Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll44. Sitzung / Seite 164

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nicht mehr da ist, denn wäre er anwesend, hätten wir diese Schnittstelle schneller aus­machen können. Und diese sollten wir auch öfter ausmachen, weil sie sehr relevant ist.

Ich möchte das nur anhand eines Beispiels aus meiner privaten Umgebung vor Augen führen, nämlich des Beispiels meiner Großmutter, die schwer dement war, die so de­ment war, dass es darum ging, sie medikamentös einzustellen. Das ist dann im Rah­men eines Aufenthalts in der Geriatrie erfolgt, und aus dieser Geriatrie ist meine Groß­mutter leider nicht mehr herausgekommen, weil sie nach dem Aufenthalt dermaßen hospitalisiert war und aufgrund der Ortsveränderung einen solchen Schock gehabt hat, dass sie irgendwann dann direkt von dort ins Pflegeheim gekommen ist.

Worauf möchte ich damit hinaus? – Nämlich darauf – und es gibt viele Berichte, nicht nur den Demenzbericht, die darauf hinweisen, und auch der Rechnungshof und viele Expertinnen und Experten weisen darauf hin –, dass es genau diese Schnittstellen zwi­schen intra- und extramuraler, wie es in der Fachsprache heißt, Pflege und Gesund­heitsversorgung nicht gibt, also zwischen dem, was in den eigenen vier Wänden pas­siert, und dem, was dann im Spital, im Pflegeheim oder sonst wo geschieht.

Es gibt keine ambulante Einstellung von Medikamenten – in dem Fall für meine Groß­mutter. Es gibt keine Beratung – für meine Eltern, die hätten wissen müssen, was man in dem Fall vielleicht besser hätte tun können. Es gibt dieses – man nennt es in der Fachsprache so – Case- und Care-Management nicht, aber wir wissen, dass das drin­gend notwendig wäre.

Es wäre schön, wenn wir uns gemeinsam über diesen Bereich und über diese Schnitt­stellen, über diese Übergänge zwischen Pflege und Gesundheit, wie das auch in der Anfrage anklingt, viel mehr Gedanken machen, nämlich im Sinne von dem, dass Men­schen länger gesund bleiben, auch länger zu Hause bleiben können und dort besser versorgt sind. Es gibt immer wieder die Idee, dass es so etwas gibt wie ein Family-Nursing-System, also Schwestern, die vor Ort sind, oder Pfleger, die vor Ort sind und sich die PatientInnen oder pflegebedürftigen Menschen anschauen und nachschauen, was diese brauchen.

Der Demenzbericht, aber auch der Rechnungshof hat festgestellt, dass es keine ent­sprechenden Behandlungspfade gibt, dass es in dem Zusammenhang keine Therapie­leitlinie gibt. Ich glaube, gerade dieser Bereich ist extrem wichtig, und der fehlt mir vollkommen in der Diskussion, weil es offensichtlich zwischen Sozialministerium und Gesundheitsministerium – insofern war das Bild vorhin so schön – einen „gap“ gibt, al­so einen Spalt, den wir schließen und auf den wir hinschauen sollten.

Ein Wort noch – das kommt auch in der Anfrage vor – zu den Pflegeberufen: Auch da halte ich eine hochwertige Ausbildung für notwendig, und da warte ich auf eine Antwort aus dem Gesundheitsministerium, denn da sind Sie die zuständige Ministerin: Wie sieht es aus mit einer qualitativ hochwertigen Pflegeausbildung? – Wir haben zwar ein System von verschiedensten Pflegearten und PflegerInnen, von der Heimpflege über die Fachhochschulausbildung bis zur Pflegewissenschaft, aber es gibt dazwischen, im gehobenen Bereich in der Pflege, viel zu wenig, und da brauchen wir eine entspre­chende Ausbildung.

Wir brauchen aber auch eine Wertschätzung der Pflegerinnen und Pfleger in diesem Land, denn der Pflegeberuf ist, wie wir alle wissen, extrem anstrengend, psychisch wie physisch, und er gehört unterstützt, und zwar nicht nur in der Ausbildung, sondern dann auch in der Bezahlung. – Danke. (Beifall bei den Grünen)

17.02


Präsident Karlheinz Kopf: Als Nächste ist Klubobfrau Dr. Nachbaur zu Wort gemel­det. – Bitte.

 


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