40 000 österreichischen Ärzte ihre jungen Kollegen ausbilden?! Das ist nicht einmal ein Tropfen auf dem heißen Stein. (Beifall beim Team Stronach.)
Aus diesen Fakten kann man schon ableiten, dass die Basisversorgung in Österreich den Bach hinuntergeht. Das ist ein Fakt! Was aber sehen wir, wenn wir über die Grenzen blicken, in die Schweiz? Die Schweizer haben am 18. Mai, also vor einigen Tagen, eine Volksabstimmung gehabt, bei der über 90 Prozent der Bevölkerung für eine Verankerung der Hausarztmedizin in der Verfassung gestimmt haben. Also die Schweizer wissen schon, wo es langgeht. Die kennen sich nicht nur beim Käse, beim Geld und bei den Uhren gut aus, sondern auch in der Medizin. 90 Prozent Zustimmung für eine in der Verfassung verankerte Hausarztmedizin! Das sollte uns zu denken geben! Vielleicht sollten wir auch daran denken, eine Volksabstimmung in diese Richtung einmal zu organisieren oder einzuleiten. (Beifall beim Team Stronach.)
Sie reden jetzt von Primary Health Care – ein tolles neues, altes Wort! Da werden Anglizismen in die Versorgungsüberlegungen eingeführt, und man glaubt, damit Probleme zu lösen. Bitte, wenn ich das Wort „Primary Health Care“ google, dann komme ich zurück ins Jahr 1920 zu einem Engländer, zu Lord Dawson, der sich als Erster intensiv mit Primary-Health-Care-Fragen beschäftigt hat. Das war vor fast 100 Jahren; Sie können das alle nachlesen, es ist ganz interessant. Der Dawson-Report aus dem Jahre 1920 hat sich intensiv mit einer guten Basisversorgung beschäftigt. Österreich, im besten Gesundheitssystem der Welt, beschäftigt sich jetzt mit den Fragen der Basisversorgung. Ich frage Sie: Wo waren wir die letzten 90 Jahre? Was ist da geschehen? (Beifall beim Team Stronach.)
Ich möchte jetzt gar nicht auf die ELGA-Pannen und auf den Mammographie-Rohrkrepierer eingehen, auch nicht auf das Forschungsdesaster, das sich im AKH und in den anderen Med-Unis abspielt. Darüber ist sowieso schon genug gesprochen worden; es sollte uns aber immer wieder auch zu denken geben. Ich möchte darauf zurückkommen, warum das aus unserer Sicht so ein Problem ist. Ich glaube, dass das alles passiert, weil wir keine professionelle zentrale Planung haben, weil föderalistische Strukturen, Kassenstrukturen uns an einem gescheiten, modernen Gesundheitssystem hindern. (Beifall beim Team Stronach.)
Wir haben eine Zig-Klassen-Medizin durch die Zig-Kassen-Medizin! Das ist im dritten Jahrtausend ein unhaltbarer Zustand. Wir sollten uns nicht immer rekurrierend auf die alten, einmal gut funktionierenden Strukturen berufen, sondern wir sollten endlich etwas Neues machen, das den Menschen dient. Aus meiner Sicht ist es leider so, dass die rot-schwarze Verfilzung jede Reform unmöglich macht. Wir wollen das verbessern! (Beifall beim Team Stronach.)
Wir wollen eine einheitliche und integrative, vor allem eine professionelle und optimale Versorgung, wo die Pflege und die Medizin gemeinsam finanziert und gemeinsam geplant werden. Bitte schön, angesichts der Demografie, die sich jetzt so massiv ändert – das ist heute schon mehrmals angesprochen worden –, müssen wir die Pflege in die Medizin einbinden! Wir können diese beiden Bereiche nicht länger voneinander trennen, so wie es jetzt im Sozialtopf und im Gesundheitstopf der Fall ist. Das ist Unsinn!
Dass eine zentrale Gesundheitsversorgung, eine nationale Gesundheitsversorgung geht und funktionieren kann, das sehen wir doch bitte alle: Alle, die wir hier sitzen, sind wir bei einer zentralen nationalen Krankenkasse versichert, nämlich bei der BVA. Das ist eine österreichweite Versicherung. Bitte schön, warum soll es bei den anderen Kassen nicht gehen, dass man sie vereinheitlicht, sie zusammenlegt und eines Tages ein schönes, gut funktionierendes, einheitliches österreichisches Gesundheitssystem hat?! Das kann man ruhig mehrschrittig angehen, man kann es evolutionieren, man
HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite