Nationalrat, XXII.GP Stenographisches Protokoll 85. Sitzung / Seite 97

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die Arbeiterkammerumlage) gesetzlich zu kürzen. Nachdem Schüssel im Jahr 2000 die Forderung der FPÖ, die Arbeiterkammerumlage auf 0,3 % zu kürzen, unterstützt hatte, schlägt diesmal er selbst ein Einfrieren vor, wie Jörg Haider im Mittagsjournal am 10. November 2004 berichtet hat.

Den wahren Grund dafür nennt Schüssel selbst, und zwar als Reaktion auf Kritik aus eigenen Reihen. Schüssel machte laut Ohrenzeugen „Kritiker zur Schnecke“: Er denke nicht daran, der Arbeiterkammer, die Propaganda gegen die Regierung mache „noch mehr Geld zu geben“ (Kurier, 10.11.2004).

Dass Bundesminister Bartenstein Schüssel unterstützt, ist nicht verwunderlich. Mit ihm als für Belange der Arbeit und der Arbeiterkammern zuständigen Minister wurde der Bock zum Gärtner gemacht. Natürlich sind ihm die Interessen seiner Industriebetriebe und der Wirtschaft wichtiger als die der Arbeitnehmer. Ungeheuerlich ist aber, dass auch der Präsident des Nationalrates Khol, der zu einer unparteilichen Amtsführung verpflichtet wäre, der Arbeiterkammer mit einer gesetzlichen Beschränkung in der Verwendung ihrer Mittel droht und ihr parteipolitische Propaganda vorwirft (in der Presse vom 13.11.2004).

Dass die Arbeiterkammer kritisch gegen die Politik der Regierung auftritt und über die Folgen dieser Politik für die ArbeitnehmerInnen informiert, ist nicht Folge einer parteipolitischen Ausrichtung, sondern eine natürliche Folge der Politik dieser Regie­rung, die sich in erster Linie gegen die Interessen der ArbeitnehmerInnen richtet. Es ist die ureigenste Aufgabe der Arbeiterkammern, die wie alle Kammern überparteilich sind, die Interessen ihrer Mitglieder auch gegenüber der Regierung zu wahren, gerade deswegen sind sie Selbstverwaltungskörper und entsprechend demokratisch legiti­miert.

Einen eindrucksvollen Beweis dafür, dass das, was die Regierung „Gräuelpropaganda“ der Arbeiterkammer nennt, leider nur zu wahr ist, hat gerade am Freitag vergangener Woche Sozialminister Haupt geliefert. Die von ihm im Sozialausschuss vorgelegten Berechnungen bestätigten die Berechnungen der Arbeiterkammer über extreme Verluste durch die Pensionsharmonisierung von bis zu 20 %.

Nun soll offenkundig der Arbeiterkammer durch eine Kürzung der finanziellen Mittel die Möglichkeit genommen werden, solche Berechnungen anstellen und an die Öffentlichkeit bringen zu können, um der Bundesregierung die Durchsetzung ihrer unsozialen Politik zu erleichtern.

2. Abschaffung der direkt gewählten Bundesvertretung der Österreichischen Hoch­schüler­schaft

Die Österreichische Hochschülerschaft hat die unsoziale Politik dieser Bundes­regierung, die sich scharf auch gegen Studierende richtet, von Anfang an kritisiert und versucht, die Interessen der Studierenden zu vertreten: Beginnend beim Protest gegen die Einführung von Studiengebühren über die Kritik am Universitätsgesetz (das dann vom VfGH teilweise aufgehoben wurde) bis hin zu ihrem gesellschaftspolitischen Engagement, etwa im Rahmen des Sozialstaats- und Bildungsvolksbegehrens. Die Bundesvertretung der ÖH ist hiezu bisher durch direkt demokratische Wahlen legitimiert, wobei diese einwandfreie demokratische Legitimation aus Sicht der ÖVP einen Fehler hat: Die ihr nahe stehenden Gruppierungen sind in der Minderheit, GRAS und VSSTÖ haben eine klare Mehrheit. Dies deswegen, weil sie bei den Wahlen seit 2000 stark dazu gewonnen haben, kein Wunder bei der Politik der Bundesregierung, die sich gegen die Studierenden wendet.

In einer Nacht- und Nebelaktion brachten nun am 10. November 2004 ÖVP und FPÖ einen Initiativantrag im Nationalrat für ein neues Hochschülerschaftsgesetz ein. Dieses


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