter sind?)

Dieses Hinschreiben von Quoten kann nur ein kleiner Teil im Hinblick auf Beschäftigung sein. Wesentlichere Punkte sind eine Angleichung der Einkommen zwischen Männern und Frauen. Das ist ein viel ehrlicheres Anliegen! (Beifall bei den Freiheitlichen.) Man sollte einmal dazu übergehen, jenen Punkt in Angriff zu nehmen, der seit Jahren gefordert wird und der leichter umzusetzen ist, nämlich gleiche Entlohnung für gleiche Tätigkeit. Da rührt sich im öffentlichen Dienst jedoch überhaupt nichts, und ich stimme Ihnen zu, daß gerade der öffentliche Dienst kein Vorreiter in der Frage der Führungspositionen bei Frauen ist. Das erleben wir in allen Bereichen.

Aber es gibt Beispiele, daß man krampfhaft versucht hat, Quotenregelungen oder Quoten einzuführen, siehe Bundesheer. Mit viel Aufwand und viel medialer Begleitmusik wurde vor einiger Zeit die Möglichkeit eröffnet, daß Frauen zum Bundesheer gehen. Das Projekt kann man heute bereits als gescheitert betrachten.

Daher meine ich, daß wir von alten Denkmustern weggehen müssen, ebenso wie Sie von den Quoten weggehen müssen. Es ist viel vernünftiger, die Qualifikation in den Vordergrund zu stellen  unabhängig vom Geschlecht! (Beifall bei den Freiheitlichen.)

21.56

Präsident Dr. Heinrich Neisser: Da keine Wortmeldung mehr dazu vorliegt, schließe ich die Debatte.

Ich weise den Antrag 1039/A dem Gleichbehandlungsausschuß zu.

28. Punkt

Erste Lesung: Antrag der Abgeordneten Mag. Karl Schweitzer und Genossen betreffend ein Bundesgesetz zur integrativen Prüfung der Auswirkungen von Vorhaben auf die Umwelt (Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz, UVP-G), durch das das bisherige Bundesgesetz über die Prüfung der Umweltverträglichkeit und die Bürgerbeteiligung (Umwelt


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