Nationalrat, XXII.GP Stenographisches Protokoll 15. Sitzung / Seite 54

Home Seite 1 Vorherige Seite Nächste Seite

Darauf möchte ich jetzt eingehen, das sind die nächsten Gegenvorschläge. Tun Sie bitte nicht so, als ob man ohnehin nicht viel tun könnte, nach dem Motto: Wir warten auf den Aufschwung, der kommt irgendwann von irgendwo her, und dann dürfen wir alle beglücken. – In Wahrheit hat das nichts mit Wirtschaftspolitik zu tun, sondern das ist ein rein wahlpolitisch motivierter Budget­zyklus, den Sie hier veranstalten. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Im Jahr 2005 – „2006“ haben Sie sich nicht zu schreiben getraut, weil Ihnen letztes Mal die Re­gie­rung ein Jahr früher flöten gegangen ist; man lernt ja, auch in Las Vegas! –, dann, wenn der Aufschwung kommt, den Sie mit Ihren Budgetdaten in Aussicht stellen, wollen Sie großartig senken. Entweder ist das die erwähnte Show oder blanke Ideologie, die da herausspricht, dann sollten Sie sich aber dazu bekennen: Der Staat darf nichts mehr tun, der Staat soll nichts mehr tun, wird mitdiskreditiert, aus, Pause, nichts; wir haben abgedankt! – Dazu brauchen wir uns aber nicht diese langen Showveranstaltungen anzuhören. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Also bekennen Sie sich dazu, dass es wirklich irgendwo Schwerpunkte gibt, dann schauen wir uns diese auch näher an.

Gehen wir auf die angebliche Steuersenkung ein. Professor Van der Bellen hat die Globaldaten schon erwähnt. Das ist wirklich so. Sie haben das dementiert – aber rechnen Sie nach! In den Jah­ren 2004 und 2005, aber speziell im Jahr 2004, über das wir heute reden, gibt es eine massive Mehr­belastung. Wenn man die Abgabenbelastung dazuzählt, wird sie noch höher. Und wen trifft das? Wir können doch nicht so tun, als ob das alle gleich treffen würde: 8 Millionen Öster­rei­cher, alle haben ein bisschen mehr oder ein bisschen weniger. – Nein! Es trifft einige besonders schlimm, und es sind einige ganz wenige, bei denen es sich vielleicht auf null ausgeht, nämlich bei denen, für die Sie dankenswerter- oder sinnvollerweise wirklich ein paar Verbesserungen bei der Lohn- und Einkommensteuer schaffen.

Das sind aber nicht einmal 300 000 Erwerbstätige; das sollten Sie einmal dazusagen. Über 600 000, die jetzt schon keine Steuern zahlen, weil sie nämlich ein zu geringes Einkommen haben – Stichwort Leistungsträger –, werden massiv belastet, bekommen aber keinen Cent mehr. – So schaut Ihre Rechnung aus! Deshalb sollten wir hier mit ein paar Instrumenten ein­grei­f­en. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.) – Nächster Vorschlag der Grünen. Wir haben uns das ausgerechnet, es würde 220 Millionen € kosten.

Insgesamt gesehen sollten wir bei diesem vorgezogenen Teil der Steuerreform die Bezieher nied­ri­ger Einkommen, die in letzter Zeit ohnehin genug geschröpft worden sind, entlasten. Das würde auch die Konsumneigung, wie jeder nachvollziehen kann, erhöhen.

Im Unternehmenssektor soll auch etwas passieren – das wird Sie vielleicht wundern, wenn ich das sage –, jawohl, aber bitte treffsicher! Mit Ihrer Maßnahme wird doch keine einzige Investi­tion angeregt. Wir brauchen in Zeiten der Unsicherheit wieder die klassischen Instrumente: In­ves­ti­tions­prämien und Freibeträge, die zeitlich befristet sind, damit sie auch treffsicher, zur rich­ti­gen Zeit, nämlich jetzt, wirken und nicht dann, wenn Ihr angeblicher Aufschwung um die Kurve kommt. (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Nächster Punkt: Schwerpunktsetzungen. Der einzige Schwerpunkt, den ich erkennen kann, ist Ihre Klientelpolitik – Landwirtschaft und Landesverteidigung/Militär. Die Ausgaben insgesamt im Budget sinken, wie Sie stolz verkünden, nur beim Bundesheer dürfen sie steigen, und das hat einen guten Grund: weil die finanziellen Vorbelastungen für Ihre aberwitzigen Rüstungsbe­schaf­fungen, die noch dazu meistens Fehlinvestitionen sind, das Budget bereits auffressen, und mit der Anschaffung der Abfangjäger droht Ihnen das Gleiche! (Präsident Dr. Fischer gibt das Glocken­zeichen.)

Ich darf zu meinem Schlusssatz kommen: Wir dürfen künftig nicht die größte Steuersenkung er­warten, wir dürfen nur mit der größten Verschwendungsaktion in der Republik rechnen, näm­lich mit dem unsinnigen Kauf der Abfangjäger – ein Riesenschwindel im Zentrum ...

12.29


 


Home Seite 1 Vorherige Seite Nächste Seite