Nationalrat, XXII.GP Stenographisches Protokoll 127. Sitzung / Seite 130

Home Seite 1 Vorherige Seite Nächste Seite

Aus dem aktuellen österreichischen Sozialbericht 2003-2004 geht eindeutig hervor, dass in den letzten fünf Jahren die Armut in Österreich dramatisch gestiegen ist.

Die Regierungspolitik seit dem Jahr 2000 ist dafür verantwortlich, dass um 170.000 mehr Menschen akut arm und 114.000 mehr armutsgefährdet sind als noch vor fünf Jahren. Somit leidet jeder achte unter Armut.

Wenn man sich nun den Bericht durch die „Geschlechterbrille“ anschaut, wird eines ganz klar deutlich: Frauen sind von Armut viel stärker betroffen als Männer. Dies lässt sich durch Zahlen eindeutig belegen:

571.000 Frauen sind armutsgefährdet, das sind 55% aller armutsgefährdeten Men­schen, das heißt jede 7. Frau in Österreich muss mit weniger als 785 Euro im Monat auskommen. Frauen haben mit 14% auch ein deutlich höheres Armutsrisiko als Män­ner mit 12,3%.

In der Unterscheidung nach Haupteinkommensquelle wird in diesem Bericht eindeutig ersichtlich, dass Frauen nicht nur bei den Pensionen weniger abgesichert sind als Männer, auch bei einer Gliederung nach hauptsächlichem Erwerbseinkommen oder hauptsächlichen Sozialleistungen ist das Risiko bei Frauen immer höher als bei Män­nern.

Der Bericht beweist auch einen klaren Zusammenhang zwischen mangelnder externer Kinderbetreuung und Armut: Die geringe Einbindung von Müttern mit kleinen Kindern in den Arbeitsmarkt spiegelt sich in einer überdurchschnittlichen Armutsgefährdung wie­der.

Besonders dramatisch ist die Situation für Alleinerzieherinnen. Denn auch mit Erwerbs­tätigkeit sind 28% der Alleinerzieherinnen armutsgefährdet. Bestehende Einkommens­unterschiede zwischen Frauen und Männern haben demnach einen besonderen Nach­teil für allein erziehende erwerbstätige Frauen.

Alleinerziehende, eine zunehmende Lebensform, bedürfen im besonderen Maße flexib­ler Kinderbetreuung und familienadäquater Arbeitszeiten.

Durch die „Armutsfalle“ Pensionsreform sind 230.000 PensionistInnen auf eine Aus­gleichszulage angewiesen. 104.000 Frauen müssen mit einer Pension in Höhe des Ausgleichszulagenrichtsatzes auskommen, der unter der Armutsschwelle liegt, das entspricht einer Armutsgefährdung von 26%.

Pensionen

Bei den Pensionen schreibt die Bundesregierung ihr konservatives Weltbild fest und wirbt in Inseraten mit dem Slogan "Hausfrauen und Mütter sind die Gewinnerinnen". Die Mehrheit der berufstätigen Frauen verliert aber auch hier. Die Bewertung der Kin­dererziehungszeiten macht die Pensionsverluste bei weitem nicht wett. Der längere Durchrechnungszeitraum bringt massive Verluste. Weil die gesamte Lebensarbeitszeit für die Pension herangezogen wird und nicht mehr nur die "besten 15 Jahre", verlieren Frauen massiv. Teilzeiten und alle sonstigen "Karrierenachteile" werden bei der Be­rechnung voll erfasst. Expertinnen und Experten sprechen bereits von beträchtlichen Kürzungen im künftigen Pensionskonto bei Frauenpensionen.

Weitere Nachteile:

Frauen sind von der Korridorpension noch lange ausgeschlossen

die Bewertung der Kindererziehungszeiten ist nicht ausreichend

die Schwerarbeiterregelung sperrt Frauen faktisch aus

 


Home Seite 1 Vorherige Seite Nächste Seite