Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll41. Sitzung / Seite 54

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Im Falle der innerfamiliären Pflege ist es auch so, dass oftmals Frauen – als Töchter oder Schwiegertöchter – diese Leistungen erbringen, und die dürfen wir nicht im Regen stehen lassen! (Beifall bei der FPÖ.)

Wir sollten diese Familienarbeit endlich auch wertschätzen und politisch alles unter­nehmen, damit diese Leistung auch honoriert wird.

Das Deutsche Statistische Bundesamt hat im Jahr 2001 den Wert der unbezahlten Leistungen, die in Privathaushalten erbracht werden, auf mindestens 820 Milliarden € oder knapp 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts berechnet. Auf unser Land und das Jahr 2008 umgerechnet würden diese unbezahlten Leistungen der österreichischen Privathaushalte einen Wert von ungefähr 110 Milliarden € ausmachen, das ist ein gigantischer Wert. Diese Leistungen werden aber nicht honoriert. Jeder Stau, bei dem die Motoren sinnlos laufen und Treibstoff verbrannt wird, erhöht das Brutto­inlands­produkt, aber Familienarbeit im Ausmaß von über 100 Milliarden € nicht.

Da muss in unserer Gesellschaft dringend umgedacht werden. Es muss ent­sprechen­de Anerkennungen geben, damit die Leistungen jener Menschen auch honoriert werden, denn sonst werden sie diese über kurz oder lang einstellen – und das wäre eine Katastrophe für unsere Gesellschaft und für unsere familienpolitische Entwicklung! (Beifall bei der FPÖ.)

Der Anstieg der Kinderlosigkeit in unserer Gesellschaft ist ja ein erstes dramatisches Zeichen – und das nicht erst seit heute: Seit über drei Jahrzehnten geht es bergab, der letzte positive, starke Geburtenjahrgang war 1969! Wo waren denn die verant­wort­lichen Politiker in den letzten Jahrzehnten, die doch einmal darüber nachdenken hätten müssen, wie es zu dieser dramatischen Kinderlosigkeit in unserer Gesellschaft kommt und wie wir dieser dramatischen Demographieentwicklung gegensteuern können?

Wie können wir unsere österreichischen Familien stärken und stützen, damit sie sich wieder mehr Kinder leisten können und Kinder und Familie mit der Arbeit wieder in Einklang zu bringen sind? – Darüber müssen wir nachdenken, denn Kinder sind unsere Zukunft. Diesen Satz hören wir in diesen „heiligen Hallen“ sehr oft, aber ihn nur auszusprechen und als Floskel zu verwenden ist zu wenig; es muss rasch etwas geschehen. Wir brauchen eine familienpolitische Umkehr in unserer Gesellschaft, hin zu einer geburtenorientierten Familienpolitik, hin zu einer familienorientierten Wirt­schaftspolitik und nicht zu einer wirtschaftsorientierten Familienpolitik! (Beifall bei der FPÖ.)

Genau das erleben wir ja auch mit dieser Novelle. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist wichtig, und es wird sehr viel für jene getan, die schon früh nach der Geburt ihres Kindes wieder in die Erwerbstätigkeit zurückgehen. Wir dürfen jedoch nicht, wie es in unserer Gesellschaft zum Teil geschieht, jene vergessen, die länger freiwillig bei ihren Kindern bleiben wollen. Da muss, glaube ich, angesetzt werden, denn je früher der Wiedereinstieg in den Beruf erfolgt, desto geringer ist auch die Wahrscheinlichkeit der Geburt eines zweiten oder dritten Kindes. Und Fakt ist, dass wir genau das er­leben.

Österreich ist heute schon jenes Land in Europa, in dem – neben Italien – der Kinder­wunsch am geringsten ist. Wir haben in unserer Gesellschaft auch den höchsten Anteil an wunschgemäß kinderlosen Frauen. Die Gründe dafür liegen natürlich auch im Wunsch nach einer Karriere, im Wirtschaftsdenken und in eingeschränkten Möglich­keiten in unserer Gesellschaft.

Uns Freiheitlichen sind diese Entwicklungen nicht gleichgültig, denn ohne Kinder gibt es für unsere Gesellschaft und unseren Staat keine Zukunft, und da kann auch – schon rein rechnerisch – der Generationenvertrag nicht aufrechterhalten werden. Wenn es


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