Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll21. Sitzung / Seite 255

HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite

das Fördersystem, mit dem der Steuerzahler, aber auch der Landwirt zu kämpfen ha­ben.

Herr Bundesminister Berlakovich, Sie erinnern sich bestimmt – es ist nicht so lange her –, dass im Burgenland Weinbauern sehr betroffen waren, als man ihnen gesagt hat, dass es eine zu reichliche Weinernte gibt. Man hat dann gefordert, dass die Wein­bauern die Trauben abschneiden und auf dem Boden verrotten lassen. Das ist nicht die Art und Weise, wie man mit den wertvollen Produkten der Landwirte umgehen soll­te! (Zwischenruf der Abg. Höllerer.)

Frau Kollegin, da ist es nicht um die Qualität gegangen! (Abg. Prinz: Hier spricht eine Landwirtin!) Mir ist die Gesetzeslage sehr wohl bekannt, und ich kenne auch die Krite­rien für die Einstufung von Qualitätsweinen. Damals ging es um etwas ganz anderes! Es hat einfach zu viel Wein gegeben. Die Weinbauern haben nicht pro Hektar zu viel angebaut, so dass sie eine schlechtere Einstufung erhalten hätten und dann zum Bei­spiel plötzlich ein Landwein daraus geworden wäre, nein, es ist darum gegangen, dass man die gesamte Ernte abschneiden und auf dem Boden verrotten lassen musste.

Das verstehen wir alle nicht, denn ich glaube, dass wir erkennen müssen, dass wir vor vielen Jahren, als unsere Eltern und Großeltern noch aktiv waren, für Lebensmittel mehr Geld ausgegeben haben. Wir dürfen uns auch nicht wehren, wenn wir darüber diskutieren, dass die Produkte, die unsere Landwirte erzeugen, auch etwas wert sein müssen. Heute lebt der Landwirt in hohem Ausmaß von Förderungen, bekommt aber keinen fairen Produktpreis. Wäre es da nicht der bessere Weg, zu sagen: Das wert­volle Produkt des Landwirtes soll auch ordentlich abgegolten werden, damit man eben nicht mehr von Förderungen abhängig ist? (Beifall bei der FPÖ.)

Wenn man sich das Förderwesen ansieht, dann muss man erkennen, dass mehr als 35 000 Betriebe in einer Größenklasse von 0 bis 1 000 € einen Betrag von 16 Millio­nen € an Förderungen erhalten haben. Das heißt, 35 000 Betriebe erhalten 16 Millio­nen €. Dann gibt es aber sechs Betriebe, die 3,6 Millionen € an Förderungen erhalten haben. Das zeigt doch ganz klar, warum es das Bauernsterben, das man jetzt „Struk­turwandel“ nennt, gibt: Weil das Fördersystem vor allem große Betriebe unterstützt! Und das ist auch nicht gut für die Lebensmittelsicherheit in Österreich, denn wir wis­sen, dass, wenn Landwirte in der Region tätig sind, keine sehr langen Transportwege zu absolvieren sind, sondern dass das Produkt, das man aus der Region kennt und dort angebaut wird, auch von den Konsumenten vor Ort verwendet wird. Das ist der richtige Weg, meine Damen und Herren!

In Zeiten, in denen es den Landwirten finanziell schlechter geht, halte ich es auch für den falschen Weg, wenn man den Geschäftsführern der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit Bonuszahlungen in viel zu hohem Ausmaß ausschüttet. Hier be­kommen zwei Personen, Dr. Frühauf und Dr. Url, jeweils 70 000 € an Bonuszahlungen. 70 000 € an Bonuszahlungen zusätzlich zur eigentlichen Gage meine Damen und Her­ren, das ist nicht der richtige Weg!

Wir haben dann auch noch angefragt, wie viele Aktiengesellschaften, OHGs und OEGs Förderungen erhalten, und die Antwort war bemerkenswert. Sie lautete nämlich, dass gemäß Artikel 2 der Verordnung (EG) Nr. 259/2008 eine Suchfunktion zur Auflistung von Gesellschaften nicht vorgesehen ist. Wir brauchen jedoch diese Daten, weil näm­lich genau diese AGs, OEGs und OHGs in großem Ausmaß die Förderungen absau­gen, und diese fehlen dann natürlich jenen Landwirten, die naturnahe und in kleinen Betrieben für uns produzieren!

Meine Damen und Herren, trotzdem bin ich Optimist! Ich glaube, dass es für unsere Landwirte eine sehr positive Zukunft geben wird, und zwar ganz einfach deswegen, weil bei uns Modelle, wie sie zum Beispiel Wolfgang Löser in Niederösterreich forciert,


HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite