Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll19. Sitzung / Seite 82

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Grundlage an Wissen brauchen wir, um uns das Wissen der Welt, sofern wir es da und dort brauchen, nutzbar zu machen?

Wenn wir hier – und ich glaube, diesen Konsens können wir finden – zu einer ein­heitlichen Betrachtungsweise kommen, dann ist der nächste Schritt, dass wir über die notwendigen Strukturen diskutieren, und zwar vom Kleinstkind bis zum universitären Sektor; Stichwort: lebenslanges Lernen. Es geht darum, nicht nur immer den Sekun­darbereich 1 herauszugreifen, sondern die gesamte Bandbreite, gerade mit den Herausforderungen der Übergänge.

Dass wir diese Diskussion führen, das würde ich mir wünschen, und ich glaube, von Seiten der Regierung sind wir dazu bereit. Für meinen Teil des tertiären Sektors kann ich sagen, dass wir, ausgehend von den Notwendigkeiten eines gesamtöster­reichischen Hochschulplans, mit Sommer beginnen werden, eben für den tertiären Sektor diese Fragestellung anzugehen, und ich denke, da bin ich mit Claudia Schmied eines Sinnes, dass das auch für den Bereich der unter 18-Jährigen stattfinden sollte.

Wenn wir hier zu einer gleichartigen Betrachtungsweise kommen, dann sollten wir über Strukturen, über Organisationsformen diskutieren, im guten Sinne also das einhalten, was vielfältig auch für die Wirtschaft gilt, nämlich dass die Struktur der Strategie folgen soll und nicht, wie das leider Gottes oft der Fall ist, dass die Strategie der Struktur folgt. Ich habe heute festgestellt, dass wir vielfach auch in den Debattenbeiträgen wieder in diese Falle tappen, über Strukturen zu reden und hinterher Strategien nachzuliefern.

Beantworten wir die Fragen: Was sind die Herausforderungen an ein zeitgemäßes Bildungssystem? Was muss Schule können eingedenk dessen – was, ehrlich gesagt, die alten Römer schon festgestellt haben und was von einer zeitlosen Gültigkeit ist –, dass man nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen sollte? Infolgedessen ist die Frage zu stellen: Was braucht das Leben und was muss daher die Schule bieten, damit wir die Menschen hinreichend vorbereiten?

Dass Wissen Arbeit schafft, dass Bildung sozusagen die wesentlichste Ressource einer Gesellschaft ist, wird evident, wenn wir uns etwa die Arbeitslosenstatistik anschauen: Nur 1,9 Prozent der Hochschulabsolventen waren im vergangenen Jahr arbeitslos, nur 0,4 Prozent der Fachhochschulabsolventen waren arbeitslos, aber neunmal mehr Abgänger mit nur einem Pflichtschulzeugnis waren arbeitslos als Hochschulabsolventen.

Das zeigt uns, dass wir in die Bildung zu investieren haben. Das hat diese Bundes­regierung getan, und auch wenn wir schauen müssen, wie wir die Gelder optimal einsetzen – es ist ja heute vielfach auch von Sprecherinnen und Sprechern der Opposition darauf hingewiesen worden, dass gar nicht so wenig Geld im Bildungs­system ist, und jetzt kommen für beide Häuser in den nächsten beiden Jahren nochmals mehr als zwei Milliarden dazu –, gilt es dennoch, immer wieder zu schauen, wie wir diese Gelder optimal nutzen können.

Es hat aber die Debatte in den letzten Wochen und Monaten auch gezeigt, dass eine breit angelegte Bildungsreform, so wie ich sie aus meiner Sicht eben skizziert habe, nicht von einer Person und von einer Partei getragen werden kann, sondern von einem weitaus größeren Konsens, von einer weitaus breiteren Basis getragen sein muss. Dazu lade ich jedenfalls von meiner Warte ein.

Wir werden unseren Beitrag im Wissenschaftssektor leisten, wir werden uns auch einbringen und tun das ja schon etwa in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe, was die Lehrerinnen- und Lehrerausbildung anbelangt. Aber ich denke, entscheidend ist, dass wir auf breiter Basis zunächst einmal die Frage beantworten: Was erwarten wir uns von


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