Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 176. Sitzung / 196

Karenzgeldes sowie eine jährliche Anpassung und natürlich zwei Jahre Karenzgeld für Alleinerzieherinnen. (Beifall bei der SPÖ.)

Wir können uns eine einkommensbezogene Gestaltung des Karenzgeldes, mit einem Mindestkarenzgeld und mit einer Deckelung, vorstellen. Da das Karenzgeld seit 1996 nicht mehr erhöht wurde, wäre eine Erhöhung auf 6 000 S unbedingt notwendig, um Familien und auch den Frauen das Auskommen annähernd zu ermöglichen. Heute wird es für viele Arbeitnehmerinnen immer schwieriger, die Karenzzeit finanziell zu überbrücken. Bei niedrigen Einkommen sollte es daher auch einen Familienzuschuß geben.

Das Modell eines Karenzgeldes für alle ist sozial- und frauenpolitisch sicher ein falscher Weg. Wir brauchen keine Verteilung der Mittel mit der Gießkanne! Wir wollen nicht weg von der Umverteilung von beitragsleistenden Arbeitnehmerinnen. Wir können uns ein Abgehen vom Versicherungsprinzip nicht vorstellen. (Beifall bei der SPÖ.) Denn wir wollen, daß Frauen Beruf und Familie vereinbaren können, und wir meinen nicht, daß es frauenfreundlich ist, wenn Frauen aus der Erwerbstätigkeit gedrängt werden. Frauen sollen selbstbestimmt entscheiden können. Sie dürfen nicht abhängig sein, vor allem auch nicht finanziell.

Für Gleichstellung, Gleichbehandlung und Chancengleichheit für Frauen sollten wir auch hier nach wie vor vehement eintreten. Um diese Ziele zu erreichen, sind sicher Frauenförderpläne notwendig. Vielleicht kann man als kleinen Erfolg den von der EU-Kommission vorgelegten Dritten Jahresbericht über die Chancengleichheit werten, der als großen Erfolg die Tatsache festhält, daß in den beschäftigungspolitischen Leitlinien für 1999 die Chancengleichheit für Frauen und Männer in der Europäischen Union als Grundsatz festgelegt wurde.

Uns Frauen freut es natürlich immer, wenn man in Zeitungen liest: "Frauen schlagen Männer in Top-Jobs um Längen."  Das ist natürlich für uns Frauen wirklich wieder einmal etwas Erfreuliches. Die Uni Augsburg hat eine Studie erstellt, in der es heißt  und das möchte ich vielleicht auch den Männern zu Gehör bringen : "Frauen sind offener für Kritik, plazieren diese weitaus geschickter bei anderen und wünschen sich vor allem das Feedback ihrer Mitarbeiter. Sie bevorzugen die Teamarbeit und sind daher auch nicht dem Hierarchiewahnsinn so sehr verfallen wie ihre männlichen Kollegen."

Liebe Frauen! Liebe Männer! Es ist noch vieles für die Gleichbehandlung und die Gleichberechtigung zu tun, aber ich denke, hier von diesem Pult aus sollte das immer öfter erklingen.  Danke. (Beifall bei der SPÖ.)

21.17

Präsident MMag. Dr. Willi Brauneder: Weiters zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Zweytick. Freiwillige Redezeitbeschränkung: 4 Minuten.  Bitte, Herr Abgeordneter.

21.18

Abgeordneter Johannes Zweytick (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Frau Ministerin! Hohes Haus! Sie gestatten mir, daß ich meine Ausführungen etwas kürzer halte, da es ja auch heute wieder sehr spät werden wird. Ich denke, es ist schon sehr vieles über den Gleichbehandlungsbericht gesagt worden. Meine Anmerkung dazu: Die Gleichbehandlung inkludiert Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, die Bereitstellung von Kinderbetreuungsplätzen, die Bereitstellung und die Ausarbeitung flexibler Arbeitszeitformen, sodaß die Vereinbarkeit von Familie und Beruf kein Schlagwort bleibt.

Es ist mir schon klar, daß die notwendigen Veränderungen nicht von heute auf morgen passieren können, da die Maßnahmen auch wohldurchdacht und konzipiert werden müssen. Trotzdem glaube ich, daß es gelungen ist, das Bewußtsein bezüglich der zahlreichen Ungleichbehandlungen zu schärfen, was wiederum den Grundstein für jegliche Veränderung und Erneuerung darstellt. Die zahlreichen Aktivitäten, welche nun in den Bereichen Aus- und Weiterbildung, Kinderbetreuungsmöglichkeiten und flexible Arbeitszeitmodelle gesetzt wurden, sind eindeutig auf die Verabschiedung des Gleichbehandlungsgesetzes zurückzuführen, ohne welches es diese konstruktive Auseinandersetzung und die vielen Ansätze zur Lösung des Problems nicht gegeben hätte.


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