Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll23. Sitzung / Seite 529

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Kontinuum, das sich nicht wie ein Lichtschalter auf- und abdrehen lässt, man hat Geld, man hat kein Geld. Das funktioniert nicht! Das sagen auch alle Experten.

Verpflichten wir uns der Wahrheit und diskutieren wir über diese Probleme! Be­schönigen wir sie nicht und kehren wir sie auch nicht unter den Tisch! Penninger, der immer als Zeichen für etwas Tolles auf einem Silbertablett der Regierung herum getragen wurde, sagt ganz klar – ich sage sogar, etwas schnoddrig –: Wenn wir nicht mehr bekommen als jetzt, die Regierung soll sich nicht täuschen – sinngemäß zitiert –, dann gehen wir eben!

Ich sage Ihnen, Penninger hat ein Institut und Mitarbeiter, wo nahezu alle Mitglieder der Universität weinen könnten vor Glück, wenn sie nur die Hälfte davon hätten. Bei einem Kongress wurde Penninger von Uni-Angehörigen gefragt: Wo holen Sie die guten Leute her? Wie können Sie sich einen ehemaligen Max Planck-Direktor leisten? Seine Antwort war: Ich frage ihn, was er kostet, und ich zahle es ihm! – Den Unis geht es nicht so gut. Österreich nützt es nichts, wenn wir zehn, 20 Vorzeigeforscher haben oder drei, vier Institute, um zu sagen, wir haben international aufgeholt. Das ist es nicht. Wir brauchen auch die Breite.

Ich finde es nicht gut, wenn man jetzt – auch wenn „Die Presse“ nicht die schlechteste Zeritung ist – Presseartikel hernimmt, um zu beweisen, ob CERN jetzt gut oder falsch ist. Wenn sich Österreich 16 Millionen € für eine Mitgliedschaft nicht leisten kann und ein Abgeordneter sagt: Dieses Budget darf das Wissenschaftsbudget nicht auf den Kopf stellen!, zeigt das ja schon die ganze Tragik. Da müsste unser Wissen­schaftsbudget seit 30 Jahren auf dem Kopf gestanden sein! Die Beiträge waren immer hoch. Und warum können wir es uns jetzt nicht leisten? Das ist ein Sinnbild der nicht gerade rosigen Situation der Universitäten. (Beifall bei den Grünen.)

Ob jetzt dieser Entwurf ein Fake war oder nicht, ich finde es gewagt, zu sagen: Das waren die bösen Studenten vor der ÖH-Wahl! So ein Papier mit hunderten von Zitaten ... (Abg. Mag. Donnerbauer: Stammt es von Ihnen?) – Nein, diese Arbeit hätte ich mir nicht antun können. Ich hätte auch nicht die Profession dazu; das sage ich auch. (Abg. Mag. Molterer: Sie hätten es auch nicht geschafft!) – Ja, das stimmt. Das ist keine Schande, ich bin ja kein Jurist, und ich habe noch nie im Ministerium gearbeitet. (Ruf bei der ÖVP: Haben Sie es vor?) – Dazu ist es wahrscheinlich zu spät. Die Einladung ist noch nicht erfolgt, wenn Sie so wollen. (Heiterkeit bei der ÖVP.)

Aber reden wir über das: Studenten hätten nie die Kompetenz, das zu schreiben, auch nicht die Zeit. Aber Studenten so herunter zu tun wie ein AG-Vorsitzender es gesagt hat – die sollen nicht über den Irak-Krieg, über die Gesellschaft, sondern über bessere Skripten diskutieren –, ist eine Verhöhnung von Studierenden.

Wenn die ÖH und die Studenten nur mehr Skriptenproduzenten sind, die sich zur Gesellschaftspolitik nicht äußern dürfen, finde ich das ein tragisches und primitivstes Bild von Studierenden, und das sollten sich diese nicht gefallen lassen. (Beifall bei den Grünen.)

Aber jetzt noch einmal zum UOG. Ich habe Ihnen gesagt, ein Gesetz, das Leute motiviert, das das Umfeld der Universitäten verändert, das das Leben der Universitäts­angehörigen bestimmt, könnte im Prinzip kostenlos sein, wenn Sie anerkennen, dass heutzutage – und da können Sie das MIT und Harvard und Berkeley und Princeton und alles zitieren, auch die ETH Zürich – nicht mehr Solisten und einige Ordinarien über die Geschicke einer Universität einsam und allein mit einigen Uni-Räten befinden, sondern ein Team von Wissenschaftern und Wissenschafterinnen, die sich um die besten Argumente bekriegen, bekämpfen, belobigen, aber nach denen jedenfalls suchen.

 


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