dass die Todeszahlen sinken, liegen wir beim Suizid nach wie vor mit 1 200 Todesopfern im Jahr viel zu hoch. Da müssen wir mehr hinschauen.
Nächstes Thema: ländliche Versorgung mit Hausärzten. – Wenn wir die ländlichen Regionen mit Ärztezentren versorgen wollen – zum Beispiel: am Anfang des Zillertals ein solches Zentrum –, dann sind wir sehr schlecht gepolt, denn es ist wichtig, dass eine Erreichbarkeit zu Fuß möglich ist. Das sollte für Ältere und vor allem für Frauen und Behinderte möglich sein.
Das gilt aber auch für den städtischen Bereich. Man sagt: Na ja, dann machen wir in der Stadt ein Zentrum! Ich bin Hausarzt und ich weiß, dass meine Hauptklientel zu Fuß in die Ordination kommt – abgesehen davon, dass es oft ohnehin keine Parkmöglichkeit gibt. Das heißt: Es ist entscheidend – wenn wir schon bürgernah denken; und das gilt auch für Wien und nicht nur für das Zillertal –, dass wir die Hausarztversorgung so machen, dass sie der ältere Mensch, vor allem die Frauen in Anspruch nehmen können.
Aber in vielen Teilen Österreichs ist ja gar nicht die Inanspruchnahme das Problem, sondern da gibt es das Problem, dass überhaupt der Hausarzt zu den Patienten hingeht. In entlegenen Gemeinden brauchen die Leute wahrscheinlich zwei Mal in der Woche einen Arzt, in kleineren Gemeinden brauchen wir, damit der Arzt überhaupt hingeht, auch die Hausapotheke. In mehreren Gemeinden werden wir wahrscheinlich eine Teilung des Kassenvertrages brauchen, weil zwei Frauen das alleine nicht schultern können, was früher ein Mann rund um die Uhr gemacht hat, denn Frauen wollen vielleicht auch eine Familie haben, was ja positiv ist.
Bei der Mammographie ist ein großer Fehler passiert. Die Schuld dafür möchte ich aber gar nicht dem Minister geben. Bei der Mammographie waren wir vor dem Programm schon Weltspitze. Das sagen alle Statistiken: Wir haben heute eine Heilungsrate von 80 Prozent.
Was ist da passiert? – Wir haben das Programm einfach von der EU übernommen. Das ist für Finnland vielleicht gut, aber für Österreich ist es eigentlich ein Rückschritt. Gott sei Dank haben Sie da, Herr Minister, eingegriffen und dieses sture, meiner Meinung nach sehr einfallslose Einladungssystem zu korrigieren versucht.
Ziel muss es sein, von den 80 Prozent noch ein Stückerl hinaufzukommen. Das ist wirklich eine Erfolgsstory. Die Krebsmortalität ist in Österreich um 21 Prozent gesunken. Das ist wirklich lobenswert. Wir haben meiner Meinung nach von der Qualität her das weltbeste Programm, und jetzt brauchen wir noch von der Teilnahme her die weltbeste Beteiligung.
Am Schluss möchte ich sagen: Die Arbeit im Gesundheitswesen wird vor allem von Frauen geleistet. 80 Prozent der im Gesundheitswesen Tätigen sind Frauen. Gesundheit gibt vielen Menschen einen Arbeitsplatz, und wir müssen schauen, dass diejenigen, die Gesundheitsarbeit leisten, sich auch selber gesund erhalten und motiviert fühlen. Aber wenn ich da an die Klagen in den diversen Spitälern denke, vor allem an jene im AKH, wo es derzeit zeitweise tumultartig zugeht, dann muss ich sagen: Wir müssen uns auch dem zuwenden! Wir müssen schauen: Was muten wir denen zu, die im Gesundheitswesen arbeiten? Wo gibt es eine Überbelastung? Welche Form der Wertschätzung lassen wir ihnen zukommen?
Natürlich: Jeder Fehler ist ein Fehler zu viel! Aber wir müssen wirklich schauen, dass nicht das eintritt, was wir derzeit in Österreich haben: dass die Leute überall, vor allem die jungen, aus unserem Land wegrennen. Ich glaube, das ist die dümmste Form der Versorgung, nämlich die Nichtversorgung! (Beifall bei der ÖVP.)
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