Kandidaten einen Probetest, weil eine der Erkenntnisse aus dieser Studie eben war, dass die deutschen Kandidatinnen und Kandidaten aus verschiedensten Gründen sichtlich besser auf diesen Test vorbereitet sind als die österreichischen.
Sie, Frau Abgeordnete, haben mir in Ihrer Anfrage eine Reihe von Fragen gestellt. Ich habe mich bemüht, prägnant zu antworten. Eine prägnante Antwort muss keine oberflächliche sein. Vielleicht ist das auch ein Zugang.
Aus dieser Anfrage wird klar, dass 80 Prozent der österreichischen Kandidatinnen und Kandidaten von der AHS kommen und dass es bekanntlich in der Oberstufe oder im Sekundarbereich 2 vier verschiedene Schulformen gibt, die sich wiederum in eine Vielzahl von Variationen untergliedern. Und eines ist evident: Es gibt keine Unterschiede – weil nach dem konnten wir skalieren – zwischen Kandidatinnen und Kandidaten von naturwissenschaftlichen Oberstufenformen und solchen von nicht naturwissenschaftlichen Oberstufenformen. Auch das wird, mit Verlaub, Gegenstand der Analyse sein müssen, warum das so ist.
Bei den deutschen Kandidatinnen und Kandidaten erkennt man sehr wohl Unterschiede, von welcher Oberstufenform sie kommen.
Die Frage, woraus sich diese unterschiedlichen Ergebnisse zwischen Frauen und Männern erklären, ist Gegenstand einer tieferen Analyse, und all das, was Sie mir vorwerfen, ist nichts anderes als ein Zitieren von Frau Prof. Spiel aus den ersten Erkenntnissen der Studie. Spiel sagt – ich zitiere eine Pressemeldung, die auch ein Zitat ihrerseits darstellt; ich habe ja gemeinsam mit ihr dieses Pressegespräch gemacht, und sie hat das ja auch nicht dementiert –:
Als Ursache für die Unterschiede Männer und Frauen ortet Spiel nach derzeitigem Stand des Wissens Unterschiede in der Benotung in der Schule. Während Burschen in erster Linie für ihre Leistungen benotet werden, spielt bei Mädchen eine breitere Palette an Rückmeldungen mit, sagt die Wissenschaftlerin. Als Beispiel nannte Spiel etwa „Wohlverhalten in der Schule“. Beispielsweise „brav sein“ bringt bessere Noten, so Spiel.
Das ist die Aussage von Spiel, einer renommierten Wissenschaftlerin. Ich glaube, mit solchen Aussagen müssen wir uns auseinandersetzen, denn es gibt keinen Grund, solche wissenschaftlichen Erkenntnisse in Abrede zu stellen.
Auch die zweite von Ihnen zitierte Studie kommt ja zu dem Ergebnis, zu dem auch Spiel kommt: Dass sich ab dem SIP-2 all diese Unterschiede, die Sie erwähnt haben, ausgleichen und ab dem SIP-2 Burschen und Mädchen gleiche Ergebnisse liefern.
Sie haben vollkommen recht auch mit Ihrer Analyse, und Sie zitieren ja Kritikpunkte am SIP-1, wonach Mädchen offensichtlich aufgrund eines anderen Zugangs zum Lernen schlechtere Ergebnisse bei dem Test haben, weil offenkundig der Test auf andere Dinge abzielt. Es zeigt auch der Spiel-Test, dass offensichtlich Multiple-Choice-Tests Männern mehr entgegenkommen als Frauen.
Also, was sehen wir aus beiden Tests? – Dass es offenkundig aufgrund der Vorbereitungen, wie immer sie sich darstellen mögen, beim EMS-Test zu unterschiedlichen Voraussetzungen zwischen Frauen und Männern kommt. Und unsere Aufgabe ist simpel, nämlich gemeinsam auch mit den Autoren der Studie – wir haben sie auch eingeladen, und sie stehen auch zur Verfügung, weil sie natürlich ein Interesse haben, den Test weiterzuentwickeln und mögliche Defizite zu beseitigen – zu erreichen, dass dieser Test sukzessive adaptiert wird, um genau diese Kritikpunkte in Zukunft hintanzuhalten.
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