Nationalrat, XXII.GP Stenographisches Protokoll 31. Sitzung / Seite 36

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haben ein Voest-Konzept, das weiterhin erfolgreich sein kann – da muss man den Konjunktiv verwenden: sein kann –, damit die Diversifikation und die Expansion dieses Betriebs weitergehen kann. Warum ist das so wichtig? Voestalpine ist einzigartig in Europa, was die Unternehmensstruktur betrifft: Einerseits hat sie ein Stahlsegment, andererseits ist sie Autozulieferer. Sie fertigt Spezialmetalle, die sonst niemand fertigen kann; daher gibt es das Interesse von Magna daran. Und was geschieht in dieser Situation? Anstatt dass man sich das völlig ideologiefrei anschaut und sagt: Die nächsten paar Jahre ist hier nichts zu privatisieren – das müsste auch Ihnen irgendwie spanisch vorkommen –, kommt die Bundesregierung um die Kurve, drischt hinein und schreit: Haltet den Dieb, denn der Staat ist ein schlechter Unternehmer!

Das ist Ihre Aufführung, die Sie 2000 hier gegeben haben, und dagegen muss man sich wehren! (Beifall bei den Grünen und der SPÖ.)

Das hat nicht einmal so viel mit Ideologie zu tun. Das wohl auch, aber es könnte dieser Konsens herrschen, aber nein: Es muss dafür gesorgt werden, dass die Freunde und die Umgebung des Herrn Scharinger zu möglichst günstigen Preisen Anteile an der voestalpine zugeschanzt bekommen. (Abg. Großruck: Ein erfolgreicher Wirtschafts­unternehmer! – Weitere Zwischenrufe bei der ÖVP.) Und das nennen Sie in Ober­österreich dann Depolitisierung. So schaut es aus!

Wenn wir gerade in Oberösterreich sind, Herr Kollege: Sie haben dort die Situation, dass sich ein Bankdirektor einen Landeshauptmann hält. Das ist doch das Problem! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.) Und der Herr Pühringer tut so, als ob er Landeshauptmann wäre. In Wahrheit ist es doch längst so, dass er als Schal­terbeamter in der Filiale agieren müsste.

Jetzt haben wir das Problem, dass diese Privatisierung über die Börse gemacht wer­den soll. Es gäbe ja verschiedene Wege der Privatisierung. Ein Weg wurde Ihnen von der EU abgeschnitten, ganz klar, denn die hat gesagt: Strategische Investoren können Sie nicht so ohne weiteres ausschließen! Darauf werden wir noch kurz zurückkommen. Jetzt macht man die Privatisierung über die Börse. Aber auch dort ist es in Wahrheit nicht so einfach, auch dort muss man mit Mauscheln und Mogeln – das geht zwar technisch – die Sache so hindrehen, dass am Schluss ein paar schwarze und schwarz­nahe Unternehmen überbleiben. Aber dem Börseplatz Wien – Kollege Prinzhorn weiß es – werden Sie weiteren massiven Schaden zufügen. Und Sie gehen her und sagen, das tut dem Kapitalmarkt gut! Sie widersprechen sich hinten und vorne!

Wenn Sie dann in der Folge endlich ein paar einzelne Eigentümer haben, haben Sie überhaupt keinen Einfluss mehr darauf. Ich finde das sehr eigenartig, dass die Frak­tionen der Grünen und der Sozialdemokraten der ÖVP, einer konservativen und wirt­schaftsliberalen Partei, angeblich wenigstens, erklären müssen, was Marktwirtschaft ist. (Ironische Heiterkeit bei der ÖVP.)

Privat ist privat, und da können Sie dann nicht mehr herumdoktern. Sie verkünden hier ein Schüssel/Grasser-marktwirtschaftskommunistisches Modell. Sie wollen nach dem Motto privatisieren: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!, und nachher noch so tun, als ob Sie mitregieren würden. Das ist doch von vorne bis hinten un­glaubwürdig, und das lebt nicht einmal mehr bis zum Wahltag in Oberösterreich. (Bei­fall bei den Grünen und der SPÖ.)

Sie haben keine Gewähr, dass im Nachhinein und in möglicherweise sehr kurzer Zeit genau diese Anteile der strategischen Investoren, die Sie ausschließen wollen – wir haben Ihnen ja im Industrieausschuss, Herr Finanzminister, nachgewiesen, dass Sie da die Leute am Schmäh halten wollen –, dann mit einem sehr hohen Angebot heraus­gekauft werden. Ich sage Ihnen, es gibt Beweise dafür. Sie nennen Ihren Vortrag im Ministerrat; da steht: Durch Syndikate mit industriellen Partnern ist das Ganze herzu-


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