Nationalrat, XXII.GP Stenographisches Protokoll 124. Sitzung / Seite 158

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wenn Sie sich in Österreich gegen akademische Ausbildungsgänge verwehren?) Sie könnten sonst nicht einfach die Zahlen miteinander vergleichen, wenn in Finnland und Schweden Kindergärtner und Kindergärtnerinnen als akademische Berufe anerkannt werden und Sie diese Akademikerquote dann mit der österreichischen vergleichen. (Abg. Dr. Grünewald: Das ist ja gut so, dass die akademisch ausgebildet werden!)

In Österreich gibt es diesbezüglich eine sehr gute Ausbildung, es ist aber keine universitäre Ausbildung vorgesehen. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP. – Abg. Dr. Grünewald: Das macht doch höchstens 0,01 Prozent aus!)

Das gilt auch für den Bereich der Pflichtschulen. Das wird zwar jetzt in unmittelbarer Zukunft in Österreich geändert werden, aber auch dieser Bereich wird in anderen Ländern bereits heute zu den Bereichen mit Hochschulzugang dazugezählt. Seien Sie doch wirklich ehrlich, wenn Sie diese Zahlen miteinander vergleichen. (Abg. Dr. Grünewald: Das stimmt doch alles nicht!)

Sehr geehrte Damen und Herren! Europaweit wird sehr intensiv daran gearbeitet, einen europäischen Hochschulraum zu gestalten, die Mobilität zu fördern und bei den Qualifikationen mehr Transparenz und bessere Anerkennung zu erreichen.

Es geht um die Erleichterung der Anerkennung der Studien im europäischen Raum und darum, ein Studium in verschiedenen Ländern absolvieren zu können, unter anderem durch Angleichung von Lehrveranstaltungen.

Das Aktionsprogramm ERASMUS zeigt: Im Jahr 2004/2005 haben über 4 000 Studen­ten dieses Programm genützt, um ihren Horizont zu erweitern. Es wurde ja bereits angesprochen, dass man nicht nur lernt, indem man Fakten in sich hineinsaugt, sondern auch dadurch, dass man über den Tellerrand hinausschaut und in anderen Ländern etwas lernt. Dafür sind gerade diese Austauschprogramme von sehr großem Nutzen.

Auch bei der Verwirklichung der Bologna-Vereinbarung liegt Österreich sehr gut. Was die dreigliedrige Studienaufteilung betrifft – Bakkalaureat, Magister und Doktorat –, so wurden in Österreich bereits über 30 Prozent der Studien umgestellt. Die Diplom­zusätze, die Anerkennung der Diplomerleichterungen mit ECTS-Punkten hat Öster­reich bereits für alle Curricula umgesetzt.

Angesichts dessen müssen Sie schon anerkennen, dass Österreich auf einem sehr guten Weg ist und wir nicht großmannsüchtig sind, wie Herr Professor Grünewald das behauptet hat. Es ist belegbar, dass wir da sehr, sehr gut unterwegs sind.

Sehr geehrte Damen und Herren! Wir stehen für eine europäische Wissensgesell­schaft, und da gehört es dazu, dass die Mobilitätsmöglichkeiten forciert werden. Es stellt allerdings ein Problem dar, dass durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofes auf die Universitäten eine große Belastung zugekommen ist. Man muss aber auch das relativieren, denn Sie stellen es so dar, als ob auf den Universitäten totales Chaos ausgebrochen wäre. Es gibt über 180 Studienrichtungen in Österreich, und zwei davon sind betroffen, und zwar die Medizin und die Veterinärmedizin. Lassen Sie einmal die Kirche im Dorf und sprechen Sie davon, dass nicht die ganze Universität in Panik verfällt und sich in einem Desaster befindet. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

Es gäbe eine schnelle Lösung, nämlich es genauso zu machen, wie es in der Bun­desrepublik Deutschland ist, nämlich die Einführung eines Numerus clausus. Das wollen wir nicht, das wollen die Regierungsparteien und auch Sie nicht, denn es ist ungerecht, einen Numerus clausus einzuführen. Wir stehen ganz eindeutig für einen freien Zugang zu den Universitäten. (Beifall bei den Freiheitlichen und der ÖVP.)

 


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