Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll27. Sitzung / Seite 311

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wir zu hundert Prozent zustimmen, und dieses Budget ist auch genau auf diesem Motto oder auf diesem Themenbereich aufgebaut.

Im Budgetansatz zur Untergliederung „Gesundheit“ wurden fünf Zielsetzungen zur Wirkungsorientierung festgelegt; Sie kennen das, geschätzte Damen und Herren. Ich möchte mich ein wenig mit dem Wirkungsziel 2 auseinandersetzen, denn das Wir­kungsziel 2 betrifft die Gewährleistung des gleichen Zugangs von Frauen und Männern zur Gesundheitsversorgung mit speziellem Fokus auf Gender-spezifische Vorsorge- und Präventionsprogramme.

Gerade im Bereich Gesundheit ist es von eminenter Wichtigkeit, dass wir nicht nur die unterschiedlichen Bedürfnisse von Frauen und Männern aus der Perspektive Gesundheit sehen und darauf Rücksicht nehmen, sondern auch darauf reagieren – was schon längst hätte passieren sollen, zum Teil auch schon passiert ist. (Präsident Hofer übernimmt den Vorsitz.)

Es gibt hier einige Ziele, die erreicht werden müssen, wie zum Beispiel eine gender­differenzierte Datenerhebung. Wir brauchen eine gendergerechte Forschung. Zurzeit ist es so, dass 85 Prozent der Studien an Männern durchgeführt und diese dann auf die Frauen umgelegt und sozusagen heruntergebrochen werden. Als ob die Frauen die kleineren Männer wären, was natürlich völlig konfus ist. Denn das ist nicht so. Wir brauchen daher diese gezielte Genderforschung, denn das ist die Grundlage für eine genderdifferenzierte Diagnostik und Therapie. Wir wissen das auch von den Daten bei den Herzkreislauferkrankungen. Viele Frauen sterben an Herzinfarkt, weil einfach eine falsche Diagnose gestellt oder zu spät erkannt wird, worum es sich handelt. Daher ist diese gezielte Genderforschung die Grundlage dafür, um eine Verbesserung bei der Frauengesundheit herbeizuführen. (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)

Wir brauchen aber auch den Einsatz von auf das Geschlecht abgestimmten Arznei­mitteln. Auch da ist es so, dass Männer und Frauen dieselben Medikamente bekom­men – indem ein Mann mit 1,90 Größe und 100 Kilo Gewicht und eine Frau mit 1,60 Größe und 50 Kilo dieselben Medikamente möglicherweise auch noch in der gleichen Dosierung erhalten.

Wir brauchen vor allem auch die genderdifferenzierte Datenerhebung von Genuss­mitteln. Wie wirken sich Alkohol oder Rauchen bei Frauen und Männern unterschied­lich aus? Wie müssen wir darauf reagieren? Genauso brauchen wir die Berücksichti­gung von genderspezifischen Aspekten im nationalen Krebsregister. Diese müssen – und der Herr Bundesminister hat das auch so festgelegt – künftig im Vordergrund stehen. Hohes Haus, es braucht diese Gewährleistung des gleichen Zugangs von Frauen und Männern zur Gesundheitsversorgung, aber auch der Vorsorge.

Leider Gottes, und ich habe es diese Woche schon einmal gesagt, haben wir mit dem jetzigen System der Brustkrebsvorsorge diesen freien Zugang zur Brustkrebsvorsorge für die Frauen nicht mehr. Das war im alten System gewährleistet. Im alten System war es so, dass jede Frau, gleich welchen Alters, gleich aus welchen Gründen, diese Vorsorgeuntersuchung in Anspruch nehmen konnte. Jetzt sind Frauen unter 40 und über 70 davon ausgeschlossen. Natürlich können sie bei der Hotline anrufen, natürlich können sie sich über Internet einklinken, um zu erfahren, wie sie zu einer Einladung kommen. Aber das ist eine Hemmschwelle, die wir eigentlich genau in diesem Wir­kungsziel 2 ausschließen – keine Hemmschwellen, keine Barrieren, für einen freien Zugang zur entsprechenden Vorsorgemedizin.

Daher hoffe ich sehr, sehr geehrter Herr Bundesminister, dass Sie noch weitere Schritte unternehmen, damit wir ein System, das im Grund gut ist, von der Qualität her sogar sehr gut ist, auch im Ablauf, in der Organisation verbessern können.

 


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