Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll44. Sitzung / Seite 174

HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite

Meine geschätzten Damen und Herren! Was wir brauchen, ist eine ganz enge Ver­flechtung zwischen Gesundheitssystem und Pflegebereich. (Beifall beim Team Stro­nach sowie bei Abgeordneten der NEOS.)

Wir haben eine riesige Sorge, was den ländlichen Raum betrifft. Wir haben die Sorge, dass es in Zukunft nicht mehr genügend Hausärzte geben wird. Wir haben die Sorge, dass es im Fachärztebereich schon jetzt einen Riesenmangel gibt. Die Zahlen, die ich heute gehört habe, kann ich nicht bestätigen, denn ich weiß konkret von einem Fall, wo jemand ein Jahr auf einen Augenarzttermin warten musste.

Meine geschätzten Damen und Herren! Das sind genau elf Monate zu viel. Hier haben wir Handlungsbedarf! Wir müssen schauen, dass es im ländlichen Bereich mehr Fach­ärzte gibt, und wir müssen schauen, dass die Landärzte erhalten bleiben. (Beifall beim Team Stronach.)

Das Problem des Föderalismus wurde heute schon sehr oft angesprochen. Wir können uns diesen Föderalismus nicht mehr leisten. Nicht nur, dass wir ihn uns nicht leisten können, er macht auch keinen Sinn! Oder gibt es irgendjemanden hier im Raum, der mir erklären kann, warum im Pflegebereich zum Beispiel ein Wiener nur 14 Quadrat­meter Fläche braucht, ein Kärntner 18 Quadratmeter? Das sind doch Unsinnigkeiten, das ist nicht mehr zeitgemäß, wir müssen das System ändern! (Beifall beim Team Stro­nach.)

Das System ist nicht nur nicht mehr finanzierbar, es ist auch widersinnig. Nehmen wir beispielsweise den Sozialhilfebereich her! Das eine Land hat Objektförderung – so wie Salzburg bei den Pflegeheimen –, die Steiermark hat Subjektförderung, und dann gibt es noch vermengte Systeme. Da ist keine klare Struktur erkennbar! Wir müssen da­rüber nachdenken, wie wir ein transparentes, einfaches, klar finanziertes System auf die Beine stellen können. Wenn uns das nämlich nicht gelingt, dann haben wir das Problem, dass sich die Gesellschaft entsolidarisieren wird. Das heißt, die Jungen wer­den nicht mehr bereit sein, dieses alte, überteuerte System zu finanzieren, und werden irgendwann einmal die Solidarität kündigen.

Deshalb ist es das Anliegen unserer Partei, eine Pflegeversicherung einzuführen. Wir wollen, dass die Pflege ganz klar, einfach und transparent finanziert wird und dass die Jungen nicht in etlichen Jahren sagen: Na ja, die nehmen so viel aus dem Steuertopf, wir sind nicht bereit, das Ganze zu bezahlen!

Meine geschätzten Damen und Herren, es gibt Handlungsbedarf! Wir können nicht so tun, als wäre da nichts zu machen.

Dabei müssen wir uns auch den Pflegebereich genauer anschauen. Es gibt viele Be­rufe im Pflegebereich, aber im Schnitt bleiben alle darin Beschäftigten nur 17,5 Jahre lang dabei. Das heißt, der Leistungsdruck ist so hoch und den Menschen wird so viel abverlangt, dass sie diesen Job nicht länger als 17,5 Jahre ausüben können.

An dieser Stelle: All jenen, die Pflege ausüben, von unserer Fraktion ein herzliches Dankeschön! (Beifall beim Team Stronach sowie bei Abgeordneten der NEOS.) Sie leisten Großartiges! Was wäre unsere Gesellschaft ohne jene Menschen, die bereit sind, anderen Menschen zu helfen, und zwar gerade in einer Situation zu helfen, in der es den Pflegebedürftigen schlecht geht? Herzlichen Dank. (Beifall beim Team Stronach sowie bei Abgeordneten der NEOS.)

Was die Pflege betrifft, wissen wir, dass wir alles daransetzen müssen, die Selb­ständigkeit der alten Menschen so lange wie möglich zu erhalten. Wir brauchen viele neue Konzepte, wir brauchen Ideen, wir brauchen neue Einrichtungen. Wir haben zum Glück teilstationäre Einrichtungen wie Tageszentren, wie betreutes Wohnen, betreuba­res Wohnen, Kurzzeitpflege, Wohngemeinschaften. Es gibt in diesem Bereich bereits


HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite