Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll27. Sitzung / Seite 67

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beiter und jede Mitarbeiterin weiß, was das Gegenüber verdient. Davon gehe ich aus. (Ruf bei der ÖVP: ... haben Sie schon gearbeitet?)

Die Palette der Beispiele der sexuellen Belästigungen ist breit: angefangen von Mails über obszöne Äußerungen bis hin zu aggressiven Bedrängungen und wirklich auch Be­grabschungen. Dieses Verhalten ist ganz klar Gewalt, dieses Verhalten ist ganz klar Ausübung von Macht, Ausnützung einer Machtposition, und dieses Verhalten heißt auch, eine Abhängigkeitsspirale zu erzeugen, aus der gerade Frauen sehr schwer he­rauskommen, weil es um Jobs geht, weil es um die Existenzsicherung geht und weil es um Drohungen dahin gehend geht, dass sie ihren Job verlieren, wenn sie es aufzeigen.

Diese Gewaltspirale muss ganz klar durchbrochen werden. Es ist einfach unglaublich, unfassbar, dass wir im 21. Jahrhundert noch immer das Problem haben, dass Frauen sich nicht trauen, sexuelle Belästigung aufzuzeigen, aus Angst um ihren Job. Das muss geändert werden! (Beifall bei den Grünen sowie der Abg. Mag. Wurm.)

Es braucht ganz klare Konsequenzen im Betrieb, am Arbeitsplatz, und die Verantwor­tung darf nicht den Opfern aufgestülpt werden. Die Verantwortung müssen die Täter tragen und nicht die Opfer! Im Kampf gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz braucht es eine starke Partnerschaft, und da können sich auch die Männer nicht der Verantwortung entziehen, da müssen gerade die Männer mitarbeiten, um das aufzuzei­gen, das auch herauszuschreien, den Kampf dagegen zu unterstützen und auch als Vorbild zu wirken in ihrem Verhalten, ihrem gleichberechtigten Verhalten gegenüber Frauen am Arbeitsplatz.

Ein klares Zeichen zu setzen ist wichtig, und das muss auch die Politik machen. Die Politik ist, wie wir alle wissen, für Rahmenbedingungen zuständig. Die Politik hat die Verantwortung, zu verändern, nämlich ins Positive. Und der Kampf gegen sexuelle Be­lästigung braucht noch einiges – das zeigt auch dieser sehr, sehr gute Bericht, über den wir jetzt gerade diskutieren.

Erstens: Information schützt die Opfer. Wir wissen aus NGOs, die mit Frauen arbeiten, wir wissen aus der Frauenbewegung, aus der Frauenhausbewegung, dass gerade In­formation Unabhängigkeit heißt. Wenn ich Informationen habe, weiß ich, wohin ich mich wenden kann, weiß ich, was Recht ist, weiß ich, was Unrecht ist, und kann es auch mit Unterstützung der Organisationen einklagen. Das heißt: Mehr Informationen an die Opfer!

Zweitens: Die ganz klare Forcierung von Best-Practice-Beispielen. Gerade in männer­dominierten Berufen haben es weibliche Lehrlinge schwer – das wissen wir –, durchzu­kommen, standzuhalten, den Anforderungen zu entsprechen. Da braucht es auch von­seiten des Ministeriums für Frauen Unterstützung, was Schulungen in den Betrieben anbelangt, was Bekleidung von weiblichen Lehrlingen anbelangt. Auch die lobenswer­ten Initiativen, die auch im Bericht dargestellt werden, gilt es mehr zu forcieren und mehr in die Betriebe zu bringen, und vielleicht wäre auch die Unterstützung der weibli­chen Lehrlinge als Begleitungsorganisation mehr zu forcieren.

Drittens: Verkürzung der Verfahrensdauer vor den Senaten der Gleichbehandlungs­kommission bei sexueller Belästigung.

Oft dauert die Wartezeit ein ganzes Jahr lang – das ist eine sehr, sehr lange Zeit. Wir wissen, dass gerade Frauen in dieser Zeit um ihre Jobs bangen müssen, auch Angst davor haben, Repressionen im Betrieb zu erfahren, oder sie sind schon ausgestiegen und trauen sich erst dann Klagen einzubringen. Diese Zeit ist einfach zu lang! Es geht dann nämlich auch um die Glaubwürdigkeit und um die Beweiswürdigung, und deshalb müssen diese Verfahren verkürzt werden.

Ich finde, dass dieser Bericht ein klarer Auftrag an die Frauenministerin ist, da Maß­nahmen zu setzen, mehr hinzusehen, noch mehr zu unterstützen, damit die Zahl der


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