Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll16. Sitzung / Seite 147

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gemacht haben, indem Sie pauschal Lehrerinnen und Lehrer – übrigens, 70 Prozent da­von sind Frauen – als pragmatisierte Faulpelze hingestellt haben (Abg. Bucher: Die Lehrervertreter! Die Gewerkschafter, nicht die Lehrer!), die mehr Zeit in der Schule ver­bringen sollten, ist eine üble Verleumdung von Menschen, die sehr viel Leistung erbrin­gen und große Schwierigkeiten bewältigen in einem Bereich, wo sehr viele Menschen zusammen arbeiten. Das ist eine so niedrige Wertschätzung, dass Sie sich für jegliche sachliche Diskussion absolut disqualifiziert haben. (Beifall bei den Grünen.)

Die Lehrer, die Lehrenden sind da nicht die Feinde, sondern sie sind die Partnerinnen und Partner für Reformen im Bildungssystem. Ihnen, Herr Abgeordneter Stadler, sollte man zum Geburtstag wahrscheinlich eine Zeitreise ins Mittelalter schenken, wo Sie dann Menschen, die nicht in Ihr Weltbild hineinpassen, auspeitschen und foltern kön­nen. Das musste ich heute hier sagen, denn das war wirklich eine verheerende Diffa­mierung von Menschen, die ganz, ganz, ganz Wichtiges in dieser Gesellschaft leisten. (Beifall bei den Grünen.)

Wir diskutieren jetzt über die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung für Lehrer um zwei Stunden. Und was ist eigentlich der Kern des Problems? – Es gab eine ganze Reihe von ... (Zwischenruf des Abg. Mag. Stadler.) Die Zeitreise in das Mittelalter gefällt Ih­nen offensichtlich. Hexen verbrennen kann man im Übrigen in diesem Jahrhundert auch. (Abg. Mag. Stadler: Wenn Sie mitkommen, bin ich dabei!)

Wir reden jetzt, wie gesagt, über die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung für Lehrer um zwei Stunden. Aber worum geht es denn eigentlich wirklich? – Es gab ein ganz deutliches, massives politisches Versprechen, und zwar sowohl von der ÖVP als auch von der SPÖ, dass die Klassenschülerhöchstzahlen gesenkt werden. Dieses Verspre­chen wurde sogar plakatiert. Die Bildungsministerin selbst gibt noch ein sehr viel brei­teres Bukett an Versprechungen: Neue Mittelschule in allen Bundesländern, Ausbau der Tagesbetreuung, Sprachförderung, muttersprachlicher Unterricht, mehr Ausbil­dungsplätze vor allem in den berufsbildenden Schulen, Kleingruppenunterricht, indivi­duelle Förderung.

Ja, das alles wollen wir unterschreiben, das alles wollen wir haben, das alles brauchen unsere Kinder und Jugendlichen – aber dann brauchen Sie, Frau Ministerin, auch mehr Geld, dann muss es im Budget einen Vorrang für Bildung geben! (Beifall bei den Grünen.)

Was mit diesen zwei Stunden mehr an Unterrichtszeit tatsächlich an zusätzlicher Quali­tät geschaffen werden soll, das zu erklären sind Sie uns bis zum heutigen Tag schuldig geblieben, Frau Bundesminister. Werden damit Qualitätsmaßnahmen gesetzt? Wir wis­sen um die Probleme. Wir wissen auch, dass das nur im Zusammenhang mit einem Gesamtkonzept gehen kann. Es bestreitet niemand, dass es in diesem Bereich auch Lehrerinnen und Lehrer gibt, die weniger engagiert sind. Aber was wird dadurch bes­ser, dass man den weniger engagierten Lehrern einfach zwei Stunden Unterricht mehr aufbürdet? Wird dadurch für die Kinder irgendetwas besser?

Sie bestrafen damit geradezu die Engagierten, die sich vorbereiten, die nacharbeiten, die Zeit in die Beratung der Schüler investieren, die ihnen zur Verfügung stehen, also die viel Zeit in die Schule investieren. Diese motivierten Lehrerinnen und Lehrer bestra­fen Sie damit. Es würde in jedem Unternehmen zu einer Krise führen, wenn man dieje­nigen, die motiviert sind, bestrafte. Das sind vor allem junge Bedienstete, das sind Ver­tragsbedienstete, die auch Angst um ihren Job haben.

Viele junge Frauen sagen: Okay, ich war jetzt Karenzvertretung, kann ich weiterhin in der Schule arbeiten, oder ist das, was jetzt diskutiert wird, ein Jobabbauprogramm? Bedeutet das einen Aufnahmestopp für junge Lehrerinnen und Lehrer? Bedeutet das sogar einen Aufnahmestopp im öffentlichen Dienst? Diesen Verdacht habe ich nämlich,


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