Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll44. Sitzung / Seite 148

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Die NEOS wollen ja in der Nähe des Menschen sein, daher die Frage: Was bewegt ei­nen Menschen im Gesundheitswesen? Ich kann es Ihnen sagen, es ist ganz einfach: Wenn Sie krank sind, wollen Sie rasch kompetente Hilfe. Sie wollen, dass Ihnen einer zuhört, und Sie wollen, dass der Arzt – oder egal wer –, der mit Ihnen zusammenarbei­tet, keinen Blödsinn macht. Das ist übrigens weltweit gleich. Das ist auch in Vorarlberg gleich wie in Wien.

Es sollte uns aber sehr wohl bewegen, dass die Lebenserwartung im 20. Bezirk um vier Jahre niedriger ist als im 19. Da ist gesundheitspolitisch ein einziges Hindernis: der Donaukanal. Ich habe gar nicht gewusst, dass der Donaukanal ein Gesundheitsrisiko birgt. Das heißt, es gibt Faktoren in der Gesundheitspolitik, die man sehr wohl betrach­ten sollte. (Präsident Kopf übernimmt den Vorsitz.)

Es sollte uns auch ein bisschen bewegen, dass die Lebenserwartung in Städten nied­riger ist als auf dem Land, trotz anderer Ärztedichte. Es sollte uns zum Beispiel auch bewegen, dass Depressionen, Angststörungen und Schizophrenie in Städten häufiger sind. Das ist angewandte Gesundheitspolitik.

Was ist die Antwort der Gesundheitspolitik? Das sollten wir uns auch einmal ein biss­chen durch den Kopf gehen lassen. Das Erste ist einmal: gar nicht krank werden, also Prävention. Das, was ich da von der OECD lese – die kann sich gleich mit Ihnen ins Bett legen –, das ist erbärmlich! Wenn eine Studie sagt, die gesunden Jahre in Öster­reich sind schlechter als in Rumänien und Bulgarien, dann würde ich mich am liebsten hinlegen und weinen, denn das ergibt sich durch die Fragestellung.

Wenn Sie einen Wiener bei mir in der Ordination fragen: Wie geht’s?, sagt er Ihnen immer: Schlecht! (Abg. Belakowitsch-Jenewein: Sonst würde er ja nicht in die Ordi­nation kommen!) Das hat schon beim „Herrn Karl“ angefangen, und das geht auch heute weiter. Wenn sie zum Beispiel einen Vorarlberger fragen: Wie geht’s?, dann kommen Sie schon zu einem ganz anderen Ergebnis. Wenn Sie das einen Griechen fragen, wo das Gesundheitswesen wirklich darniederliegt, dann kommen Sie auch zu einem anderen Ergebnis, ebenso wenn Sie einen Rumänen fragen. Glauben Sie mir, es kommen Patienten aus Rumänien zu mir, die sagen: Bitte, bitte, machen Sie irgend­etwas! Bei uns gibt es gar nichts!

Wenn die OECD sagt, es reicht eine Befragung der Patienten, wo es darum geht, ob die Menschen glücklich sind, dann ist das okay, aber das ist wirklich keine Frage der Versorgung. Das müssen wir einmal klar sehen.

Das Zweite ist die Frage: Was ist teuer im Gesundheitswesen? – Die teuerste Form der Versorgung ist eine Spitalsversorgung. Es ist aber nicht gesagt, dass weniger Bet­ten eine tolle Versorgung sind. Es gibt da eine sehr schöne Studie, die besagt, dass weniger Betten gar nicht so optimal sind. Das heißt, die ideale Zahl der Betten ist, glaube ich, niedriger als die in Österreich, aber wahrscheinlich höher als jene in Hol­land. Und wenn der Herr Abgeordnete Strolz, der neue Gesundheitsexperte – jetzt ist er überhaupt hinausgegangen –, der sonst immer vor Duracell-Aktivität strotzt, mir jetzt sagt, wir brauchen das holländische oder belgische System, dann möchte ich ihm sa­gen: Ich möchte wirklich nicht krank sein in Holland, da ist das österreichische Spitals­system sehr wohl besser. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten von SPÖ und Grünen.)

Ich habe da prinzipiell ein Problem. Das österreichische Gesundheitswesen, bei allen politischen Unterschieden, die wir da haben, ist eines der weltbesten. Ich habe immer gesagt: eins bis drei, einigen wir uns auf: eins bis fünf. Ich wüsste gar nicht, wenn ich krank bin, wo ich hingehe. Notfälle will ich überhaupt nur in Österreich haben, weil wir wenigstens Notarzthubschrauber haben. Das „tolle“ finnische System hat nämlich nicht einmal einen Notarzthubschrauber.

 


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