Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll21. Sitzung / Seite 173

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Das sind ja Zehntausende, Hunderttausende Menschen, da wird es natürlich Differen­zierungen geben. Das fängt beim Assistenzpersonal an und geht über Verwaltungstä­tigkeiten.

Wenn der Rechnungshof vorrechnet, dass wir allein bei den Bundeslehrern 5 200 Leh­rer aus dem Beruf des Lehrens, des Unterrichtens abziehen und für Verwaltungstätig­keiten einsetzen und dass uns das auch noch teuer zu stehen kommt – es kostet uns nämlich 13 Millionen € mehr, als wenn wir dafür Verwaltungsbedienstete einsetzen würden –, dann ist das natürlich ein Umstand, wo ich nicht verstehe, warum wir nicht handeln.

Da wünsche ich mir ein klares Bekenntnis dieses Hauses. Ich wünsche mir, dass wir sagen: Der Lehrerberuf ist so unendlich wichtig für dieses Land. Wir alle haben mit Vertretern dieses Berufes zu tun, für mindestens neun Jahre, die meisten von uns zwölf Jahre oder mehr. Wir müssen diesen Beruf differenzierter denken. Wenn wir sa­gen, in diesem Land sollen Talente blühen, dann werden wir verschiedene Ausprägun­gen brauchen: sprachliche Förderung, psychologisches Coaching, da gibt es eine Un­menge an Ausdifferenzierungen, und das müssen wir auch in der Ausbildung abbilden.

Was mir besonders am Herzen liegt, ist die autonome Schule. Wir sehen die autonome Schule als einen Hebel, um den Schulen mehr Verantwortung und auch mehr Freiheit zu geben, und dafür gibt es auch sehr viel Zustimmung. Wir wollen das ja, das habe ich schon beim letzten Mal angekündigt, und wir werden das jetzt im Rahmen der „Na­tionalen Initiative: Autonome Schule“ über ein Jahr vertiefen.

Es wird ganz, ganz wichtig sein, dass wir dabei in den nächsten Jahren einen besseren Blick auf die Funktion der Schulleitung bekommen. Wir glauben, wir können einfach je­manden aus dem Lehrkörper herausziehen und sagen: So, du bist jetzt DirektorIn! Das ist doch absurd bei diesem hochanspruchsvollen Job!

Manche machen den Zusatzkurs für Schulleitung erst on the job, während sie in der Funktion sind. Dann haben wir es tatsächlich so, dass die Curricula für diese Ausbil­dungen zum Beispiel für eine Volksschuldirektorin die gleichen sind wie für eine AHS-Direktorin, die 150 Lehrer führt. Das sind doch andere Anforderungen, das ist eine Füh­rungsfunktion!

Wir gestehen jedem Arbeitnehmer in Österreich zu, dass er eine Führungskraft hat, nur den Lehrern gestehen wir das nicht zu, die haben eigentlich keine Führungskraft. Des­wegen springt so zweifelhaft und ambivalent beherzt die Gewerkschaft als quasi Füh­rungskräfteersatz bei den Lehrern in diesem Land ein, was dem System in den letzten Jahren und Jahrzehnten auch nicht unbedingt gutgetan hat.

Mir kommt das so vor: Ich war zehn Jahre lang Mitglied bei der Harmoniemusik Wald am Arlberg. Und – wenn ich da den Bogen so spanne – natürlich braucht jede Blasmu­sikkapelle und brauchen auch die Wiener Philharmoniker einen Dirigenten, eine Diri­gentin. Es kommt doch keiner auf die Idee: Drehen wir heute eine Flasche, und irgend­einer von den musizierenden Damen und Herren wird eben der Dirigent für die nächs­ten Jahre.

Das braucht doch Zusatzqualifikationen! Es war uns völlig klar, dass selbst für die Har­moniemusik Wald am Arlberg der Dirigent/die Dirigentin Zusatzqualifikationen braucht. Und bei den Direktoren machen wir das so irgendwie: Schauen wir ein bisschen mehr auf das Parteibuch als auf die Qualifikationen! (Zwischenruf der Abg. Oberhauser.) Zum Glück nicht mehr in allen Bundesländern. Es gibt Bundesländer, wo das nicht mehr der Fall ist.

Aber eines ist auch klar: Du wirst in Wien nicht Direktor/Direktorin werden, wenn du nicht beim Bund Sozialistischer Akademiker absalutierst. (Abg. Oberhauser: Stimmt


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