Nationalrat, XXII.GP Stenographisches Protokoll 137. Sitzung / Seite 66

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Meiner Ansicht nach ist Herr Direktor Seipel in der Kunstszene insgesamt weder ein Hero noch ein Dämon, wie er jetzt von der Opposition dargestellt wird, sondern Herr Direktor Seipel – das ist ja hier schon einige Male gesagt worden – ist sicherlich ein sehr, sehr guter kultureller Leiter des Kunsthistorischen Museums und hat da seine Erfolge und Meriten erworben, keine Frage. Auf der anderen Seite sind jedoch andere Dinge – vor allem im kaufmännischen Bereich – zu kritisieren. Das hat ja auch der Rechnungshof festgehalten. Wir gehen davon aus, dass so bald wie möglich die Konsequenz aus diesem Rechnungshofbericht gezogen und ein kaufmännischer Direktor für das Kunsthistorische Museum bestellt wird.

Herrn Direktor Seipel ist natürlich auch anzuraten, sich ein bisschen weniger in den Mittelpunkt zu stellen, auch in der Öffentlichkeit weniger. Ich denke da eben gerade auch an diese Inszenierung, dass er nach Italien zu irgendwelchen Verbindungsleuten fährt, die angeblich im Besitz der „Saliera“ seien. Das war schon ein bisschen merk­würdig. Aber auch diese Inszenierung jetzt, als er den Dreizack der „Saliera“ wieder in das Salzfass hineingesteckt und sich dabei ins Fernsehen gedrängt hat, war nicht gerade passend. – Jedenfalls ist das aber auch nicht ausreichend, um so eine Inszenierung, wie sie jetzt die Opposition gemacht hat, hier aufzuführen.

Also vom kulturellen, künstlerischen Aspekt her ist die Tätigkeit Direktor Seipels in Ord­nung, bezüglich des Kaufmännischen jedoch sollte es zu einer Bereinigung kommen. Aber da weiß ich, dass die Frau Unterrichtsministerin die entsprechenden Schritte einleiten wird.

Sie, meine Damen und Herren von der Opposition, brauchen diese Dinge, weil Ihnen sonst nichts einfällt – und das in einem leider schon früh beginnenden Vorwahlkampf. Und jetzt kritisieren Sie die Entscheidung bezüglich der Klimt-Gemälde, meine Damen und Herren von der Opposition. Frau Kollegin Muttonen, hätten Sie sich vielleicht gewünscht, dass der Preis möglichst hoch ist und dass die Bundesregierung jeden Preis zahlt, der verlangt wird, und dass die Frau Unterrichtsministerin ohne jede recht­liche Grundlage 300 Millionen US-Dollar, also mehr als 250 Millionen €, für diese Kunstwerke berappt – und das aus Steuergeldern?! Das kann ja wohl nicht Ihr Ernst sein, Frau Kollegin Muttonen, wenn Sie sagen, dass das ein „unwürdiges Feilschen“ gewesen sei.

Selbstverständlich stehen wir dazu, meine Damen und Herren, dass Kunstwerke, die im Jahre 1938 geraubt wurden, restituiert werden. Keine Frage! Aber schon allein diese Sache war aufzuklären, war nicht so hundertprozentig klar, denn sonst hätte nicht 1999, unter einer SPÖ-Regierung, der Restitutionsbeirat die Restitution genau dieser Gemälde abgelehnt. Der Restitutionsbeirat hat das abgelehnt, weil man gesagt hat: Es gibt ein Testament, es gibt eine Vereinbarung aus dem Jahre 1948, in der der Anwalt der Erben auf diese Gemälde verzichtet hat.

Da gab es selbstverständlich eine rechtliche Klärung. Man hätte das auch aus­judizieren lassen können, aber man hat ein Schiedsgericht eingerichtet, und daher ist dessen Entscheidung selbstverständlich zu akzeptieren.

Was aber nicht zu akzeptieren gewesen wäre, ist, dass man jeden Phantasiepreis, den die Anwälte der jetzigen Eigentümer verlangen, aus Steuergeldern bezahlt hätte. So Leid es einem tut – und natürlich hätten wir es auch gerne gehabt, dass diese Kunst­werke in Österreich geblieben wären –: Diese Kunstwerke müssen restituiert werden, und die Eigentümer können auf dem internationalen Kunstmarkt versuchen, diese Millionenbeträge zu bekommen. – Ich bezweifle jedoch, ob die genannte Summe tatsächlich zu lukrieren sein wird.

Eine nationale Katastrophe – wie das manchmal so dargestellt wird – ist es nicht, denn Österreich verfügt über eine Fülle von hervorragenden Kunstschätzen in den


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