Nationalrat, XXII.GP Stenographisches Protokoll 89. Sitzung / Seite 121

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habe aber gesagt, dass Sie Begriffe diffamieren. „Zwangsganztagsschule“ – soll ich Ihnen sagen, von wann das ist? – Im September 2003 sagte das Bundesministerin Gehrer hier in diesem Haus, im Nationalrat. (Abg. Dr. Jarolim: Das schaut Ihnen ähn­lich!)

Frau Bildungsministerin Gehrer (Abg. Dr. Jarolim: Bildungs- und Zukunfts-...!) sagte an anderer Stelle dazu wörtlich – ich zitiere –: „Ich kann Ihnen eines versprechen: Wir werden auch in Zukunft der Gefahr ... widerstehen, Gesamtschulen“ in Österreich „ein­zuführen, denn es zeigt sich ganz klar und deutlich“ – hurra, jetzt kommt es wieder einmal! –: „Ein differenziertes, begabungsorientiertes Bildungssystem mit allen Hilfen für sozial Schwächere, für Leistungsschwächere ist der Bildungsweg der Zukunft!“

Was Ihnen die OECD sagt, was Ihnen die Bildungsexperten sagen, geht offensichtlich beim einem Ohr hinein und beim anderen wieder hinaus. Wir stellen immer wieder fest, dass Sie dann die Begriffe diffamieren, auf die Diskussion nicht einsteigen. Ich halte es einfach für ein großes Problem des österreichischen Schulsystems, dass Sie mit Scheuklappen dasitzen und nicht bereit sind, offen zu diskutieren. (Beifall bei den Grü­nen und der SPÖ. – Abg. Dr. Fasslabend: Na geh! Jetzt ist es genug!)

Sie haben vorhin auch gesagt, die österreichischen SchülerInnen fühlten sich wohl. Stimmt! Es gibt aber unterschiedliche Studien, Forschungen dazu, wie das Wohlbefin­den ist. (Abg. Dr. Cap: Nach der Schule!) Bei der PISA-Studie gab es einen zusätzli­chen Schüler-Fragebogen, in dem gefragt worden ist, welche Motivation die SchülerIn­nen, welchen Zugang etwa zu Mathematik sie haben. Gibt es Ihnen nicht zu denken, dass die österreichischen SchülerInnen im Vergleich aller 14 Staaten, die in der „PISA Austria Studie“ extra genommen worden sind, die geringste Motivation haben?

Gibt es Ihnen nicht zu denken, dass sie sogar noch um „ein Eckhaus“ tiefer liegen und den mit Abstand geringsten Wert aufweisen bei der Frage: Können Sie mit dem, was Sie in der Schule lernen, später auch etwas anfangen? Die Einschätzung der österrei­chischen SchülerInnen dazu ist katastrophal! Man muss sich ja wirklich einmal auf der Zunge zergehen lassen, was das heißt. Es geht da nicht um das Wohlfühlen. Dieses Wohlfühlen stellen Sie immer in Frage; natürlich sollen sich die SchülerInnen wohl füh­len, aber ist das, glauben Sie, Wohlfühlen, wenn sie sagen: Mathematik interessiert uns nicht, wir brauchen es nachher nicht mehr!, gleichzeitig aber in der Schule sitzen und sagen: Super, uns geht es gut!?

Das zeigt doch ein Problem dieses ganzen Systems auf! Und Sie können nicht herge­hen und sagen: Es ist in Österreich ohnehin alles in Butter! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Frau Bildungsministerin! Wir werden in den nächsten Tagen noch ausführlich Zeit ha­ben, darüber zu diskutieren, aber ein Letztes zum Abschluss: Drei Mal haben Sie ge­sagt, man könne in drei Jahren keine Maßnahmen setzen. (Abg. Dr. Jarolim: Ja, ja! In zehn Jahren!) Darf ich Sie zum Abschluss etwas fragen? Vielleicht beantworten Sie es noch! (Ruf bei der SPÖ: Neun Jahre!) Beim letzten Mal haben Sie zum Ergebnis der Studie gesagt, dass wir alles tun müssten, „damit wir beim nächsten“ – also diesem – „PISA-Vergleich von einem der besten Plätze Europas zur Weltklasse aufrücken“.

Vor drei Jahren waren Sie also offenbar doch der Meinung, dass es in dieser Zeit mög­lich ist. Anderer Länder Bemühungen haben auch Erfolge gezeitigt.

Natürlich geht nicht alles von einem Tag auf den anderen, aber jetzt herzugehen und zu sagen, wir hätten überhaupt keine Chance gehabt, irgendetwas zu verändern, es habe keine Möglichkeiten der Förderungen gegeben – das ist einfach zu billig! So kann man Bildungspolitik in diesem Land nach PISA 2 nicht fortführen. (Beifall bei den Grü­nen und der SPÖ.)

 


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