Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll150. Sitzung / Seite 55

HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite

Das ist wirklich schon etwas peinlich, denn das erinnert mich zufälligerweise ziemlich stark an Frau Gehrer: diese Form, Propaganda zu machen, die mit der Realität nicht übereinstimmt! – Warum steht da drinnen, dass die Entscheidung über die Schul­laufbahn erst mit 14 fällt? Entschuldigen Sie, Sie haben ein Umfeld, ich habe ein Umfeld, meine Kinder sind zwölf und 14 Jahre alt, wir haben ein Umfeld von Familien, wo die Entscheidung ansteht, ob die Kindern ins Gymnasium oder in die Hauptschule oder in die Neue Mittelschule gehen.

Sie werden mir doch nicht ernsthaft einreden wollen, dass diese Diskussion nicht mehr stattfindet. Das prägt ganze Familien über einen entscheidenden Zeitraum, da gibt es massiven Druck, der ist nach wie vor da. Wenn wir uns darauf einmal verständigen könnten, dann wäre es, wie gesagt, auch viel leichter, einzelne Schritte positiv zu bewerten. Darum würde ich Sie wirklich ersuchen. Gehen wir in die Realität und versuchen wir, an den Dingen weiterzuarbeiten, wo die Probleme gegeben sind!

Da möchte ich noch auf einen Punkt kommen, denn ich habe jetzt meine Rolle wieder verändert. Zuerst war ich neun Jahre Bildungssprecher, übrigens nicht aus dem Schulsystem kommend, da hat es immer geheißen, der Theoretiker, weil ich mit der Praxis nichts zu tun habe. Jetzt ist es eher die Rolle des Vaters (Abg. Elmar Mayer: Spannend!), der den Kollegen Walser da machen lässt, die ist auch sehr spannend, vor allem wenn man es im Umfeld beobachtet.

Es gibt ja drei Kategorien von Familien: Die einen sind die: Da machen es die Kinder alleine, und die Eltern sind entlastet. Da ist aber das Problem, das ist eine relativ kleine Gruppe, das kommt nicht so oft vor. Die zweite Kategorie sind die mit dem System Nachhilfe. Irgendwann geht es sich nicht mehr aus, man versucht, Nachhilfe zu bieten, und man versucht damit, den Kindern zu helfen. Das dritte System, und dazu zähle ich mich, ist das System: Wir haben Schularbeit.

Kenn ihr das „Wir haben Schularbeit“? – Das heißt, irgendwie kommt der Schular­beitsstoff, und dann wird einmal zuhause versucht, zu schauen: Was können die Kinder? Was nicht, wo muss man weitergehen? Wenn man dieses System „Wir haben Schularbeit“ ernsthaft betreibt, dann kommt man auch zu anderen Dingen.

Frau Ministerin, darf ich Sie etwas fragen? – Haben Sie sich in letzter Zeit einmal die Schulbücher angeschaut, die in Österreich verwendet werden, und versucht, Stoff – sagen wir, vierte Klasse Unterstufe Gymnasium – aufgrund dessen, was in dem Mathematikbuch steht, wirklich nachzuvollziehen und nachzuvollziehen, ob man von dem, was da drinnen steht, zu einer Lösung kommt? (Abg. Mag. Donnerbauer: Lernen! Das schadet nicht!)

Ich wünsche Ihnen viel Glück dabei. Das kostet Sie Wochenenden, und es kostet Sie Wochenenden, um den eigenen Kindern zu erklären, nicht, warum man das an die Tafel schreibt und dies das Ergebnis ist, sondern, wie man dazu kommt. Das ist der Kern der Geschichte!

Wissen Sie, was im Kern von PISA herausgekommen ist? – Das größte Problem in Österreich war, dass es beim verstehenden Lernen das Problem gegeben hat. Dort, wo es um das Auswendiglernen gegangen ist, das war in Österreich noch relativ gut. Dort, wo es um das Verständnis gegangen ist, haben wir das Problem.

Schauen Sie sich das Umfeld an! Das gilt nach wie vor. Da geht es um LehrerIn­nenausbildung, da geht es um Pädagogik, die dahintersteht. Da schließe ich bei der Kollegin Fuhrmann an und sage: Aus meiner Sicht ist Leistung zu definieren! – Klar, da gibt es unterschiedliche Definitionen.

Ich möchte eine Schule des Verstehens und des Verständnisses. Dort sollten wir hinkommen: dass Kinder nicht mit etwas heimkommen, was sie auswendig lernen


HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite