Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 182. Sitzung / 23

Es wäre besser gewesen, meine Damen und Herren, sich darauf zu konzentrieren, den Kinderbetreuungsscheck bundesweit einzuführen! (Beifall bei den Freiheitlichen.) Das wäre etwas gewesen, was die Frauen wollen. Jede Frau, die man fragt, ist für den Kinderbetreuungsscheck. Aber Sie führen Regelungen ein, die die Frauen am Arbeitsplatz noch in der Zukunft benachteiligen werden. Sie müssen das tun, was die Frauen wollen, und nicht das, was Sie ihnen aufs Auge drücken wollen! (Beifall bei den Freiheitlichen.)

Meine Damen und Herren! Der Kinderbetreuungsscheck  bundesweit eingeführt  wäre nicht nur für Frauen, die es sich aussuchen können, ob sie für die Kinderbetreuung bei der Familie und zu Hause bleiben wollen, sondern auch für jene Frauen, die weiterhin berufstätig sein wollen und die Kinderbetreuung dann mit dem Kinderbetreuungsscheck mitfinanzieren können. Das wäre die Lösung für die Frauen und auch für die Familien gewesen! (Neuerlicher Beifall bei den Freiheitlichen.)

Sie von der ÖVP propagieren das zwar ununterbrochen, aber wenn es hier zur Abstimmung über den Kinderbetreuungsscheck kommt, sind Sie dagegen. Das Motto der Sozialdemokraten  das weiß ich ja  lautet: Von der Wiege bis zur Bahre in staatlicher Verwaltung!  Das ist Ihre Ideologie. (Abg. Dr. Mertel: Sie wissen nicht, wovon Sie reden!)

Unsere Ideologie ist diese: Der Frau die Möglichkeit der Wahl zu geben, ob sie zu Hause bleibt und ihr Kind selbst betreut oder ob sie weiter berufstätig bleibt und die Kinderbetreuung mit dem Kinderbetreuungsscheck finanziert. (Demonstrativer Beifall des Abg. Scheibner.)

In diesem Sinne: Vielleicht überlegen Sie es sich noch einmal und stimmen unserem Antrag zum Kinderbetreuungsscheck, den wir später einbringen werden, doch noch zu. (Beifall bei den Freiheitlichen.)

9.27

Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächste Rednerin ist Frau Abgeordnete Edeltraud Gatterer.  Bitte.

9.27

Abgeordnete Edeltraud Gatterer (ÖVP): Herr Präsident! Frau Ministerin! Hohes Haus! Zwei Handvoll Glück: Das ist ein Baby, wenn es auf die Welt kommt. Aber dieses Baby bringt nicht nur Glück und Freude mit sich, sondern es ändert auch das Leben der Frauen. 39 Prozent der Frauen sagen laut einer Umfrage einer deutschen Zeitschrift, sie haben sich nicht vorstellen können, wie sehr ein Kleinkind, ein Baby, ihr Leben verändert würde.  Deswegen stimmt auch die Werbung: "Ich bin der Chef"! "Ich bin die Chefin"!, denn das ist die Realität bei einem kleinen Kind.

Dieses Kind braucht volle Zuwendung und Liebe, aber es braucht vor allem auch Betreuung und Beaufsichtigung rund um die Uhr. Deshalb ist diese Regierungsvorlage ein Schritt in Richtung Besserstellung. Ich glaube, sie ist positiv und auch eine Anpassung an das EU-Recht, da es nämlich in Zukunft einen eigenständigen Anspruch für Väter geben soll. Ich möchte aber doch feststellen, daß es wichtig ist, daß die Mütter immer die ersten Anspruchsberechtigten bleiben müssen. Das ist etwas, was man herausstreichen muß. (Beifall bei der ÖVP.)

Die Einbeziehung der Väter in die Familie ist ein wichtiger Punkt. Ich meine, man sollte versuchen, da mehr Partnerschaft zu leben. Es ist nach wie vor ein geringer Prozentsatz: Nur 1,6 Prozent der Karenzzeit wird von Männern in Anspruch genommen. Ich bin der Meinung, man muß das noch ein bißchen beleuchten. Wenn man nämlich berücksichtigt, daß 44 Prozent dieser Männer arbeitslos sind, dann muß man diese Zahl noch einmal relativieren und sagen: Im Grunde gibt es da noch viel Nachholbedarf.

Die partnerschaftliche Einbeziehung des Vaters ist meiner Ansicht nach nicht nur eine Frage der Entlastung für die Frau, sondern im Grunde ist sie eine Chance für Männer, zu ihren Kindern eine gute Beziehung aufzubauen und eben davon zu profitieren. (Beifall bei der ÖVP.)


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