Damit kommen wir auch schon zum Kern des Problems. Die Ausbildung an dieser Schule wird mit 14 Jahren begonnen, und man sieht an den Zahlen der vornehmlich Schülerinnen, die diese Schule beenden und dann an den Zahlen jener, die tatsächlich den Beruf der Elementarpädagogin ergreifen, dass gerade einmal ein Drittel die Tätigkeit in diesem Bereich ausübt. Wir glauben, dass diese Ausbildung ab dem Alter von 14 Jahren eindeutig zu früh ist, dass zu viele danach ausscheiden und dass nur wenige Männer sich für diesen Beruf entscheiden.
Geht es um das Thema Akademisierung der elementarpädagogischen Ausbildung, regen sich auf allen Ebenen immer wieder politische Widerstände. Ich möchte hier den Gemeindebundpräsidenten Mödlhammer zitieren, der gesagt hat: Man kann nicht nur akademisch ausbilden, man muss dann auch akademisch zahlen und dafür entsprechende Stellen schaffen. Das trifft dann nicht den Bund, nicht die Länder, sondern in erster Linie die Gemeinden. – Das ist natürlich richtig. Aber er hat auch gesagt, und das finde ich besonders bemerkenswert: „Die Pädagogik ist in den Kompetenzen der Gemeinde nicht enthalten, sondern rein die Betreuung.“
Das, meine Damen und Herren, sagt sehr viel über das Verständnis aus, das wir nach wie vor von Kindertagesstätten, Kinderkrippen und Kindergärten in Österreich haben. Unserer Meinung nach geht es da um eine Bildungsinstitution, es geht nicht um Betreuung. Wir müssen da endlich einen Paradigmenwechsel machen! Das ist dringend notwendig.
Das ist auch einer der Gründe, warum wir NEOS fordern, dass der gesamte Bereich der Elementarpädagogik ins Bildungsressort wandert: Weil er dort besser aufgehoben ist, weil es um die Grundfesten der Bildung unserer Kinder geht.
Sie, Frau Bundesministerin, haben im Sommer der Zeitung „Die Furche“ ein Interview gegeben und dabei gesagt, dass Sie das ablehnen, dass Sie nicht der Meinung sind, dass die Ausbildung auf Hochschulniveau erfolgen muss. Sie haben dann als Vergleich gemeint, es brauche in Österreich ja auch keine akademischen Tischler. Jetzt ist die Debatte, wie ich schon gesagt habe, aktuell entfacht, weil der leider mittlerweile nicht mehr anwesende Staatssekretär Mahrer sich dafür ausgesprochen hat und dann sofort zurückgepfiffen wurde.
Nun zu der Anfrage selbst: Wir haben den Eindruck, dass weder der Bildungsauftrag von Kinderkrippen und Kindergärten ernst genommen wird, noch dass das Regierungsprogramm in dieser Frage besonders verbindlich ist. Dort ist auf Seite 40 unter anderem vom Ausbau des Fort- und Weiterbildungsangebots der pädagogischen Hochschulen im Bereich Elementarpädagogik die Rede, der schlussendlich in ein eigenes Ausbildungsangebot übergehen soll.
Wir haben zwölf Fragen an Sie gerichtet. Das Resultat ist durchaus überraschend. Erstens: Sie sagen, dass sich die Stärkung der Elementarpädagogik rein auf jene Initiativen beschränkt, die im Rahmen der neuen 15a-Vereinbarung zu setzen sind.
Jetzt muss man dazu sagen, diese 15a-Vereinbarung zum primär quantitativen Ausbau der Kinderbetreuung, die wir sehr begrüßen, beschränkt sich aber hier in diesem Bereich, wo es um die qualitative Weiterentwicklung geht, auf Freiwilligkeit. Es gibt keine verbindlichen Mindeststandards, es gibt keinen bundeseinheitlichen Qualitäts- oder sogar Bildungsrahmenplan, nein, es beruht auf Freiwilligkeit, nämlich letztlich auf Freiwilligkeit der Kinderbetreuungsträger, in die Qualität dieser Betreuungseinrichtungen zu investieren.
Der zweite Bereich ist folgender: Zu der elementarpädagogischen Ausbildung äußern Sie sich gar nicht, Sie sagen, das liegt nicht in Ihrer Kompetenz. Das mag zwar sein, aber ich habe Sie auch dezidiert nach Ihrer Meinung als Ministerin gefragt und nicht nach der Kompetenzlage.
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