Nationalrat, XXII.GP Stenographisches Protokoll 124. Sitzung / Seite 143

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Frage umgehen. Wir dürfen uns nur nicht verschließen und nachher versuchen, irgendjemandem einen Schwarzen Peter zuzuschieben.

Was mich besonders freut – deshalb habe ich auch die „Kleine Zeitung“ mitge­nommen –, ist, dass mit überzogener Angstmache nicht weiterzukommen ist. (Die Red­nerin hält eine Ausgabe der „Kleinen Zeitung“ in die Höhe.) „Uni Graz: Weit mehr Plätze als Bewerber“.

Das heißt, wir können bereits jetzt in den nichtmedizinischen Bereichen eine Entspan­nung feststellen. Das heißt, Anmeldungen und Voranmeldungen bedeuten, dass es nicht ernsthafte Studierenden-Zahlen sind. Man hat sich offenbar in der ersten Minute an mehreren Unis angemeldet, und diese freien Plätze, die jetzt de facto überbleiben, gilt es, vernünftig zu bewerben.

Da bin ich schon beim Vorschlag des Kollegen Broukal. Im Vorgespräch hat er mir gesagt und auch in den Medien verkündet, es wäre ein Notpaket zu schnüren. Ich wehre mich immer gegen so überdramatisierte Begriffe für etwas, was nur eine Art pragmatische Maßnahme ist. 700 Studierende sind es nicht mehr, Herr Kollege Broukal, wie Sie selber zugeben, es sind nur mehr 380, also fast um die Hälfte weniger. Ich habe genau nachgefragt: Psychologie Wien, BWL Wien – das stimmt alles nicht. Dazu ist kein Notpaket vorzusehen, denn an der Psychologie gab es immer eine Art Ringvorlesung und in der Studieneingangsphase eine Entscheidungsprüfung. Das heißt, da haben sich die Verhältnisse nicht geändert. An der gesamten Uni Wien gibt es keine Ausscheidungsprüfungen gleich zu Beginn. Also die gesamten Zahlen der Uni Wien können Sie herausrechnen. Die Uni Graz hat freie Plätze in BWL und in Psychologie, und der zuständige Vizerektor sagt, jedenfalls studieren jetzt diejenigen, die wirklich und ernsthaft studieren wollen.

Ich bin dafür, dass alle Anstrengungen unternommen werden müssen, dass es mehr Studierende gibt. Mit der Festlegung einer Zahl ist es allerdings nicht getan. Der ehemalige Rektorenchef Winckler hat damals auf weite Zukunft hinaus die Zahl 300 000 für Österreich genannt. Wir haben erfreuliche Entwicklungen im Fachhoch­schulbereich, wir haben erfreuliche Entwicklungen im Universitätsbereich. Wir müssen auch ernsthaft mit der Frage umgehen, dass uns die OECD sagt, zum Beispiel im Bereich Naturwissenschaften, Technik, Mathematik hätten wir nachzuholen. Auch in Bezug auf andere Bildungsbereiche ist zu überprüfen, ob wir da so gut liegen, wie wir ausgewiesen werden, nämlich im lebenslangen Lernen. Aber wenn wir die Budgets weiterentwickeln, wenn wir die Globalbudgets weiterentwickeln hin zu Leistungs­verein­barungen, wenn die Universitäten Erfahrungen mit den ersten Zugangsregulierungen gemacht haben, lassen sich gewiss weitere sinnvolle Maßnahmen entwickeln.

Ich bin sehr froh darüber, dass wir angesichts dieser Vergleichszahlen, an die wir uns auch immer mehr und mehr gewöhnen müssen – es war bisher nicht Usus, dass wir mit anderen Ländern verglichen werden, dass unsere Maßnahmen gewissermaßen in der Auslage stehen, dass unsere Budgets bewertet werden –, auch in Zukunft weiter­hin zu den Besten in Europa zählen. Wir haben ein Betreuungsverhältnis, meine geschätzten Kollegen von der Opposition, von 1 : 13, also ein wissenschaftlicher Betreuer, 13 Studierende; in der OECD ist das Verhältnis 1 :15 und mehr.

Also bleiben wir bei der Wahrheit – und entwickeln wir gemeinsam in Europa, im europäischen Hochschul- und Bildungsraum unsere Qualität weiter! Das ist Heraus­forderung genug. Wenn wir das im gemeinsamen Dialog Regierung und Opposition machen, wird es gelingen, und dann können wir zufrieden sein.

Einen Entschließungsantrag bringt dann noch Frau Kollegin Bleckmann ein. Da bitte ich Sie alle um Ihre Zustimmung. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

16.23

 


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