Nationalrat, XXII.GP Stenographisches Protokoll 137. Sitzung / Seite 17

Home Seite 1 Vorherige Seite Nächste Seite

So wenig die zuständige Ministerin in den Bereichen Bildung und Wissenschaft ihre Verantwortung wahrnimmt, so wenig ist sie bereit, im Kulturbereich notwendige Ent­scheidungen zu treffen. Darlegen lässt sich dies am Beispiel des Kunsthistorischen Museums: Hier stellte der Rechnungshof (III-149 d.B.) zahlreiche Missstände fest. Beanstandet wurde beispielsweise die mangelnde Inventarisierung von Kunstgegen­ständen, der Verleih von als nicht verleihbar bezeichneten Objekten, der Ankauf von Sammlungsgut – von zwei so genannten Uschebtis (Grabbeigaben) – durch Direktor Wilfried Seipel selbst, die Wiederbestellung dessen ohne öffentliche Ausschreibung und Befassung des Kuratoriums, der Anstieg des Gehalts des Direktors um das 2,5fache in den Jahren 1998-2002, die mangelnde Dokumentation von Reisespesen etc. Prinzipiell wurde vom Rechnungshof festgestellt, dass die Grundsätze ordnungs­gemäßer Buchhaltung und Bilanzierung vernachlässigt worden sind. Trotz dieser öffentlich in einem Rechnungshofbericht dokumentierten Missstände zog die zustän­dige Bundesministerin keine nachhaltigen Konsequenzen. Sie ist daher – trotz Aus­gliederung – für die Zustände im Kunsthistorischen Museum ebenso wie der von ihr bestellte Direktor verantwortlich.

Der Diebstahl der Saliera wirft ein Licht darauf, auf welche Art und Weise von zuständiger Seite und vor allem von Seiten der zuständigen Bundesministerin mit Missmanagement im Bereich der Bundesmuseen umgegangen wird. Die Strategie dabei ist immer die gleiche: Die Verantwortung wird (am besten an Dritte) abge­schoben, Tatsachen werden in Frage gestellt und umgedeutet, haltlose Vorwürfe erhoben. Dies lässt sich an einigen Beispielen zeigen:

Gleich nach dem Einbruch in das Kunsthistorische Museum am 11. Mai 2003, als erste Kritik an der sicherheitstechnischen Ausstattung des Museums aufkam, wurde ver­sucht, durch die Konstruktion von internationalen Täterbanden und der angeblich dahinter steckenden Kunst-Mafia die Verantwortung des Museumsdirektors klein zu reden. In Wirklichkeit ist der Täter ein Amateur, der – auch wenn er ein Spezialist für Alarm­anlagen ist – keine Erfahrung in der Durchführung von Einbrüchen und Dieb­stählen hat.

In einem zweiten Schritt wurde versucht, die Schuld für den Diebstahl einzig den Dienst habenden Wachbeamten in die Schuhe zu schieben, die es nach dem Auslösen des Alarms verabsäumt hatten, persönlich Nachschau zu halten. Experten und der Täter sind sich jedoch einig, dass selbst ein promptes Reagieren des Wachpersonals den Diebstahl nicht verhindert hätte. Ernst Geiger, der Leiter der ermittelnden Kriminal­direktion, meinte: „Der Plan hätte auch funktioniert, wenn sie [die Wachbeamten, Anm.] gleich reagiert hätten.“ (profil 21, 17.05.2004)

Drittens wurde die Außensicherung des Kunsthistorischen Museums der Burghaupt­mannschaft zugeschoben, was vom zuständigen Beamten des Wirtschaftsminis­teriums, Franz Pachner, folgendermaßen kommentiert wird: „Seipel lebt davon, den Ball immer anderen zuzuschieben. Wenn draußen Bauarbeiten stattfinden, dann hat er dafür zu sorgen, dass ein Einbruch unmöglich ist. Und besonders wertvolle Gegen­stände hätte er dennoch wegräumen müssen.“ (profil 5, 30.01.2006). Der Chef des Münzkabinetts im Kunsthistorischen Museum, Günther Dembski, war hier offenbar vorsichtiger gewesen. Er hatte wertvolle Teile seiner Münzsammlung in einen Tresor gesperrt und auch intern darüber Mitteilung gemacht. (profil 5, 30.01.2006)

Das Ziel der Vorgangsweise von Direktor Seipel ist klar: Die Verantwortung für den Diebstahl sollte anderen zugeschoben werden. Anstatt offen um Aufklärung bemüht zu sein, wird verschwiegen, „gebunkert“ und uminterpretiert. Selbst nach Aufklärung der Tat wurde diese Verhaltensweise fortgesetzt. Der Direktor des Kunsthistorischen Museums beschuldigte die ermittelnden Beamtinnen und Beamten, einen Deal mit dem Täter abgeschlossen zu haben.

 


Home Seite 1 Vorherige Seite Nächste Seite