Nationalrat, XXII.GP Stenographisches Protokoll 28. Sitzung / Seite 169

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gungsinitiative in zweiter Lesung nicht zugestimmt, Herr Bundesminister, weil wir der Ansicht, auch heute noch, sind, dass diese 1 000-€-Lehrlingsprämie nicht den ge­wünschten Effekt gehabt hat. Sie haben uns nie beantworten können, wie viele Lehr­plätze seit September 2002 auf Grund dieser Maßnahme, die damals beschlossen wurde, geschaffen wurden. Ich weiß das bis heute nicht, obwohl wir schon des Öfteren gefragt haben. (Abg. Dr. Trinkl: Da müsste er Psychoanalytiker sein, er ist aber Bun­desminister!)

Viertens, meine Damen und Herren! Es ist immer mehr erkennbar, dass die Prioritäten­skala des Herrn Arbeitsministers in Bezug auf die Jugendarbeitslosigkeit ganz anders ausschaut, als sie sein sollte. Dieser Bereich steht für ihn an letzter Stelle. Immer wieder zeigt es sich, dass Ihnen das anscheinend kein Anliegen ist, meine Damen und Herren!

Der Herr Bundeskanzler hat heute Vormittag – was ich jetzt zweifach berichtigen möchte, denn in der Fragestunde, in der es auch um das wichtige Thema Jugend­arbeitslosigkeit ging, hatte ich nicht die Gelegenheit dazu – wieder einmal als Beispiel Wien herangezogen und gesagt, hier gebe es die meisten arbeitslosen Jugendlichen. – Ich kann eine Statistik auch anders interpretieren, meine sehr geehrten Damen und Herren! Die größte Steigerung der Zahl der arbeitslosen Jugendlichen ist leider in Oberösterreich zu verzeichnen, dann in Niederösterreich und erst dann in Wien. Also Wien liegt nicht an erster Stelle beim Ansteigen der Zahl der arbeitslosen Jugend­lichen, nehmen Sie das bitte zur Kenntnis! (Beifall bei der SPÖ.)

Zweite Berichtigung zu den Ausführungen des Herrn Bundeskanzlers: Der Herr Bun­deskanzler hat, genauso wie der Herr Bundesminister jetzt, heute schon einmal von fast 1,7 Prozent mehr abgeschlossenen Lehrverträgen gesprochen. – Ja, jetzt, meine sehr geehrten Damen und Herren, Mitte des Jahres! Wenn wir an das Vorjahr, an das vorvorige Jahr denken, so wissen wir, es war damals im Sommer nicht anders. Aber wir müssen die Statistik der Wirtschaftskammer am Ende eines Jahres abwarten, wie viele dauerhaft abgeschlossene Lehrverträge dann übrig bleiben. Das werden von Jahr zu Jahr weniger, meine Damen und Herren! (Abg. Dr. Trinkl: Weil die 14-Jährigen von Jahr zu Jahr weniger werden!)

De facto bedeutet das weniger ausgebildete Lehrlinge und weniger angebotene Lehr­stellen. – Das ist Faktum. Also reden wir nicht Mitte des Jahres über etwas, das man erst Ende des Jahres beurteilen kann. Das ist unseriös, und das haben der Herr Bun­deskanzler und auch der Herr Bundesminister getan! (Beifall bei der SPÖ.)

Die Erklärung dafür ist auch ganz einfach. Diese Bundesregierung war es, die die Pro­bezeit von zwei auf drei Monate verlängert hat. Somit ist natürlich klar, dass Lehrver­hältnisse leichter und einfacher wieder gelöst werden, weil man länger beobachten kann, ob sich der junge Mensch bewährt oder nicht. – Deshalb werden mehr Lehrver­träge gelöst, als das in der Vergangenheit der Fall war, meine Damen und Herren! (Neuerlicher Zwischenruf des Abg. Dr. Trinkl.)

Die Zahlen möchte ich noch anführen, weil der Herr Bundesminister doch so ein Fan von Zahlen, Daten und Fakten ist. Er hat etwas andere Zahlen angeführt, als ich hier habe, aber ich habe hier natürlich auch AMS-Zahlen.

3 459 Jugendliche suchen sofort Arbeit – Sie haben sogar eine etwas höhere Zahl ge­nannt, Herr Bundesminister –; 3 143 sind jetzt in Schulungen, brauchen also dem­nächst eine Lehrstelle; 8 767 Jugendliche, die die Schule verlassen haben, sind schon arbeitsuchend gemeldet. Insgesamt sind das 15 369. Dem gegenüber steht die Zahl der etwas mehr als 9 000 offenen Lehrstellen österreichweit. Das heißt, für mindestens 5 000 Jugendliche bräuchten wir dringend Maßnahmen seitens der Jugendausbildung,


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