die ihn vielleicht nicht kennen, sagen: Er ist für mich ein Mann mit mehreren Gesichtern. Auf der einen Seite haben wir gerade erlebt, welch erzkonservative Haltung er zu Schwangerschaftsabbrüchen einnimmt, auf der anderen Seite hat er in der Vorwoche ernsthaft verlangt, dass sich jeder Österreicher/jede Österreicherin verpflichtend einen Chip implantieren lassen soll. Er begründet diesen Unsinn mit den Vorzügen des „gläsernen Menschen“, damit, dass auf diesem Chip alle Gesundheitsdaten gespeichert sind und somit das System der explodierenden Kosten und des unsinnig hohen Verwaltungsaufwandes in den Griff zu bekommen ist.
Herr Franz, ganz nebenbei: Mit Ihrem Antrag bewirken Sie genau das Gegenteil. Zu Ihrer Information: Die Verwaltungskosten zum Beispiel in der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse betragen lächerliche 1,8 Prozent. Zeigen Sie mir einmal eine Privatversicherung, die mit so niedrigen Verwaltungskosten auskommt! (Beifall bei der SPÖ.)
Wenn im vorliegenden Antrag auch unser bewährtes Gesundheitssystem infrage gestellt und künftig nur mehr eine einheitliche österreichweite Gesundheitsversicherung mit zentraler Steuerung eingefordert wird, welche die Aufgabe hat – darauf kommt es jetzt an, aufpassen! –, nur mehr die Grundversorgung für die Menschen sicherzustellen, dann fürchte ich persönlich mich vor so einem Gesundheitsmodell à la Franz. So nebenbei wird im Antrag erwähnt, dass Herr und Frau Österreicher auch an den Kosten dieser Versicherung beteiligt werden sollen, um das Verantwortungsgefühl – wie es so schön heißt – zu steigern.
Dann frage ich mich, wenn es nach diesem Hirngespinst geht, wenn es nur mehr eine Grundversorgung für die Menschen in Österreich geben soll: Wie schaut es dann in Zukunft mit jenen Gesundheitsleistungen für ältere Bürgerinnen und Bürger aus, die vielleicht chronisch krank sind und die genau diejenigen sind, die Mehrleistungen aus unserem System brauchen? Sind die dann, Herr Dr. Franz, nicht mehr in dem Leistungsumfang enthalten?
Wenn Sie fordern, dass künftig die Krankenkassen keine Ambulatorien mehr führen dürfen und auch deren Spitäler und Rehabzentren, wo durch top ausgebildetes Personal medizinische Spitzenleistungen erbracht werden, privatisiert werden sollen, dann handeln Sie mit solchen Forderungen mehr als fahrlässig!
Wenn Sie dann noch als Tüpfelchen auf dem i verlangen, dass sich die Funktionäre, sprich die Vertreterinnen und Vertreter der Versicherten, aus den Gremien der Sozialversicherungen zurückziehen und diese Plätze für Ärzte freimachen sollen, dann kann sich jeder hier herinnen ausmalen, was dann passiert; denn wenn alles und jedes im Gesundheitsbereich privatisiert ist und die Ärztinnen und Ärzte das alleinige Monopol haben, zu entscheiden, welche Leistungen wo, von wem, wann und vielleicht auch noch zu welchem Preis angeboten werden, dann werden die Kosten erst recht explodieren und in ungeahnte Höhen steigen. (Ruf: Unvorstellbar! – Abg. Steinbichler: Eine Sozialversicherung! Gleiches Recht für alle!)
Ich warne daher eindringlich, solchen Ideen nachzueifern, weil dadurch mit Sicherheit das Gesundheitssystem für die Versicherten massiv verschlechtert wird! Für solche Spielchen bin ich jedenfalls nicht zu haben. (Beifall bei der SPÖ. – Abg. Jarolim: Danke für diese Rede! War ganz wichtig! – Rufe: Stimmt!)
19.41
Präsident Karlheinz Kopf: Als Nächste zu Wort gelangt Frau Abgeordnete Dr. Mückstein. – Bitte.
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