Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll27. Sitzung / Seite 141

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dieser Umklammerung befreien und all die Energie, die wir im Land brauchen, auch selbst produzieren.

Wir haben hier in Österreich gewaltiges Potential – egal, ob das die Biomasse ist, die Windenergie, die Geothermie oder auch die Solarenergie. Gerade wenn ich mir die So­larenergie anschaue, muss ich sagen, hier gibt es ein gewaltiges Potential. Auch ande­re europäische Staaten haben ein gewaltiges Potential an Solarenergie. Und was ma­chen wir hier in Europa? – Statt dieses Potential auszuschöpfen, soll, wie ich heute ge­lesen habe, um 400 Milliarden € ein Projekt in Afrika verwirklicht werden. Das heißt, es gibt hier einen Konzern beziehungsweise mehrere Konzerne, die sich zusammentun und um 400 Milliarden € ein Solarkraftwerk in Afrika bauen wollen, um dann eine Lei­tung nach Europa zu legen, um in Europa energieautark zu werden beziehungsweise 50 Prozent des Gesamtstroms zu substituieren.

Das muss man sich einmal vorstellen! Was könnte man mit so viel Geld machen? Ich habe mir das einmal angeschaut auf Österreich bezogen: Wir bräuchten nur 30 Milliar­den €, um von Atomstromimporten komplett unabhängig zu werden! Das heißt, wir könnten unseren Energiebedarf, unseren Bedarf an elektrischer Energie in Österreich bei einem Aufwand von 30 Milliarden zu 100 Prozent selbst decken, wir wären unab­hängig von allen Importen. Und diese 30 Milliarden müssten wir nicht einmal selbst in die Hand nehmen, sondern das würde die Industrie übernehmen. (Abg. Krainer: Aber das ist doch nicht die Frage! Haben Sie schon einmal daran gedacht, dass in der Sa­hara viel mehr die Sonne scheint als in Tirol?) – Genau, auf diesen Punkt komme ich gleich. Sie haben es angesprochen, aber das wäre genau mein nächster Punkt gewe­sen.

Warum plant man solche Wahnsinnsprojekte? Vordergründig ist das richtig: In der Sa­hara gibt es doppelt so viele Sonnenstunden als in Österreich. Doppelt so viele! Nur: Wenn man sich das Projekt genau anschaut, dann sieht man, dass man dort nur 15 bis 20 Prozent Effektivität erreichen kann auf Grund der nicht möglichen Kraft-Wärme-Aus­kopplung. Das ist dort nicht möglich. In der Sahara besteht ja nicht die Möglichkeit, bei der Stromgewinnung auch die Wärme sinnvoll zu nutzen, was man in Österreich mit einer Kraft-Wärme-Kopplung schon kann.

Und wenn man in Österreich diese Kraft-Wärme-Kopplung macht, dann ist man bei einem Wirkungsgrad von 40 Prozent. Das heißt, man kann den Standortnachteil zu 100 Prozent ausgleichen. Zu 100 Prozent! Und da spreche ich noch nicht von den 5 000 km langen Leitungen und den Verlusten, die dadurch entstehen, sondern allein davon, dass ich durch eine sinnvolle Kraft-Wärme-Kopplung in Österreich den Wir­kungsgrad so verbessern kann, dass ich mit dem Projekt in Afrika locker gleichziehen kann. (Abg. Krainer: Ja dann machen Sie es!)

Warum gehen internationale Konzerne nach Afrika?– Dafür gibt es mehrere Gründe:

Erstens: In Österreich, in Deutschland und in anderen Ländern sind die Genehmigun­gen für Großprojekte schwierig. Das wissen wir auch hier in Österreich. Da gehört drin­gend etwas gemacht!

Das Zweite ist: Internationale Energiekonzerne haben natürlich sehr wohl ein Interesse daran, dass wir weiter abhängig vom Ausland bleiben, in diesem Fall dann von Afrika.

Wenn die EU Zukunftsprojekte angehen will, dann ist die Energiefrage das Zukunfts­projekt, um das sie nicht herumkommen wird. Das heißt, wenn wir die EU brauchen, dann brauchen wir sie auch dafür, dass sie die Energiefrage löst. Und deshalb müssen wir nicht nur in Österreich, sondern auch auf europäischer Ebene dafür sorgen, dass diese Energiefrage jetzt endlich angegangen wird, dass dieses Haus nicht schon in der Planungsphase steckenbleibt, sondern dass endlich fertig gebaut wird.

 


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