Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll41. Sitzung / Seite 143

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Erstens zur Dringlichkeit – und wenn ich die Dringlichkeit bedenke, stellt sich die zweite Frage, die Frage der Dramatik. Bei der Dringlichkeit, Herr Kogler, haben Sie sich ir­gendwo selbst widersprochen. Sie leiten Ihre Dringlichen Anfrage folgendermaßen ein:

„Morgen und übermorgen findet der Gipfel zwischen der EU und Kanada statt. Aus diesem Grund ist diese vorliegende dringliche Anfrage an den Wirtschaftsminister von höchster Relevanz und Dringlichkeit.“ Und so weiter.

Jetzt gerade haben Sie selbst gemeint, eigentlich stimmt das nicht ganz, weil morgen oder am 25. eigentlich nichts ist. Da gibt es zwar ein Treffen zwischen Kanada und der Europäischen Union (Abg. Pirklhuber: Na also!), da werden die Texte noch einmal öf­fentlich ausgetauscht, aber nichts paraphiert, gar nichts paraphiert. (Abg. Lopatka: Nichts, gar nichts passiert da!) Der gesamte Prozess (Abg. Kogler: Sie sollen die ös­terreichische Position klarmachen!)  – Hören Sie mir einfach zu, seien Sie so nett!

Der gesamte Prozess der Unterzeichnung und Umsetzung wird zirka ein Jahr dauern, mit allen Einwendungen, mit allem Drumherum. Es geht zuerst um die entsprechende Darstellung in Österreich, das verhandeln wir seit August, es geht um eine Position in Österreich, dann geht es um den Rat der Wirtschaftsminister, also in diesem Fall Han­delsminister, dann geht es in das Europäische Parlament und vom Europäischen Par­lament dann retour zur Ratifizierung in den einzelnen Nationalstaaten. (Abg. Brosz: Dann ist es zu spät!)

Herr Kogler, ich halte daher als Erstes fest: Die Dringlichkeit, die Sie im Zusammen­hang mit dieser Anfrage erzeugen wollen, sehe ich absolut nicht gegeben. (Beifall bei ÖVP und SPÖ.)

Zum Zweiten – das gilt jetzt für die Zuhörerinnen und Zuhörer –: Sie versuchen, eine bestimmte Dramatik entstehen zu lassen, indem Sie jetzt Fragen stellen, die einer drin­genden Beantwortung harren. Im Endeffekt haben Sie all diese Fragen erst vor einer Woche gestellt; all diese Fragen, auch die Frage, was den Bundeskanzler betrifft, al­les. Es wurde alles aufgeklärt, Sie tun aber jetzt so, als wäre das vollkommen neu, als gäbe es diese acht parlamentarischen Anfragen, die Treffen mit den NGOs und ande­ren Parteien beim Bundeskanzler mit uns nicht, auch nicht die anderen Veranstaltun­gen, auch keine Transparenz. Sie tun so, als wäre der Status immer noch: Geheimab­kommen oder sonst etwas. (Abg. Kogler: Da ist überhaupt nichts in den parlamentari­schen Materialien drin!)

Ich halte fest: Diese Panikmache, die Sie da betreiben wollen, dient nicht der Aufklä­rung. Ich glaube, Sie wollen irgendwo irgendwie politisches Kleingeld aus dem Ganzen schlagen, und das finde ich nicht aufklärungswürdig. Das ist eigentlich keine besonders positive Einstellung in Bezug auf diese ganze Angelegenheit. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Ich sage Ihnen auch, wenn ich da Worte höre wie „perverser Freihandel“, „Wahnsinn“ (Abg. Pirklhuber: Ja natürlich!) – Entschuldigen Sie, aber das werden auch Sie mit­verfolgt haben. Ich bin jetzt sechs Jahre Wirtschaftsminister, wir haben sechs Jahre lang immer wieder Freihandelsabkommen besprochen, mit Staaten, mit denen wir asymmetrisch verhandelt haben, weil das keine Industriestaaten waren. Es war immer die gleiche Frage: Brauchen wir eigentlich Investitionsschutzabkommen?, immer wie­der die Frage: Wie wird das gelebt? – und es erfolgte immer wieder eine relativ un­spannende Erledigung, weil es gelebt wird.

Sie brauchen eigentlich nur überlegen: Ein Land, das vom Export profitiert, ein Land, das von Rahmenbedingungen, von Regelungen abhängig ist, die entsprechend gestal­tet sind, wird insgesamt bei Vorliegen und Weiterentwicklung solcher Rahmenbedin­gungen entweder profitieren oder nicht. (Abg. Kogler: Ja, aber in welchen Bereichen?) Wie, glauben Sie, wird Österreich in den letzten Jahren abgeschnitten haben? – Ich


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