Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll98. Sitzung / Seite 57

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Das kann man leider – ich mache Ihnen das an dieser Stelle gar nicht zum Vorwurf – von den anderen Fraktionen nicht behaupten. Das heißt, es gibt für die meisten Vor­rednerInnen beziehungsweise auch für Sie, immer noch geschätzte VertreterInnen der Regierung, schon einmal genug in der eigenen Parteifamilie in Europa zu tun. Da gäbe es genug zu tun. Ich sage dies deshalb, weil es sehr wohl eine Frage von Haltung, von Rückgrat und von Glaubwürdigkeit ist. In dieser Frage nehmen wir das mit Sicherheit in Anspruch, auch wenn da zwischendurch herumkrakeelt wird. Das kann es einfach nicht sein. (Beifall bei den Grünen.)

Aber die großen Fragen dieser Auseinandersetzung sind natürlich von einer Gestalt, wo man vielleicht schon mehr Mut benötigt, als einander innerhalb von Österreich auch an Wochentagen mit Sonntagsreden zu begegnen. Es geht hier natürlich um eine harte Auseinandersetzung mit den mächtigsten Industriezweigen der Welt, selbstverständ­lich! Es geht um ein ganzes Lügengebäude, das da letztendlich von einem militärisch-industriellen Atomkomplex errichtet wurde. Das ist ein großer Kampf, das ist richtig. Diese Lügen zu dechiffrieren, das ist unsere Aufgabe, und dann auch in diesen Län­dern die Möglichkeit zu schaffen, diese 26 : 1 zu durchbrechen.

Ja, wir nehmen es dem Herrn Wirtschaftsminister ab, wie er es geschildert hat. Das führt aber gerade dazu, dass wir anders vorgehen müssen. Das führt aber gerade da­zu, dass wir uns dort verbünden müssen, auch mit den Anti-AKW-Bewegungen in Slo­wenien, in Deutschland, in Frankreich, ja überall (Beifall bei den Grünen) – deshalb ist die Glaubwürdigkeit hier so wichtig –, gegen die Regierungen dort. Es genügt nicht, nur auf dem diplomatischen Parkett ein bisschen herumzurutschen und hier im Parla­ment zu erklären, es gehe halt nichts weiter, es steht 26 : 1. Mit dieser Haltung hätten wir in Österreich auch nichts erreicht. Da waren nämlich viele von Ihren Vorgängern hier herinnen auf der anderen Seite, während wir schon auf der richtigen Seite waren. Mit der Haltung kommt man nicht weiter. Deshalb ist es eine eminente Haltungsfrage und Überzeugungsfrage. Da können Sie sich etwas abschnitzen.

Wir lassen uns in dieser Sache auch gerne etwas herausschneiden, wenn Sie nur den richtigen Weg einschlagen, was nicht immer gewährleistet ist. Deshalb ist es auch nicht wurscht, ob in diesem Parlament ein AKW-Lobbyist sitzt oder nicht. Es ist nicht wurscht! Bei der Rede von Herrn Bartenstein hat man geradezu den Eindruck gehabt, dass man sieht, wie das funktioniert. Herr Schüssel, der als RWE-Aufsichtsrat mehr Geld verdient als als Abgeordneter hier – es geht nur um die Relation! –, geht mit Herrn Bartenstein essen, und dann kommt so eine Rede heraus, wo Frau Glawischnig dafür gescholten wird, dass sie hier so eine glaubwürdige Haltung einnimmt.

Also das soll Ihr Schulterschluss sein?! – Schämen Sie sich von der ÖVP wenigstens einmal! (Beifall bei den Grünen.)

Das ist nicht glaubwürdig! Genau um diesen Unterschied geht es! So einen Schulter­schluss brauchen wir nicht, das ist auch keiner in der entscheidenden Frage der grenz­nahen AKWs, die sofort abgeschaltet werden können, wenn sie zu den Risikoreaktoren gehören. Da gibt es welche. Welche sind das? – Entweder sind es Siedewasserreakto­ren, oder sie haben kein Containment, oder sie sind zu lange in Betrieb mit vielen Stör­fällen, oder aber sie stehen auf einer Erdbebenlinie so wie Krško, das durch Erdbeben am stärksten gefährdete Kernkraftwerk Europas.

Wissen Sie, was der Direktor dieses Kraftwerkes Krajnc in einem aktuellen Interview, heute nachzulesen, gesagt hat? – Das sicherste AKW der Welt.

So schaut es aus! Mit solchen Leuten haben wir es dort zu tun.

Aber die Bevölkerung in Slowenien ist schon längst anderer Meinung, genauso wie je­ne in Deutschland. Schauen Sie sich den Diskurs an, im „Spiegel“, in der „Zeit“ und an­derswo! Selbst in Frankreich haben wir aktuell 70 Prozent AKW-Gegner, und dieses Zeit-


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