Nationalrat, XXII.GP Stenographisches Protokoll 161. Sitzung / Seite 90

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monatelang mitdiskutiert, aber dann, wie üblich, aus parteitaktischen, aus partei­politischen Gründen einen Konsens verweigert (Abg. Dr. Gusenbauer: Stimmt ja nicht!), denn man kann doch nicht einer Bundesregierung, die man ablehnt, einen Erfolg geben. Das ist Ihr staatspolitisches Verständnis. (Abg. Dr. Gusenbauer: Machen Sie es doch!)

Warum diskutieren wir denn nicht auch, Herr Kollege Gusenbauer, gemeinsam? Was heißt: Macht es!? Ich weiß nicht, was in dieser Fraktion los ist. Ist Ihre Depression wirklich schon so groß (Abg. Dr. Gusenbauer: Nein, wieso! Macht es!), dass Sie nur mehr sagen: Macht es! oder: Das stimmt nicht!, wenn man versucht, mit Ihnen einen sachlichen Dialog zu führen? Das ist anscheinend mit Ihnen nicht mehr möglich. (Abg. Dr. Gusenbauer: Ich habe hier herinnen schon bessere Abschiedsreden gehört!) Sie sind so verstrickt in die Suche von BAWAG-Stiftungen und Höchstbeitragsgrundlagen bei der Gewerkschaft, Penthäusern (Abg. Dr. Partik-Pablé: Pension von Herrn Elsner!) und Wohnungen, die da entsprechend finanziert werden, dass Sie überhaupt nichts mehr anderes denken können und keinen sachlichen Dialog mehr führen können. (Abg. Dr. Gusenbauer: Hat es nicht schon bessere Abschiedsreden gegeben?)

Herr Kollege Gusenbauer! Ich wollte Sie fragen: Sind Sie bereit, für die Zukunft etwa eine moderne Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern zu gewährleisten, so wie Sie das in Sonntagsreden immer wieder gesagt haben, wo man wirklich überlegt: Ist es noch sinnvoll, in einem Österreich des 21. Jahrhunderts, einem kleinen Land, neun verschiedene Bauordnungen zu haben (Abg. Dr. Gusenbauer: Sagen Sie das ...! Da sind wir die falsche Adresse! Wieso erzählen Sie das nicht der ÖVP?), neunmal Jagd- und Fischereirecht, neunmal verschiedene Brandschutzvoraussetzungen, neun­mal ein unterschiedliches Jugendschutzgesetz und, und, und?

Wäre es nicht besser, in Alternativen zu denken und zu sagen: Ja, Kompetenz für die Gesetzgebung beim Bund, Vollziehung beim Land, ein ernst genommener Bundesrat durch Landtagsabgeordnete beschickt, die wirklich auch eine aktive Beteiligung der Länder bei der Bundesgesetzgebung garantieren, die Landtage verkleinert, so wie der Nationalrat, vielleicht auf 100 oder 140 Mandatare, die auch eine echte Kontrollkompetenz in den Ländern ausüben? Ganz, ganz schwierig umzusetzen, ich weiß es. Es ist aber einmal interessant, in solch neuen Ansätzen zu denken, Herr Kollege Gusenbauer, anstatt nur Wahlkampfparolen zu dreschen. (Zwischenruf des Abg. Dr. Gusenbauer.)

Oder man könnte sich auch einmal überlegen: Wie geht es denn mit dieser Euro­päischen Union weiter? Ist es gut so, dass wir weiter von Bürokraten organisiert werden, wo man versucht, sich von einer Krise in die andere hinüberzuretten, anstatt dass man wirklich darüber nachdenkt, wie denn dieses Europa der Zukunft besser funktionieren kann? Wäre es nicht besser, ein Kerneuropa von Ländern zu schaffen, die wirklich voll und ganz an dieser europäischen Integration teilnehmen wollen, und darum herum Länder mit unterschiedlichem Integrationsgrad zu reihen, die bei ver­schiedenen Modulen mitarbeiten, und so auch eine gedeihliche Weiterentwicklung dieses geeinten und friedlichen Europas zu gewährleisten? Auch darüber finden wir nichts, sondern Sie kommen jetzt zurück in eine Anti-EU-Kampagne, weil Sie glauben, dass Sie auch hier Stimmungen erzeugen können (Abg. Dr. Cap: 18 Minuten reden müssen, ist hart! – Abg. Dr. Gusenbauer: 18 Minuten können lange sein!), ohne da­zuzusagen, wie Sie das besser machen könnten. (Abg. Dr. Cap: Ist der Text schon aus?)

Oder diskutieren wir doch darüber, so wie es Justizministerin Gastinger angesprochen hat: Wie schaffen wir es denn, dieses völlig verkommene Ehe- und Scheidungsrecht zu reformieren, das aus dem 19. Jahrhundert und aus den dreißiger Jahren nach dem Anschluss stammt, das ja überhaupt nicht mehr den Gegebenheiten der heutigen Zeit


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